"Heute lacht man darüber"

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Von derg

Sa, 20. Januar 2018

Emmendingen

IM PORTRÄT: Willy Trost, Emmendinger Fußballlegende und Autor und ehemaliger SPD-Stadtrat.

EMMENDINGEN. Jahrzehntelang berichtete Willy Trost in Zeitungen, Fußballfachzeitschriften, drei Büchern und Rundfunksendungen über Sportereignisse und Begegnungen mit seinen Mitmenschen. Am Sonntag feiert die Emmendinger Fußballlegende den 80. Geburtstag.

"Bereits im Alter von sechs Jahren interessierte ich mich für Fußball", erzählt Willy Trost. Mit zwölf Jahren trat er einem Sportverein bei und spielte bis in die A-Jugend überwiegend in der Position als rechter Verteidiger. Als Sohn eines Uhrmachermeisters war er mit fünf Geschwistern in Sulgen, einem Ortsteil von Schramberg, aufgewachsen. Später zog die Familie nach Renchen und dann wegen des Krieges nach Aichhalden im mittleren Schwarzwald. Seine Zeit im Gymnasium beendete eine schwere Krankheit. Damals war ein geplatzter Blinddarm lebensbedrohlich. Nach dem Schulabbruch lernte er den Beruf des Mechanikers und ging danach mit 17 Jahren in die Schweiz. Dort kickte der leidenschaftliche Fußballer in Firmenmannschaften wie Thalwil Bern oder General-Motors Biel. Nach sieben Jahren zog es ihn wieder Richtung Heimat. Ein Fußballverein in Lörrach war die erste Station seiner Rückkehr ins Ländle. Er absolvierte die Meisterschule, doch sein Traum, Berufsschullehrer zu werden, scheiterte an ständigen Aufschüben der Schulbehörden. So arbeitet er nahezu drei Jahrzehnte als Kfz-Sachverständiger einer Versicherung.

Inzwischen war er der SPD beigetreten und, als er von Freiburg nach Emmendingen zog, dem SPD-nahen Ring- und Stemmclub. "Nicht als Aktiver, dafür war ich zu wenig muskulös", sagt er. Aber er übernahm die Öffentlichkeitsarbeit, ebenso beim FC Emmendingen. Dort blieb es nicht bei der Pressearbeit. Als Jugendtrainer, Mannschaftsbetreuer, Geschäftsführer des Vereins und Stadionsprecher war er ein Tausendsassa – und ist längst Ehrenmitglied.

Trotz seines Engagements blieb das Familienleben nicht auf der Strecke. Seine Frau Margit schenkte fünf Kindern das Leben. Über die eineiigen Zwillinge Andreas und Michael gibt Willy Trost herrliche Anekdoten zum Besten. So tauschte er die Brüder bei Jugendspielen in der zweiten Halbzeit manchmal aus. Lediglich ein Trikotwechsel war nötig. Das gab viel dann mehr Puste für die zweite Spielhälfte.

Seine Empathie und Diskussionsfreude trugen dazu bei, dass er, inzwischen Vorstandsmitglied im SPD-Ortsverein, 16 Jahre als SPD-Stadtrat fungierte. Ein Schwerpunkt waren damals die Diskussionen um die Fußgängerzone in der Innenstadt. Geschäftsleute hatten Bedenken, die Innenstadt würde ohne Autoverkehr ausbluten. "Heute lacht man darüber", erzählt er lächelnd.

Drei Bücher hat er veröffentlicht. "Das Chalet" beschreibt sein Leben in der Schweiz. "Ein Menschenjahr" ist eine Art Tagebuch mit Notizen aus dem Breisgau. "Meine Reise im Schneckle" beschreibt die fünf neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung.

Zu soviel Tatendrang gehört ein hohes Maß an körperlicher Fitness. Früher war Joggen angesagt, nicht selten nach Waldkirch und zurück, jetzt sind es tägliche Spaziergänge von vier bis fünf Kilometern und Ausflüge mit seiner Wandergruppe: "Da stehen jede Woche sechs bis sieben Kilometer auf dem Programm."

Willy Trost, Kfz-Sachverständiger, am 21. 1. 1938 in Schramberg geboren, ist seit 1968 verheiratet. Das Ehepaar hat fünf Kinder und sieben Enkel und lebt in Emmendingen.