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16. Januar 2013

"Offeni Händ für d’ Muetersproch"

René Egles und Jean-Paul Distel begeisterten mit elsässischer Mundart im Schlosskeller.

  1. Mit Gitarre und Mundharmonika: René Egles im Schlosskeller. Foto: Katharina Bächle

EMMENDINGEN. Ein dreisprachiges Konzert in Emmendingen, welches im Deiländereck liegt. Einen passenderen Auftrittsort hätte sich der elsässische Liedermacher René Egles nicht aussuchen können. Am Freitag Abend begeisterte er zusammen mit Jean-Paul Distel auf Franzeesch, Ditsch und Elsässisch im Emmendinger Schlosskeller.

"Offeni Händ, bluti Händ" unter diesem Thema brachte René Egles die elsässische Mundart zu Gehör. Mit seinen Liedern über den stink normalen Alltag, das Leben und ein bisschen Politik, mal melancholisch ein andermal belustigend, trifft er den Ton der Zeit.

Auch wenn er sich zu Anfang des Konzerts nachdenklich gibt und mit seinem Lied "Lebenslauf" auf dem "Speedway" neues Glück erhofft und zu sich selbst finden will, weiß er schlussendlich ganz genau, wer er ist. René Egles ist Poet, Sänger, Erzähler, eben ein Liedermacher. Einer der sich auf der einen Seite tiefgründig, philosophisch gibt, auf der anderen Seite seiner Heimat verbunden fühlt. Mit "Petit Ville" huldigt er der kleinen Stadt Wissembourg im Nordelsass an der Grenze zur Südpfalz. Die drei Strophen des Liedes singt Egles natürlich in seine "Drei Sproche": Ditsch, Franzeesch und Elsässisch. Denn "Wissembourgi", wie er es liebevoll nennt, "isch ä Stückle Heimatland".

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Doch der Liedermacher schwelgt in seinen Liedern nicht nur in Erinnerungen, er nimmt auch sein Publikum an die Hand und verzaubert es mit Warmherzigkeit, Lebenslust und Lebensweisheit. René Egles kennt die Liebe, Trauer und die Einsamkeit und so singt er auch von "Liebe, Luscht und Leid". In Moll und in Dur, für die Jungen wie für die Alten. Aber genauso liebt er das Leben und den einfachen Genuss, den er im "Swinging Blues" findet, wenn er singt "Swing isch alles was i will, denn meine Gitarr het de swinging Blues".

René Egles verbindet seine Liebe zur Musik mit der Liebe zu seiner Muttersprache. Die elsässische Mundart ist ihm wichtig, "sie darf nit ussterbe un mir mün uns dran erinnere, dass ma Franzose sin", sagt er. Seine Lieder sind Liebeserklärungen an sein Land und seine "Muetersproch". Zum Erhalt dieser hat er das Lied "s’ Frühjohr blüht in unsrer Sproch" verfasst.

Aber er besingt neben der Heimat auch andere Länder. In "The fields of Athanray" zeigt sich nicht nur die Liebe zu Irland, sondern auch das wunderbare Zusammenspiel mit seinem Begleiter Jean-Paul Distel, den Egles zurecht als "eine von de beschte Gitarrischte, den ma sich wünsche kann" beschreibt.

Beide beherrschen ihre Instrumente, Gitarre, "Schnuffelrutsch" (Mundharmonika) und Dobro und machen den Abend voller Lebensweisheiten und wahren Geschichten zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Dass das Elsässisch irgendwann ausstirbt, darum muss sich Egles keine Sorgen machen. Der bis auf den letzten Platz voll besetzte Schlosskeller hat bewiesen, dass die elsässische Mundart hoch im Kurs steht. Ein nächstes Konzert ist also von beiden Seiten bald wieder in Aussicht, denn Egles Zugabe besagt: "wenn Gott will werden wir uns wiedersehen, irgendwo, irgendwann, des wär schön."

Autor: Katharina Bächle