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26. August 2009
Wenn alle in Urlaub sind
ÜBRIGENS: Karten aus der Zuhausewelt
Ne hübsche Karte gefällig? Ja, da fahren sie hin. Die Freunde, die Kinder, die Herzdame. Nur wir sitzen weiter am Schreibtisch und hirnen an der Rettung der Welt. Und, zugegeben, lassen uns in Versuchung führen, sprich: ablenken. Schließlich bietet das Netz so allerlei: Aktuellste Nachrichten über ausgefallene Züge, Webcam-Aussichten von halbwegs wichtigen Ferienzielen, fremde Zeitungsausgaben, Radiosender noch dazu. Morgen, übermorgen spätestens, gehen wir dann mit einem anderen Blick am heimischen Briefkasten vorbei: Ob vielleicht eine Karte, oder wenigstens ein klitzekleines Kärtchen zwischen all den blöden Rechnungen, dem Werbemüll und sonstigem, nutzlos verschwendeten Papier hervorspitzt. Ersatzweise würde auch ein heiseres SMS-Doppelfiepen des Handys helfen. Oder mal eine kleine Mail? Netzcafés sind doch überall . . . Warten ist doof. Also drehen wir den Spieß einfach um und schreiben Zuhausebleiberkarten. Stöhnen über die Arbeitslast, loben die heimische Eiscreme, verkünden, dass sich die Zuhausewelt weiter dreht, als wäre nichts gewesen. Wäschewaschen, Einkaufen und Kochen. Kinderhüten, Müll runtertragen und Küchewischen. Telefonieren, Mailen, Texten und Fotografieren. Es wäre doch gelacht, wenn sich im Gewöhnlichen nicht das Weltbewegende versteckte. Und so was auf zehn Zeilen gebracht – gibt’s eigentlich Weltmeisterschaften im Postkarteschreiben? Ob das die Verreiser interessiert? Die bayerischen Königsschlösser, französische Flussdeltas und griechische Inseln unsicher machen? Die Post, hört man, soll ja auch nicht mehr immer die schnellste sein. Vielleicht reicht’s ja in ein paar Jahren zu einer Zeitungsmeldung: Sommerpostkarte endlich angekommen . . . .
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Autor: Frank Berno Timm
