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30. März 2009
Sprache als Wohlfühlfaktor
Interkulturelles Fest zum Abschluss des 50. Integrationskurses an der VHS Nördlicher Breisgau
EMMENDINGEN. Die, um die es geht, waren ausnahmsweise in der Mehrzahl: derzeitige und ehemalige Teilnehmer der Integrationskurse. Die Volkshochschule Nördlicher Breisgau feierte den Abschluss des 50. Kurses seit 2005 mit einem interkulturellen Fest. Die obligatorischen Ansprachen wurden ergänzt von musikalischen Beiträgen und einer bunten Palette von Vorführungen.
Wenn eine Polin, ein Ukrainer und ein Peruaner zusammen singen und musizieren, dann kann das einen Gänsehautfaktor bekommen. Das Kunststück brachten Malgorzata Pruszynska, Olexander Vorobyov und Alberto Salas schier mühelos zustande. Der Beifall der Festgäste war ihnen sicher. Doch so richtig ins Staunen gerieten die Zuhörerinnen und Zuhörer, als Überraschungsgast Emma Färdemann berichtete, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte, um der deutschen Sprache immer besser Herrin zu werden. Die 19-Jährige, die seit dem vergangenen August als Au-Pair in Emmendingen lebt, lernt und arbeitet, schilderte, wie sie sich (symbolisch) aus mehreren Elementen einen Sprachhocker ("Die Rückenlehne fehlt noch. Und manchmal wackelt er zu viel") gebastelt hat. Ein Hindernis dabei sei für sie die deutsche Grammatik gewesen, die mit mehr Ausnahmen als Regeln den Unkundigen malträtiere. Doch Emma zähmte die für sie fremde Sprache, meisterte gar Zungenbrecher und "das überflüssige, aber nette Präteritum", um einen Roman lesen zu können. Ihr Fazit: "Ohne die Sprache kann man sich in einem fremden Land nicht wohl fühlen." Besser sei es aber, wenn der Stuhl auch eine Lehne besitze, wenn Migranten, Fremde einen Rückhalt in der Gesellschaft verspürten. "Wenn man einen Stuhl dabei hat, hat man immer einen Platz, um sich ausruhen zu können", folgerte die junge Schwedin, die bei der Volkshochschule neben der Sprache auch viel zur Geschichte des Landes und den Problemen von Migranten erfahren hatte.Werbung
Landrat Hanno Hurth sagte, es ginge nicht darum, dass Migranten ihre Identität aufgeben müssten. Vielmehr könnten sie in einer offenen demokratischen Gesellschaft eine Bereicherung sein. Basis dafür sei die demokratische Gesellschaftsordnung. Die Tatsache, dass sich zahlreiche Migranten auch im Kreis Emmendingen einbürgern ließen, zeige, dass das für viele als Erfolgserlebnis ihrer Integration betrachtet werde. Solche "Brückenbauer" seien notwendig, sagte Hurth.
Als Vertreter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Regionalstelle Karlsruhe) dankte Albert Versteeg den Dozenten und − allen voran: Abteilungsleiterin Ulrike Kalmbach − für die "hervorragende Arbeit". Unterstützt werde das von einem Netzwerk, an dem VHS, das Bundesamt, das Landratsamt sowie die Arbeitsgemeinschaft mit der Arbeitsagentur (Arge) mitwirken.
Am Nachmittag gab es im VHS-Haus ein ständiges Kommen und Gehen: Die Besucher konnten Bauchtanz oder kurdische Tänze ausprobieren, die Kunst des thailändischen Gemüseschnitzens oder die Fotos von Harry Müller bewundern.
Autor: Marius Alexander
