Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. September 2017

"Dinge gemeinsam wachsen lassen"

BZ-INTERVIEW mit dem neuen Leiter des Goethe-Gymnasiums Ulrich Schmidt über Beständigkeit und Veränderungen.

  1. Ulrich Schmidt ist neuer Schulleiter des Goethe-Gymnasiums. Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN. Ulrich Schmidt ist der neue Leiter des Goethe-Gymnasiums. Schmidt ist kein Unbekannter hier, war er doch sieben Jahre zuvor Schuldekan und hat am "Goethe" Religionsunterricht erteilt. Sylvia-Karina Jahn sprach mit ihm, als er genau zwei Wochen und zwei Tage im Amt war.

BZ: Vom Pfarrer über den Schuldekan und Religionslehrer zum Schulleiter – das ist ein ungewöhnlicher Schritt! Was hat Sie dazu bewogen?
Schmidt: Ich bin gar nicht selbst auf den Gedanken gekommen. Aber als im vergangenen Kalenderjahr die Frage auftauchte, wer Nachfolger von Christoph Grießhaber wird, bin ich von einigen Personen darauf angesprochen worden. Das war für mich der Anstoß, den Gedanken zuzulassen. Und so habe ich angefangen zu sondieren. Als Schuldekan hatte ich ja bereits eine Leitungsfunktion. Bestärkt hat mich, dass ich diese Schule sehr schätze und gut finde. Wichtig ist mir der Umgang mit Kollegen, Schülern und Eltern. Für mich hat Schule in der Biografie eines Menschen eine große, oft prägende und wegweisende Bedeutung. An dieser gehaltvollen, bedeutungsvollen Aufgabe möchte ich gern mitwirken.

Werbung


BZ: Die Gemeindearbeit hat Ihnen nie gefehlt?
Schmidt: Am Anfang schon, als ich 2010 aus dem Pfarrdienst in Sulzburg in das Amt des Schuldekans wechselte. Da war der Bezug zur Gemeinde, aber auch die Sonntagsgottesdienste – man hält sie ja nicht nur als "Service" für die Gemeinde, sondern auch für sich selbst. Vermutlich war ich auch deshalb so gern in der Schule – als Schuldekan acht bis zehn Stunden am Goethe-Gymnasium –, weil ich dort den engen Kontakt zu Schülern und Kollegen hatte. Ich werde auch als Schulleiter weiter Religion unterrichten, wenn auch nur mit einigen Stunden.

BZ: Man kennt Sie, aber Sie kennen auch das Gymnasium. Was wollen Sie als Erstes in Angriff nehmen?
Schmidt: Ich möchte mir erst einmal die Zeit nehmen, die der Wechsel vom Kollegen zum Vorgesetzten braucht. Natürlich habe ich gewisse Vorstellungen, aber nicht im Sinne von "das machen wir jetzt so". Mein Ziel ist es, die Dinge gemeinsam wachsen zu lassen. Ich will aufnehmen, was da ist, beispielsweise eigene Ideen der Lehrkräfte.

BZ: Wer solch ein Amt übernimmt, muss in der Regel ein Konzept vorlegen. Was beinhaltet das Ihre?
Schmidt: Zunächst einmal bestimmt die schulische Wirklichkeit, was Schule zu tun hat. Da ist der Fächerkanon, da sind Bildungspläne, bildungspolitische Vorgaben und das eigentliche Kerngeschäft, also der Unterricht selbst. Das Goethe-Gymnasium hat zudem bereits markante Schwerpunkte mit seinen Profilen in Musik, Sprachen und Naturwissenschaften. Gerade das Musical "1590 - Jakob und Elisabeth" hat dokumentiert, dass hier eine großartige Arbeit geleistet wird. Das Rad muss nicht neu erfunden werden, sondern wir werden uns gemeinsam weiter entwickeln und Neues kann dazu kommen.

BZ: Das wäre?
Schmidt: Als Schule in Kontakt und Austausch mit Schulen in anderen Ländern stehen – das gibt einen anderen Blick auf das eigene. Ich möchte das Gefühl für Internationalität noch stärker in den Schulalltag integrieren. Außerdem ist mir die Allgemeinbildung wichtig. Die so genannten Nebenfächer sind nicht nebensächlich, jedes Fach leistet einen wichtigen oder schönen Beitrag zum Wissen – so auch Erdkunde, Religion, Ethik und Bildende Kunst. Auch fächerübergreifende Ansätze will ich stärken. Also nicht: Jetzt haben wir Biologie, der Schüler öffnet die entsprechende Schublade, und später vielleicht Ethik, das ist eine andere Schublade. Die Inhalte der Fächer haben schließlich häufig miteinander zu tun.

BZ: Wie soll das an einer Schule funktionieren?
Schmidt: Ein fortgeschrittenes Modell ist der Seminarkurs, in dem zwei Fachlehrer – etwa Geschichte und Erdkunde, Englisch und Gemeinschaftskunde – eine bestimmte Thematik aus beiden Perspektiven behandeln. Dabei lernen die Schüler unter anderem das Recherchieren, auch in der Unibibliothek, und wissenschaftliches Arbeiten, und bereiten sich so auch auf die Universität vor. Statt separiert an die Themen heranzugehen, sehen sie Zusammenhänge – das ist für mich eine Qualität von Bildung.

BZ: Was wollen Sie an der Schule ändern?
Schmidt: Ich will auf diese Frage im Blick auf die Gebäude antworten. Zunächst einmal ist es großartig, wie viel Geld die Stadt aktuell für die Medienausstattung der Schule investiert hat. An dieser Stelle ein Dankeschön! Zugleich werden weitere Investitionen anstehen. Wir starten in Klasse 5 jetzt bereits zum zweiten Mal fünfzügig, das heißt, mit jedem Jahrgang steigt der Raumbedarf – irgendwann ist da ein Umbau nötig. Schön wäre auch eine Aufenthaltsmöglichkeit für Schüler. Wir haben zwar ein Lern- und Arbeitszentrum eingerichtet, aber der Platz ist begrenzt. Die Baupläne für die Mensa sind eine wichtige Investition. Ich möchte auch das Ganztagsangebot weiterentwickeln – dafür besteht eine Notwendigkeit, aber da müssen wir nach finanziellen Möglichkeiten suchen.

BZ: Und was soll sich auf keinen Fall ändern?
Schmidt: An den Profilen soll sich nichts ändern – und auch nicht am großen Gewicht, das soziales Lernen am Goethe hat, wie zum Beispiel das Sozialtraining, die Erlebnispädagogik, die Streitschlichter, das einjähriges Sozialpraktikum und anderes. Das sind Errungenschaften der Schule, die dem Einzelnen und der schulischen Gemeinschaft zugute kommen.

BZ: Und was tun Sie am liebsten, wenn Sie grade nicht arbeiten?
Schmidt: Im Moment muss ich viel raus, also laufen und wandern. Dann genieße ich die Zeiten mit Freunden, gehe gerne ins Kino und genieße an einem ruhigen Abend ein gutes Buch.

Ulrich Schmidt war von 2010 bis 2016 Schuldekan im Bezirk Emmendingen und unterrichtete zugleich am Goethe-Gymnasium das Fach evangelische Religion. Geboren wurde er vor 52 Jahren in Auggen im Markgräflerland. Studiert hat er in Basel und in den USA, Pfarrer war er in Weiach (bei Zürich) und Sulzburg.

Autor: ja