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30. März 2017

Frau mit Mähdrescher zwecks Heirat gesucht

Annegret Braun, die im Emmendinger Tagebucharchiv forschte, las aus ihrem Buch "Mr. Right und Lady Perfect".

  1. Annegret Braun bei ihrer Lesung im Bürgersaal Foto: Dagmar Barber

EMMENDINGEN. Es geht um die Partnersuche. Annegret Braun, die Autorin, ist aus Bayern gekommen, um aus ihrem neuen Buch zu lesen. "Mr. Right und Lady Perfect". Untertitel: Von alten Jungfern, neuen Singles und der großen Liebe. Braun ist Kulturwissenschaftlerin und Lehrbeauftragte am Institut für Europäische Ethnologie der Universität München. Für ihre Magisterarbeit hat sich Annegret Braun mit "Ehe- und Partnerschaftsvorstellungen" in Heiratsinseraten von 1948 bis 1996 befasst. Neben Lebensgeschichten berühmter Persönlichkeiten, literarischer Figuren und Partnerschaftsinseraten hat die Autorin auch aus Tagebüchern des DTA-Bestandes zitiert. Das Interesse ist groß. Im Bürgersaal müssen eilig noch Stühle geholt werden.

Die Suche nach dem idealen Partner ist keineswegs eine Erscheinung unserer heutigen Zeit, weiß Annegret Braun. In ihrem Buch geht es um alte und neue Formen des Verkuppelns, Brautschau als Geschäft und arrangierte Ehen, Heirat als Karriere- und Emanzipationsstrategie, Orte des Kennenlernens und Flirtens. Das letzte Kapitel heißt "Die Liebe und das Glück".

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Ein Kapitel heißt "Traumfrau sucht Traummann zum Träumen" – Heiratsinserate und Kontaktanzeigen. Damit die erste leibhaftige Begegnung nicht zur Qual wird, muss schon die Auswahl der Kandidaten möglichst hieb- und stichfest gemacht werden. Bevor die Partnersuche ins Internet verlagert wurde, waren Heiratsinserate eine Möglichkeit, seine Auswahl zu erweitern. Auf diese Weise konnten auch Frauen aktiv suchen.

Ideal zum inserieren war der "Allgemeine Heiratsthempel" um 1870. Doch bereits 1695 erschien in England, in einem Wochenblatt für Landwirtschaft, zwischen Viehmarkt und Verkaufsangeboten von Heuwagen ein Inserat: "Ein Herr von 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz sucht für die Ehe eine junge Dame mit einem Vermögen von ca. 3000 Pfund". Die Leser glaubten zuerst an einen Scherz. In Deutschland erschien das erste Heiratsinserat am 8. Juli 1738 "Ein honettes Frauenzimmer, ledigen Standes, guter Gestalt sucht... einen guten Doctor oder Advocaten ledigen Standes... so groß und wohl aussieht." Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden will in den 80er Jahren ein Mann im Wochenblatt: "Landwirt 23 J, sucht Frau m. Mähdrescher ab 250 cm Schnittbreite, zwecks späterer Heirat. Bitte Bild v. Mähdrescher beilegen." Maximale Information bei minimaler Zeilenzahl, um den Geldbeutel zu schonen, wird zuweilen auch übertrieben: "Beamter, led., kath....sucht sich m.e. gut kath., reinl. Mädchen." In den USA ist das noch ausgepägter: Eine SWF, 36, fordert: "No bigots or addicts of any kind" (keine Frömmler oder Süchtigen irgendwelcher Art).

Nach dem zweiten Weltkrieg suchten immer mehr Menschen ihren Partner über eine Heiratsannonce: "2-Zimmer-Whg, 2 CARE-Pakete pro Monat". Die Frau erhielt dafür 2437 Zuschriften. Noch in den 1960er Jahren wurde in den Inseraten Diskretion verlangt.

Annegret Braun weiß durch ihre Recherchen, dass Kontaktanzeigen auch Sehnsüchte ausdrücken "Schwarze Lady sucht männlichen Gefährten, Hautfarbe egal. Ich bin sehr hübsch und spiele gerne. Ich liebe lange Spaziergänge, fahre gerne mit deinem Pick-up mit, gehe gerne jagen und campen, mag Angelausflüge und Abende am Kaminfeuer. Beim Candlelight-Dinner fresse ich dir aus der Hand. Wenn du von der Arbeit kommst, warte ich schon an der Tür auf dich." 1500 Zuschriften kamen auf diese Anzeige, die nach einem echten Männertraum klingt. Die schwarze Lady war aber ein Labrador Retriever.

Autor: Dagmar Barber