Der Genrewechsel kommt an

Georg Voß

Von Georg Voß

Sa, 06. Oktober 2018

Emmendingen

Rund 70 Zuhörer waren bei der Premierenlesung mit Thomas Erle in der Stadtbibliothek.

EMMENDINGEN. Rund 70 Zuhörer kamen am Donnerstagabend zu Thomas Erles Premierenlesung in der Stadtbibliothek. Dort liest der für seine Kaltenbach-Krimis bekannt gewordene Autor aus "Das Erwachen", dem ersten Band seiner neuen Trilogie "Das Lied der Wächter".

Der neue Roman spielt im Schwarzwald 16 Jahre nach einem Atomunfall. Seitdem ist der Schwarzwald zur Sperrzone erklärt und mit einem Hochsicherheitszaun, ähnlich dem, der die DDR von der BRD trennte, umgeben. Der 16-jährige Felix begibt sich in das Sperrgebiet und entdeckt eine ungeheuerliche Gefahr, die in dem verstrahlten Schwarzwald lauert, und stößt auf etwas, was die Regierung versucht zu schweigen. So begibt er sich auf Spurensuche. Seine Eltern Martin und Nadja sind Zeitzeugen des Atomunglücks geworden. Thomas Erle schildert spannend, wie sich Martin und Nadja auf eine Wanderung auf den Seebuck begeben und das ferne Donnern aus dem Westen hören. Es ist Spätsommer, dennoch liegt bald der Schnee knietief. Aus der dreistündigen Wanderung werden zwei Tage. Hotels wie der "Feldberger Hof", sind verlassen. Sie wandern zurück, als auch schon der Nebel herunterzieht.

Solche Szenen setzt dann Rainer Wahl musikalisch in Szene und lockt aus seinem Instrument Töne hervor, die an einem solchen kalten und wabernden Nebel erinnern. Thomas Erle hat, wie bei seinen anderen Lesungen, den Gutacher Saxophonisten mitgebracht, der frei improvisiert mit einer guten Portion Jazz die Lesung musikalisch untermalt. Schließlich landet er bei einer kurzen wohlbekannte Melodie: Im Frühtau zu Berge.

Die Spannung des Romans pflanzt sich förmlich auf die Besucher fort. Das Publikum kommt meist aus Maleck, wo der Autor einmal gewohnt hatte und auch Lothar Kaltenbach versucht in "Hochburg" in diesem Emmendinger Ortsteil einen Kriminalfall zu lösen. Der Ortsvorsteher von Maleck Felix Schöchlin ist auch bei der Premierenlesung. Er tritt auch als Alter Ego in "Hochburg" auf. "Ich habe die Krimis mit Interesse gelesen", sagt er nach der Lesung. "Ich bin gespannt auf das neue Buch und freue mich darauf."

Auch Gerrit Müller hat beim Entstehen der Trilogie mitgewirkt. Als Oberforstrat aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hat er Korrektur gelesen, ob Flora und Fauna im Schwarzwald stimmig beschrieben sind. "Ich bin ein alter Schulfreund von Thomas Erle. Er hat mich gefragt, ob ich mal durchlese. Über das Buch haben wir uns richtig kennengelernt", sagt er. Gerrit Müller kennt auch die Kaltenbach-Krimis. "Ich konnte nicht aufhören, sie zu lesen." Er taucht in der Trilogie als Nebenfigur auf und kennt schon die Fortsetzung. Der zweite Band der Trilogie erscheint im März. Thomas Erle steht bei dem dritten Band schon kurz vor dem Abschluss.

Aber bei der Premierenlesung sind nicht nur unmittelbare Freunde und Nachbarn des Autors in der Stadtbibliothek oder solche, die ihn als Lehrer an der Waldorfschule kennen. So hat Irmgard Selinger aus Gundelfingen über den Bericht im "Sonntag" den Weg nach Emmendingen gefunden. "Ich bin nicht so ein Krimi-Fan. Die Trilogie interessiert mich mehr", sagt sie. "Es ist ein spannendes Thema. Ich bin auch gegen Fessenheim auf die Straße gegangen."

Der Genrewechsel vom Krimi zum modernen spannungsgeladenen Abenteuerroman scheint beim Publikum angekommen zu sein. Es bedankt sich mit langem Applaus. Thomas Erle ist über die große Resonanz beeindruckt. "Es tut gut, die Unterstützung zu wissen." Er hatte eingangs der Lesung gehofft, dass dem Genrewechsel eine Chance gegeben wird. Diese Hoffnung ist wohl erfüllt worden. So bleibt aber auch die Frage für die Krimi-Fans offen, ob Lothar Kaltenbach in Fall Nummer fünf, Vater wird oder nicht.

Info: Thomas Erle, Das Lied der Wächter/ Das Erwachen, erschienen am 4. Oktober im Gmeiner Verlag, Meßkirch; Preis 15 Euro.