Zwischen Bluegrass, Kabarett und Zauberkunst

Georg Voß

Von Georg Voß

Mo, 30. März 2015

Emmendingen

14. Emmendinger Kleinkunstpreis: Ben David und Claudio Gnann gewinnen den Publikumspreis, die Nadel geht an die Crazy Pony Show.

EMMENDINGEN. Bei der Abendgala des 14. Emmendinger Kulturpreises stimmten die Besucher für das Zauberhafte. Der Schlosskeller platzte wieder einmal bei von sechs kaum vergleichbaren Künstlergruppen aus den Nähten. Und das Publikum ließ sich mitreißen von den abwechslungsreichen Darbietungen zwischen Musik, Kabarett und Jonglage. Den Publikumspreis bekamen Ben David und Claudio Nann, die Emmendinger Nadel überreichte OB Stefan Schlatterer am Sonntagabend an die Crazy Pony Show (Schweiz).

Den Anfang machte bei der Gala am Samstagabend die Crazy Pony Show mit ihrem mitreißenden, mal romantisch, mal dynamisch klingenden Bluegrass und einigen Überraschungen. "Schau in die Augen, den du liebst und höre dem Banjo zu", hieß es. Die Bassistin Lèa Rovero aus Neuchâtel und der aus London stammende Banjospieler Frank Powlesland suchten sofort den Kontakt zum Publikum. Der groovende Bass und das mitunter ausgelassene Banjospiel wurde vom Gesang untermalt. Das Publikum bekam die Wahl zwischen einem langsamen oder schnellen Stück. Schließlich entschieden sich die Musiker für beides, begannen langsam und erhöhten das musikalische Tempo und das Publikum begleitete den Bluegrass mit rhythmischen Klatschen.

Somit wurde der Boden bereitet für die nächste Nummer. Zauber, Magie und Unterhaltung wurden angekündigt. Und die späteren Sieger des Publikumspreises Ben David und Claudio Gnann betraten die Bühne und hielten die Stimmung souverän aufrecht. "Wir gehen gleich von der Bühne, kommen dann wieder und Sie, liebe Gäste, rasten aus. Hauptsache Sie machen Stimmung!" Und dann ließen sie es knacken. Claudio Gnann streckte seine Hand aus und knickte sie einfach nach unten, worauf ein lautes krachendes Geräusch den Schlosskeller durchdrang. Überhaupt spielte Gestik und Fingerakrobatik eine große Rolle an diesem Abend. Das Publikum wurde auch aufgefordert, es ihnen gleich zu tun. Bei dem folgenden Zaubertrick mit drei unterschiedlich langen Seilen zeigte Ben David seine Zauberkunst, machte aus drei Seilen eines und umgekehrt, während Claudio Gnann eine Geschichte vorlas. "Es war einmal drei Freunde, ein kurzer, ein mittlerer und langer und zogen an einem Strick." Passend dazu vereinigten sich die Seile, um dann nach weiteren Seiltricks zum Schluss wieder auseinander zu gehen. "Die Moral von der Geschicht‘: Drei gleiche Freunde gibt es nicht."

Das Publikum gab an diesem Abend nicht der Musik den Vorrang. Auf Platz zwei kam eine Jonglage mit nur höchstens drei Bällen. Doch was Erik Müller-Rochholz aus Regensburg als Balljunge, so der Name seines Programms, damit anstellte, war große Kunst. Er ist sehr geschmeidig, ließ einen Ball oder gleich drei mühelos über Oberarm, Schulter und Kopf gleiten. Er nahm eine schwere Glaskugel in die Hand. Es sah aus, als ob die Glaskugel am Körper angewachsen ist. Dennoch spielter er damit wie mit einer Seifenblase. Auch Erik Müller-Rochholz hat den Draht zum Publikum. Er fordert es zu Gesten auf: einen Kussmund, eine abweisende Pah-Geste. Drei Bälle hat er und anstatt sie zu zählen, lässt er bis auf die drei, das Publikum die Gesten ausführen, während er die Bälle nach und nach tanzen lässt. Die Gesten waren auch hilfreich bei technischen Schwierigkeiten.

In der Publikumsgunst auf den dritten Rang lag der Freiburger Musikkabarettist Oliver Scheidis, der mit seinen humorvollen, absurd-komischen aber meist nachdenklichen Texten einen anderen Kleinkunstschwerpunkt setzte. In einem Lied beschreibt er die Nöte einer jungen Familie, nachdem ihr erstes Kind auf die Welt gekommen ist. "Kannst du sie mal nehmen", lässt er die Mutter singen. Doch weder Vater und Mutter können in der Nacht schlafen: "Die Vögel schlafen noch, auch die mit dem frühen Wurm." Oliver Scheidis kann auch frei improvisieren und bittet das Publikum um drei Wörter. Aus Wolken, Osterhase und Elefant spinnt er spontan eine Geschichte.

Ein Hobby-Wutbürger aus Dresden

Weitere Akteure waren das Kling- und Klang-Orchester aus Wörth und der Dresdner Kabarettist Erik Lehmann. Das Orchester um die beiden Musiker und Sänger Gerald Syring und Thorsten Gormanns brachte unanständiges Liedgut aus den dreißiger und vierziger Jahren auf die Bühne. Darunter auch "Bleib geschmeidig" aus der Perspektive einer Frau: "Bleib geschmeidig und stell dich nicht so an. Walter, bleib geschmeidig, sei doch nicht beleidigt, bleib geschmeidig und nimm es wie ein Mann." Erik Lehmann macht politisches Kabarett und schlüpfte an diesem Abend in der Rolle von Uwe Wallisch, einem Hobby-Wutbürger und überzeugten Kleingärtner aus Dresden, der eine Rede vor syrischen Flüchtlingen hält. Die Rede soll auf Englisch sein, doch mangelt es ihm an englischem Vokabular: "Let’s talk about Schreberbasics." Das Motto von Uwe Wallisch lautete dann: "Wer overlived in Syria, der overlived im Schrebergarten."