Berauschende Klänge

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 04. Juli 2017

Emmendingen

Das Sommerkonzert des Per Tutti Orchesters Freiburg in der Emmendinger Steinhalle: Opulent, vielfältig und augenzwinkernd.

EMMENDINGEN. Die Hebriden, Finnland, die Donau, Ungarn, Frankreich und die Neue Welt: Den Zuhörern wurden am Samstagabend in der Steinhalle musikalische Eindrücke aus den verschiedensten Regionen der Welt in den jeweiligen Sprachen der Komponisten vermittelt, deren Werke für das Sommerkonzert des Per Tutti Orchester Freiburg ausgewählt waren.

Und zusätzlich die Geister, die Geschöpfe, über die Prometheus und Rübezahl herrschten. Es war eine bunte Mixtur, die durch den roten Faden der berauschenden Klänge und einer so augenzwinkernden wie informativen Moderation durch Peter Haug-Lamersdorf zusammengehalten wurde.

Das Per Tutti Orchester, ein seit über 25 Jahren bestehendes Laienorchester, konzertierte zum wiederholten Mal in der Steinhalle. Vor fast auf den Tag genau einem Jahr war der Solopart dem Gesang vorbehalten, in diesem Jahr der Oboe gewidmet. Jaime Gonzáles, international tätiger Oboist, spielte die "Fantasie sur des thèmes populaires francais" ausdrucksvoll differenzierend. Die Farbigkeit seines Spiels ließ die lyrischen Momente des Anfangs ebenso aufleuchten wie die fröhlich - tänzerischen der folgenden Themen. Jaile Gonzáles reihte sich einfühlsam in den Gesamtklang ein oder kostete die solistischen Passagen intensiv aus, immer in engem Kontakt zum Dirigenten und Orchester. An den Anfang des Programms war die Ouvertüre zu "Der Beherrscher der Geister" von Carl Maria von Weber gesetzt. Mit diesem den gesamten opulenten Orchesterklang fordernden Stück war kein Platz für Schwellenangst gegeben, die ersten gewaltigen Akkorde forderten den Einsatz aller Ensemblemitglieder. Der langjährige Leiter und Dirigent Nikolaus Reinke ordnete gestenreich und motivierend, er wusste durch die Erfahrung aus der kontinuierlichen Zusammenarbeit und der intensiven Probenarbeit ein Höchstmaß an Leistung abzurufen. Er dirigierte ausdrucksvoll und eindeutig einen Klangkörper, der durch seine üppige Besetzung der einzelnen Instrumentengruppen den volltönigen Ansprüchen der ausgesuchten Werke imponierend gerecht werden konnte.

Die musikalische Verherrlichung seiner Heimat (Jean Sibelius), die romantischen Reiseeindrücke (Felix Mendelssohn), das Temperament ungarischer Volkstänze (Johannes Brahms), das selige Schwelgen in Walzerklängen (Johann Strauß): Vielfältige Stimmungen waren herausgearbeitet und differenziert wiedergegeben. Wenn anzumerken ist, dass passagenweise allzu durchgetaktet gespielt wurde, dass bei Mendelssohn ein wenig mehr Transparenz gut getan hätte und die weichen Streicherfarben blass blieben, dass nicht alle Einsätze und Schlüsse punktgenau waren und einige Male für die Intonation nachgegriffen werden musste, verlieren sich diese Eindrücke vor der beeindruckenden Gesamtleistung. Es war zu spüren, mit welcher Konzentration und Spielfreude alle Beteiligten im Einsatz waren. Das Miteinander im Einfühlen in die einzelnen Werke und deren Umsetzung gelang ausdrucksvoll, sich gegenseitig steigernd und die Zuhörer mitreißend. Das engagierte Miteinander für das Gesamtprojekt spielte bis in das sehr detaillierte, kenntnis- und humorvolle Programmheft hinein. Die einzelnen Betrachtungen zum Programm waren von Orchestermitgliedern verfasst. Die für Beethoven typischen Akkorde zu Beginn und Ende seiner Ouvertüre waren punktgenau, die lyrischen Momente im Largo von Antonin Dvorák erklangen fast zu schön und in beneidenswert ruhevollem Spiel, im Strauß - Walzer waren alle Vorhalte genussvoll ausgereizt und das Schwelgen in vollen Klängen wurde gerne zelebriert.

Durch die Zugabe, eine überraschende Hommage an die Blockflöte, weil für viele Musizierende die Einstiegsdroge, kam Europa mit ins Spiel: der Eurovisionsschlager, zu dem Marc- Antoine Charpentiers Tedeum geworden ist, verabschiedete die Zuhörer, augenzwinkernd instrumentiert durch einen Blockflötenchor.