Zeitweise ohne die Öffentlichkeit

Georg Voß

Von Georg Voß

Sa, 08. August 2015

Emmendingen

VOR GERICHT:Siebter Verhandlungstag im Prozess um Körperverletzung und Vergewaltigung gegen einen Versicherungskaufmann.

EMMENDINGEN. Siebter Verhandlungstag vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Emmendingen gegen einen 55 Jahre alten Versicherungskaufmann: Ihm wird vorgeworfen, im März 2014 eine Frau in deren Wohnung im Landkreis Emmendingen verletzt und vergewaltigt zu haben. Über den Vorwurf der Vergewaltigung ist in der jüngsten Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten worden.

Der Angeklagte hatte, wie mehrfach berichtet wurde, mit der Frau über Jahre hinweg eine Fernbeziehung. Bei einem Besuch im März des vergangenen Jahres soll er sie geschlagen, gewürgt, erheblich verletzt und gezwungen haben, mit ihm Sex zu haben. Der Prozess konzentriert sich nicht nur auf die eigentliche Tat, sondern behandelt auch die Zeit davor. Die Frau und der Mann lernten sich bereits 1995 kennen, trennten sich aber wieder. Die Beziehung wurde 2001 erneuert, 2010 zogen beide in eine gemeinsame Wohnung im Landkreis Emmendingen. Der Mann war allerdings bis 2007 verheiratet. Wie die Frau als Zeugin aussagte, sei er ohne Ankündigung 2011 wieder zurück zu seiner Mutter gezogen. Die Beziehung bestand bis März 2014.

Eifersucht bestimmte lange Zeit die Beziehung

Beim vorletzten Verhandlungstermin wurde anhand von Zeugenaussagen deutlich, dass die Frau im Zusammenspiel mit zu viel an Alkohol eifersüchtig reagierte und sogar handgreiflich wurde. Dabei soll sie den Angeklagten auch mit einem Messer bedroht haben. Außerdem schilderten Zeugen, dass sie eine Bekannte aus Eifersucht am Hals gepackt habe. Beim jüngsten Verhandlungstag wurde dazu nochmals ein Ehepaar geladen. Die Zeugin sagte aus, dass die Frau nach starkem Alkoholkonsum eifersüchtig gewesen sei. Das Opfer sei "scharf auf den Mann gewesen". Das habe sie so "hinterm Rücken" berichtet. Weiter sagte die Zeugin, dass sie von Handgreiflichkeiten zwar etwas gehört, aber selbst davon nichts mitbekommen habe. Dazu versicherte die Zeugin, sie habe dem angeblichen Opfer keinen Anlass für Eifersucht gegeben. Nach der zweiten Begegnung mit dem Mann und Frau habe sie die Beziehung zu dem Paar abgebrochen.

Als Zeugin sagte auch das vermeintliche Opfer aus. Richter Günter Schmalen hielt ihr vor, dass sie gesagt habe, sie sei nur am Anfang der Beziehung eifersüchtig gewesen. Doch im Verlaufe der Zeugenvernehmung habe sich gezeigt, dass sie doch über einen weit längeren Zeitraum hinweg eifersüchtig gewesen sei. Dass sie den Angeklagten von einem Barhocker gestoßen habe, könne sie sich nicht erinnern, auch nicht dass sie nach einer Eifersuchtsszene eine Bekannte am Hals gefasst habe. Die Zeugin verwies auf ihre Operation und darauf, dass zu schwach gewesen sei.

Rechtsanwalt Philipp Rinklin, der Vertreter des Angeklagten, hielt der Zeugin entgegen, dass sie immer dann, wenn etwas sie wenig vorteilhaft erscheinen lasse, ihre Erinnerungen vage oder gar nicht vorhanden seien. Auf den Vorwurf, sie habe den Mann mit einem Messer bedroht, antwortete sie, dass sie zuvor gekocht habe. Auf Nachfrage von Nebenklagevertreterin Katja Ravat, wie stark ihr Alkoholkonsum in dem besagten Zeitraum gewesen sei, sagte die Frau: "Getrunken habe ich, aber nicht permanent. Abends mal ein Glas Wein."

Auf Antrag von Ravat und mit Zustimmung von Staatsanwalt Clemens Allweyer wurde der Vorwurf der Vergewaltigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Lediglich zum Vorwurf der Körperverletzung am Vorabend konnte der Rechtsanwalt die Frau befragen. Rinklin hielt ihr vor, dass sie bei der polizeilichen Vernehmung ausgesagt habe, sie habe den Angeklagten mit den Worten bedrängt: "Wir machen uns eine schöne Nacht." Im Protokoll lese es sich so, dass alles zwischen ihnen in Ordnung gewesen sei. Fakt sind darüber hinaus Hämatome des Opfers an Augenringen, Oberarm und Handrücken. Das Verfahren wird kommende Woche fortgesetzt.