Lehr- und Baumeister des jüdischen Lebens

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mi, 20. Juni 2018

Emmendingen

Klaus Teschemacher, Gründer der neuen jüdischen Gemeinde in Emmendingen, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

EMMENDINGEN. In der Nacht auf Montag verstarb Klaus Teschemacher, mit jüdischem Namen Mosche Ben Gideon, der Vater der 1995 wiedergegründeten Emmendinger Jüdischen Gemeinde, im Alter von 78 Jahren. Von einer schweren Krankheit gezeichnet lebte er zuletzt zurückgezogen, in Trauer um seine im November 2015 im Alter von 65 verstorbenen Ehefrau Ute, die große Liebe seines Lebens. Gemeinsam hatte sie dem jüdischen Leben im Landkreis Emmendingen und der Ortenau wieder eine Heimat gegeben, der Veranstaltungssaal im alten Gemeindehaus, dem Simon-Veit-Haus, trägt ihren Namen.

Am 18. März 1940 wurde Klaus Teschemacher in Prenzlau, im nordbrandenburgischen Landkreis Uckermark geboren. Mit Mutter und Großmutter gelang die Flucht dank Helfern nach Dänemark, wo er die ersten Lebensjahre versteckt leben musste. "Am Tag durfte er nicht raus, nur bei Dunkelheit mit den Spielsachen der Familie, bei denen die Flüchtlinge versteckt waren, spielen. Als Deutsche entlarvt, wurden die drei nach Kriegsende in ein Internierungslager gesteckt, die Großmutter verhungerte, weil sie ihre Portion dem jungen Enkel gab. Zurück in Berlin war auch die Jugend hart, schon in jungen Jahren musste Klaus Teschemacher viel arbeiten. Die Mutter lehnte das "Blutgeld" für den im KZ ermordeten Vater ab. Auf Lehramt studierte Teschemacher in Freiburg, wo er bald auch, weil es an Sachkundigen für das Judentum fehlte, unterrichtete. Das Judentum in all seinen Facetten den Menschen erklären, durch Vermittlung von Wissen den Schleier des Fremden lüften, verstand er zeitlebens als eine seiner großen Aufgaben. Seine Bibliothek mit weit über 4000 Bänden zeugt von seinem großen Wissensdurst.

Davon, dass das erlebbare jüdische Leben der beste Lehrmeister ist, war er überzeugt und sein weiteres großes Engagement galt dem Aufbau neuer Gemeinden. In Freiburg war er dabei maßgeblich beteiligt, die Gründung der jüdischen Gemeinde in Emmendingen, wo er mehr als vier Jahrzehnte zu Hause war, war für ihn und seine Frau das größte, verdienstvollste Projekt. Nicht zuletzt, weil es dabei auch um die sozialen Belange der Menschen ging, die als sogenannte Kontingentflüchtlinge das Groß der Gemeindemitglieder bildeten. 2005 wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler für das Engagement geehrt, 2012 erhielt das Ehepaar Teschemacher die Staufermedaille in Gold. Mit der selten verliehenen Ehrung werden besondere, persönliche Verdienste für das Land Baden-Württemberg durch den Ministerpräsidenten gewürdigt. 2010 verabschiedeten sich Klaus und Ute Teschemacher gemeinsam in den Ruhestand.

Die Städte Emmendingen und Freiburg sowie die ganze Region Südbaden verlieren in Klaus Teschemacher einen nicht immer bequemen, weil ehrlichen Streiter für seine Anliegen, einen Lehrmeister und Baumeister jüdischen Lebens in Baden. Er hinterlässt drei Kinder.

Die Gedenkfeier findet heute, Mittwoch, von 15.30 Uhr an, in der Einsegnungshalle auf dem Bergfriedhof mit anschließender Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof in Emmendingen statt.