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16. Mai 2009
"Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen"
An der Integrativen Waldorfschule wurde gestern mit Politikern und Behördenvertretern der Etappensieg gegen das Land gefeiert.
EMMENDINGEN. Der Berliner Ehrengast blieb zwar im Stau stecken und verpasste das Flugzeug, doch die Runde aus Politikern, Lehrern, Eltern und Vertretern des Trägervereins der Integrativen Waldorfschule nutzte den gestrigen Besuchstermin auch ohne die Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen Karin Evers-Meyer zum Meinungsaustausch. Thema Nummer eins war, keine Frage, das Urteil des Verwaltungsgerichts zum integrativen Unterricht und der in dieser Woche erklärte Verzicht des Kultusministers auf eine Berufung.
"Die Erleichterung ist riesengroß", freute sich Geschäftsführer Michael Löser als er die Gäste, darunter Oberbürgermeister Stefan Schlatterer, der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß, die Landtagsabgeordneten Marcel Schwehr (CDU), Marianne Wonnay (SPD und Dieter Ehret (FDP), sowie die SPD-Stadträte Thomas und Johannes Fechner begrüßte.Wie das Unterrichten von behinderten und nicht behinderten Schülern in einer gemeinsamen Klasse funktioniert, davon konnten sich die Politiker, die sich für den Erhalt des Erfolgsmodells an der Emmendinger Schule eingesetzt hatten, nun selbst ein Bild machen. In kleinen Gruppen ging es hinein in die Klassen, zum Zeichenunterricht der Drittklässler ebenso wie in die Schulstunde der Zwölften. In der siebten Klasse berichteten die Schüler von ihren Plänen zu den anstehenden Jahresarbeiten. Joschka, ein Schüler mit Downsydrom, erzählte, für Außenstehende schwer verständlich, welche Ideen er hat. Die Mitschüler "übersetzten" für Dieter Ehret und Thomas Fechner, die er spontan zu seiner Party einladen wollte.
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"Das ist das entscheidende Merkmal der Integration", erläuterte Michael Löser später in der Diskussionsrunde im Eurythmiesaal mit Torsten Einstmann, dem Leiter des Arbeitsstabes der Bundesbeauftragten. "Nicht nur der Schüler mit Behinderung lernt sich auszudrücken, sondern auch die nicht behinderten Schüler lernen ihn zu verstehen". Auch Möglichkeiten der Gebährdensprache werden im gemeinsamen Unterricht genutzt. Lernpartnerschaften, Tischgruppenarbeit und der Einsatz von Helfern im freiwilligen sozialen Jahr und zusätzlicher Heilpädagogen erleichtern die Integration. "Es gibt keine Defiziterlebnisse, alle Schüler kommen mit ihren unterschiedlichen Begabungen zu ihrem Recht", antwortete Michael Löser auf eine Besucher-Frage.
Beherrschendes Thema der Runde war natürlich der Ausgang des Verfahrens, der der Emmendinger Schule ihren Status rechtlich sichert. "Das hat Modellcharakter", glaubt Christian B. Schad, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen und Torsten Einstmann bestätigte: "Es verändert sich was". Die Hamburger Bürgerschaft fordere bereits den Rechtsanspruch auf inklusive Bildung, das heißt, dass Eltern von Schülern mit Handicap selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind auf eine "normale" oder eine Sonderschule schicken.
"Es war ein besonders sperriger Weg, aber ich bin sicher, dass man dieses Rad nicht mehr zurück drehen kann", sagte Marianne Wonnay. Zeit zum Zurücklehnen habe man aber nicht, so die Abgeordnete: Nun gelte es bei den Kostenträgern vor Ort Überzeugungsarbeit zu leisten.
Autor: Gerhard Walser
