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17. September 2016 18:25 Uhr

Eisenbahn

Breisgau-S-Bahn: Leisere Züge mit DB Regio?

Die DB Regio soll den Zuschlag für den Bahnbetrieb auf der Ost-West-Achse der Breisgau-S-Bahn von Endingen und Breisach nach Seebrugg und Villingen erhalten.

  1. Solche Alstom-Elektrotriebzüge vom Typ Coradia Continental soll die DB Regio im neuen Landesdesign ab Dezember 2019 auf der Ost-West-Achse der Breisgau-S-Bahn einsetzen. Foto: Alstom

Die Menschen am Kaiserstuhl könnten mit dieser Entscheidung von größeren Lärmproblemen wie auf der Münstertalbahn weitgehend verschont bleiben. Die DB Regio will laut Ministerium nämlich andere Züge einsetzen – mit Schmiertechnik an Bord.

Ohne Umstieg und mit mehr Platz durch die Region

Von Dezember 2019 an sollen laut Ministerium die Nahverkehrszüge der DB Regio im Netz "Breisgau-Ost-West" (Vergabenetz 9a) an Werktagen umsteigefrei durchfahren – zu fürs Land günstigeren Kilometerpreisen als bisher. Neben dem durchgehenden Halbstundentakt zwischen Breisach, Endingen und Neustadt profitieren die Fahrgäste laut Presseinfo von weiteren Verbesserungen wie mehr Sitzplätze, größere Mehrzweckbereiche beispielsweise für Fahrräder und Skiausrüstungen, Klimaanlagen oder WLAN in den Fahrzeugen mit barrierefreiem Zugang. Ob die DB Regio als günstigster Bieter zum Zug kommt, steht noch nicht ganz fest. Die unterlegenen Bieter können gegen die Entscheidung binnen zehn Tagen ein Nachprüfungsverfahren beantragen.

Interessant wird es angesichts der in der Region heftig diskutierten Frage, ob der Zugverkehr durch die Elektrifizierung lauter wird, bei der Fahrzeugtechnik. Denn DB Regio wird laut Ministerium neue drei- und vierteilige Elektrotriebwagen der Firma Alstom vom Typ Coradia Continental einsetzen. Sie haben ebenso wie der in der Kritik stehende "Talent 2", den die SWEG auf der Münstertalbahn einsetzt, Jakobs-Drehgestelle in der Mitte, können aber mit einer fahrzeugseitigen Schienenkopf-Konditionierungsanlage nachgerüstet werden. Diese biete eine Möglichkeit zur Reduzierung der Lärmemissionen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus.

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Schmiermittel reduziert Lärm in Kurven

Der Coradia verfügt laut Auskunft des Ministeriums über eine Spurkranzschmierung an den Triebdrehgestellen an den Zugenden. Die DB habe jedoch über das Grundangebot hinaus separat eine fahrzeugseitige "Schienenkopf-Konditionieranlage" für die Jakobsdrehgestelle angeboten. Beide Techniken tragen Schmiermittel an unterschiedlichen Stellen auf und reduzieren damit verschiedene Lärmquellen in Kurvenbereichen.

"Das Land wird gemeinsam mit der Region prüfen, ob diese zusätzliche Investition sinnvoll und umsetzbar ist", heißt es in der Pressemitteilung. Thomas Wisser, Geschäftsführer der Regio-Verbund GmbH (RVG), die das operative Geschäft des Zweckverbands Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) abwickelt, hat nach eigenem Bekunden das Signal aus Stuttgart erhalten, dass das Land diese technische Option wählen wird, wenn es beim Zuschlag für DB Regio bleibt. Wisser: "Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung."

Kaiserstuhlbahn West und Nord noch nicht vergeben

Die Vergabe bedeutet, dass aller Voraussicht nach die DB Regio die Ost-West-Verbindung von Breisach oder Endingen über Gottenheim Richtung Schwarzwald und zurück bedient.

Die Kaiserstuhlbahn West und Nord (Breisach – Sasbach – Endingen – Riegel-DB) ist dagegen Teil des Vergabenetzes 9b, worüber laut Ministerium im Frühjahr 2017 entschieden werden soll. Es soll ebenfalls Ende 2019 starten. Komme bei Netz 9 a die lärmoptimierte Fahrzeugtechnik, wolle das Land diese auch im Netz 9 b, berichtet Wisser.

Lothar Meyer von der Bürgerinitiative Kaiserstuhlbahn verbindet mit der Nachricht vom Zuschlag an die DB Regio die Hoffnung, dass der Wartungs- und Rangierbetrieb im Bereich des Bahnhofs Endingen künftig wegfallen könnte. Die dortigen Anwohner klagen seit vielen Jahren darüber, dass effektiv gerade mal von 2 bis 4 Uhr früh Ruhe herrsche. Übernehme DB Regio den Bahnbetrieb am Kaiserstuhl, habe man vielleicht nur noch die Züge vor der Haustür stehen, die morgens von Endingen aus starten müssen.

Die Betriebsaufnahme im Dezember 2019 hängt davon ab, ob die Infrastruktur bis dahin fertig ist, insbesondere die Elektrifizierung der Strecken Breisach – Freiburg, Endingen – Gottenheim und Neustadt – Donaueschingen. Laut Zeitplan soll das bis spätestens Juni 2019 erledigt sein, die wesentlichen Baumaßnahmen sind 2017 und 2018 geplant.

Der umsteigefreie Halbstundentakt gilt künftig von Montag bis Samstag. An Sonn- und Feiertagen muss in Freiburg umgestiegen werden, da dann im Höllental die Züge im 20-Minuten-Takt fahren. Neu ist ab Ende 2019 auch die "Zugflügelung" von und nach Breisach oder Endingen: Die Triebwagen werden in Gottenheim getrennt oder zusammengekuppelt.

Außerdem soll es zusätzliche Spätverbindungen ab Freiburg geben mit letzten Abfahrtszeiten nach Breisach und Endingen um 0.17 und 1.17 Uhr.

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Autor: Martin Wendel