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08. Januar 2009
Schlichte und liedhafte Höhepunkte
Ein weithin überzeugendes Konzert von Scheidt bis Bach zu Dreikönig in der Kirche St. Bonifatius.
EMMENDINGEN. Die am Dreikönigstag verwirklichte Idee, die große St.-Bonifatius-Kirche durch die Bestuhlung des Altarraums anders zu nutzen, ist doppelt positiv: Die Atmosphäre wurde am Konzert zum Dreikönigstag ungleich privater und die Sicht auf die Musiker war ohne abkühlende Distanz, wie sie in historischen Kirchenräumen ja eher die Regel ist. Dass dennoch ein paar Stühle leer blieben, ist schade; aber angesichts des stets hohen, zumeist niveauvollen Angebots auch in Emmendingen überhaupt nicht verwunderlich.
Kirchenmusik-Koordinator Michele Savino (Orgel) gestaltete sein gut einstündiges Programm gemeinsam mit Svea Schildknecht (Sopran) und Frauke Hofmann (Mezzosopran) in wechselnden Besetzungen. Neben Kompositionen von Johann Sebastian Bach waren Werke von Händel, Giovanni Battista Bassani (1647 bis 1716), Frescobaldi, Monteverdi, Johann Schop (1590 bis 1667), Paolo Altieri (1745 bis 1820) und Max Reger zu hören. Ein sehr vielfältiges, fast zu volles Programm, das vor allem dort seine Höhepunkte hatte, wo es schlicht und liedhaft war.
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"Machet die Tore weit" von Samuel Scheidt war das erste von mehreren Duetten dieses Konzerts, das die beiden Sängerinnen wunderbar aufeinander eingestellt – gleich atmend und phrasierend – zeigte. Ein Höhepunkt war Bachs "Öffne Dich, mein ganzes Herze" aus der Kantate "Nun komm, der Heiden Heiland" (BWV 61): Svea Schildknecht wusste mit der Tücke des leicht halligen Raums traumhaft sicher umzugehen, sie scheute sich nicht, den Text "Öffne dich, mein ganzes Herze, Jesus kömmt und ziehet ein" im Original zu belassen. Schön auch Händels "Voluntary III", ebenso die "Canzon dopo la Pistola" aus der "Messa delli Apostoli" von Frescobaldi, die Savino aus der Begleiterrolle heraustreten ließen und die Altarraum-Orgel als farbenreiches, schönes Instrument präsentierte.
Giovanni Battista Bassanis "Nascere, nascere dive puellule" ("Werd’ uns geboren, göttliches Knäblein") war eine richtige kleine Kantate, die Frauke Hofmann und Savino musizierten – kurze Rezitative und Arien wechselten ab. Schienen die beiden einmal nicht zusammen zu seien, überzeugten zuletzt vor allem die Forte-Piano-Effekte im abschließenden "Alleluja". Schön übrigens auch die "Übertragung" des Orchesterklangs aus der "Schlafe mein Liebster"-Arie des Bach’schen Weihnachtsoratoriums auf die Orgel – ebenfalls eins der wirklich schönen Stücke in diesem Konzert, das Frauke Hofmann und Savino vortrugen.
Gespalten allerdings der Eindruck bei "Ich steh an Deiner Krippen hier": So wunderbar die Idee war, dass sich die beiden Sängerinnen Strophe für Strophe (mit leider kaputtrevidiertem Gerhardt-Text, es heißt schließlich "Ich lag in tiefster Todesnacht/Du warest meine Sonne" im Original) abwechselten, so schrecklich war die Idee, im letzten Vers eine textlose Oberstimme vom Sopran einsingen zu lassen. Zuletzt dann Max Reger mit "Mariä Wiegenlied", romantische, wunderbare Töne. Viel Beifall für ein sehr überzeugendes Konzert mit wenigen Fragen, zuletzt noch einmal Bach/Gerhardt als Zugabe.
Autor: Frank Berno Timm
