Am Samstag bis 18, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr

Kunst erobert das Wehrle-Werk

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Sa, 23. September 2017 um 14:55 Uhr

Emmendingen

Noch bis Sonntag läuft die Ausstellung "Begegnung" im Wehrle-Werk – nicht nur ein guter Überblick über das Kunstschaffen in Emmendingen, sondern auch Genuss in besonderem Rahmen, nämlich in der alten Werkshalle. Nichts wie hin!

EMMENDINGEN. Die Hintergrundmusik zur Vernissage liefern kleine Fräs- und Schleifgeräte, als die Ausstellung "Begegnungen – Kunst im Werk" am Samstag eröffnet wird. Und manche Werke – beispielsweise Nadja Stolps Bilder, die Jugendstil-Fotos von Peter Thomann, Jens Mellies Foto von der Werkswand, die genau gegenüber liegt – wirken wie für das Wehrle-Werk gemacht. Doch sie sind nur zu Gast in der ältesten Halle des Wehrle-Werks, die das Unternehmen ein Wochenende lang für die Ausstellung von 25 Emmendinger Künstlern zur Verfügung gestellt hat.

Das Ambiente ist ungewöhnlich und reizvoll und schon allein einen Besuch wert. Geschickt nutzen die Aussteller die Gegebenheiten. Skulpturen präsentieren sich eben nicht nur auf den gängigen Sockeln, sie sind auch auf einen großen Metallrondell platziert. Zwischen den Stellwänden blitzt hier und da Arbeitsgerät und -material hervor. Und wer wissen will, wie die markante dunkle Steinwand vor sechs Jahren aussah, findet sie exakt gegenüber in Jens Mellies’ großformatigen Fotos. "Sie ist älter geworden", kommentiert er.

Die Palette der Exponate reicht weit. Mehrere haben den Titel der Ausstellung zum Thema gemacht, zeigen Menschen oder Gesichter – oder setzen darauf, über Formen und Farben ins Gespräch zu kommen. Wer es spielerischer angehen will, schnappt sich eine Teilnahmekarte vom Ratespiel und ordnet die darauf gezeigten Ausschnitte aus den Auktionsbildern dem richtigen Künstler zu.

Und wer sich einen Überblick über die künstlerische Vielfalt verschaffen will, kann hier wunderbar vergleichen, einfach nur schauen oder sich Hintergrund und Entstehungsgeschichte der Werke erklären lassen. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug, zwei Stunden sind weg wie nichts. Schade, dass die Ausstellung nur ein Wochenende dauerte – aber auch das macht ihren Reiz aus.

Perfekt ist auch das Licht. Oberlicht strömt durch die Verglasung des Hallendachs, rückt Skulpturen, Menschen und Malerei ins rechte Licht. Spiegeleien entstehen kaum; allenfalls dort, wo Leuchten die Bilder ins rechte Licht rücken.

Kurzum, die Arbeitshalle verwandelte sich einmal mehr in einen Ort der Kultur und Kunst – wie vor vier Jahren für die erste Ausstellung der Emmendinger Künstler, damals mit 20 Ausstellern und unter dem Motto "Zeitenwandel"; aber auch wie jüngst bei der Aufführung des Musicals "1590" von Jens Uhlenhoff, mit der die Schüler des Goethe-Gymnasiums begeisterten. Das rief Wehrle-Geschäftsführer Heiner Steinberg in Erinnerung. Das Werk sei selbstverständlicher Teil der Stadt, sagte er bei der Eröffnung, und biete nach seinen Möglichkeiten Raum für das öffentliche Leben. Die Begegnung von Kunst und Arbeitswelt gebe die Möglichkeit zu spannenden Gesprächen.

Wie Steinberg, freute sich auch Oberbürgermeister Schlatterer über dieses Zusammentreffen und über den guten Zweck. Denn der Erlös der Auktion am Sonntag, für die jeder Künstler ein Bild zur Verfügung gestellt hat, sowie Spenden sollen dafür verwendet werden, einen besseren Zugang zum Tafelberg zu schaffen. Das neue Veranstaltungsgelände vor der Stadt wurde in ein richtiges Amphitheater verwandelt – nur Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte haben es schwer, dorthin zu kommen. Das soll sich ändern.

Werner Tegeler, der die Ausstellung organisiert hat, nannte die Ausstellung eine einmalige Chance, neuartigen Eindrücken zu begegnen. "Gründen Sie persönlich eine Dauerbeziehung zur Kunst – durch Erwerb", wies er augenzwinkernd darauf hin, dass man die Werke ja auch kaufen kann.

Er zog eine Parallele zwischen Menschen, die Kunstwerke, und Menschen, die Nutzwerke schaffen: "Kunstwerke können Nutzwerke, Nutzwerke Kunstwerke sein." Während bei den Fotografien neben der materiellen Substanz das Objekt zum künstlerischen Ergebnis beitrage, seien es bei den malerischen Werken der einzelne Mensch, der sich offenbare. Die Quelle, aus der er schöpfe, sei das reale Weltgeschehen oder das eigen Seelenleben. Kunst sei ein einsames Schaffen, ohne gesicherte Erträge, aber auch ohne Abhängigkeiten. Aber auch wer Nutzwerke erstelle, verwende veredelte Metalle und Vorprodukte, und nur das Zusammenspiel aller kreativen Kräfte führe zum Ziel.

Die Werkshalle sei in alle Richtungen konkurrenzlos als Ausstellungsraum, fasste Tegeler zusammen, was die Aussteller denken – und die Besucher. Es brauche solche Räume, um kulturelle Begegnungen zu ermöglichen. Nicht nur mit Malerei, Skulptur und Fotografie: Frank Goos, "tonaler Bildinterpret", sorgte mit dem Mingus Monks Quintett für musiaklscihe Unterhaltung; am Sonntag sind die Furchtlosen 71/2 und die Funky Devilz dran.

Gudrun Kirschhöfer und Bettina Frey-Bruzzone bedankten sich bei Heiner Steinberg, Monika Süther tat dies für die Künstler bei Tegeler.

Eine Bildergalerie finden Sie unter http://mehr.bz/kunstinem

Begegnungen im Wehrle-Werk, Samstag, 23. September, 11 bis 18, Sonntag, 24. September, 11 bis 17 Uhr. Musik: Samstag 15 Uhr Frank Goos and Friends, Mingus Monks US Quintett. Sonntag 11.30 Uhr Die furchtlosen 71/2, 13.30 Uhr Funky Devilz. Auktion Sonntag, 15 Uhr, danach Verlosung des Ratespiels.

Aussteller: Monika Baltes, Lilli Benkert, Elisabeth Brender, Barbara de Haen, Elke Eichhorn-Kilian, Bettina Frey-Bruzzone, Waltraud Graßegger, Hanne Günther, Renée Hansen, Katharina Hoehler, Gudrun Kirschhöfer, Anja Kostka, Andrey Kuznetsov, Annegreet Langer-Zais, Jens Mellies, Beate Neumann, Jutta Pankonin, Lilli Röckle, Nadja Stolp, Wolfgang Straube, Birgit Straub, Monika Süther, Peter Thomann, Karin Weiß, Waltraud Wengert.