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02. März 2013

Familie und Beruf in Kleinbetrieben

Familienfreundliches Personalmanagement war Thema des Wirtschaftsbanketts / Kostenlose Beratung von Family Net für Firmen.

  1. 10. Wirtschaftsbankett Emmendingen Foto: Gerda Oswald

EMMENDINGEN. Gut 50 Vertreter aus der Wirtschaft informierten sich im Emmendinger Rathaus, wie mittelständische Unternehmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei ihren Mitarbeitern verbessern können. Auch kleine Unternehmen können mit wenigen Maßnahmen viel bewirken, war das Fazit des zehnten Wirtschaftsbanketts.

"Wir haben keine Großunternehmen mit Betriebskindergarten, sondern eine kleinteilige Struktur der Firmen", sagte Oberbürgermeister Stefan Schlatterer. Deshalb bedürfe es einer Vernetzung und gemeinsamer Lösungen. "Mir ist der Meinungsaustausch mit anderen mittelständischen Unternehmen sehr wichtig. Vielleicht lassen sich im Gespräch neue Ideen entwickeln", sagte Herbert Jochum, Beirat der August Faller KG in Waldkirch.

Referentin Silke Jäger-Warnecke, Projektleiterin von Family Net bei BBQ Berufliche Bildung in Freiburg, erläuterte, dass laut einer Erhebung für 90 Prozent der Mitarbeiter ein familienbewusstes Denken in der Firma wichtiger ist als das Gehalt. Und 77 Prozent der Eltern zwischen 25 und 39 Jahren würden für eine familienfreundliche Stelle den Arbeitsplatz wechseln. Weit vorn auf der Wunschliste der Eltern steht flexible Arbeitszeit. Die Fachberaterin gab zu bedenken, dass auch die Pflege von Familienangehörigen künftig von Unternehmen berücksichtigt und geregelt werden müsse.

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"Familienbewusste Angebote sind Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens und es rechnet sich auch wirtschaftlich", so Jäger-Warnecke. Eine Rendite bis zu 25 Prozent könnte sich ergeben, wenn die familienbedingte Fluktuation verringert wird, Abwesenheits- und Wiedereinstiegszeiten verkürzt werden und der Bewerberpool wegen des Familienmanagements größer wird.

Gerade kleine Unternehmen könnten mit wenigen Maßnahmen viel erreichen. Freiräume für den Arztbesuch, gemeinsames Mittagsessen der Kinder mit den Eltern in der Betriebskantine, keine Besprechungen nach 16 Uhr, Ferienbetreuung, Eltern-Kinder-Zimmer oder ein Spielekoffer für kurzzeitige Betreuungsnotfälle. Schon eine Kontaktperson, welche Kontakte von Kitas oder Tagesmüttervereinen parat hat, sei hilfreich. Sie bot den Unternehmen die kostenlose Beratung von Family Net an. Individuelle Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten werden darin gemeinsam festgelegt. Weiter stellt Family Net regionale Netzwerke her, damit die Unternehmen untereinander kooperieren können.

Oberbürgermeister Schlatterer stellte den Gewerbetreibenden die wichtigsten Haushaltsdaten mit rund 49 Millionen Euro Einnahmen und 47 Millionen Euro Ausgaben vor. Somit bleiben zwei Millionen Euro für Investitionen. Fast sieben Millionen Euro werden für Baumaßnahmen zur Betreuung der unter dreijährigen Kinder gebraucht. Er berichtete vom Familienzentrum und der Kampagne für energetisches Sanieren in Bürkle-Bleiche, dem Bürgerwindrad und der Vermarktung des Gewerbegebiets Regelmatte. Aber: "Auch in guten Jahren sind wir finanziell eng eingestrickt." Die Gewerbesteuer, acht Millionen Euro, sei für die Größe der Stadt um fünf Millionen Euro zu niedrig. Deshalb haben für ihn die Wirtschaftsförderung und Veranstaltungen wie das Wirtschaftsbankett einen hohen Stellenwert.

Das nächste Wirtschaftsbankett wird am 30. September stattfinden. Thema ist die Schweiz.

Autor: Gerda Oswald