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13. September 2017

Neues zur Baugeschichte

Tag des offenen Denkmals: Endingen präsentierte seine drei Rathäuser rund um den Marktplatz.

  1. Einblicke in die Geschichte der Kornhalle bot Theo Fleig beim Rundgang am Sonntag. Foto: Stadtarchiv Endingen

  2. Im Alten Rathaus informierte Werner Heiland auch über die Wappenscheiben im Ratssaal. Foto: Stadtarchiv Endingen

ENDINGEN (BZ). Um die 60 Besucher konnte Stadtarchivar Jürgen Simon zum "Tag des offenen Denkmals" am Sonntagnachmittag auf dem Marktplatz begrüßen, die dann – aufgeteilt in kleine Gruppen – die drei Rathäuser näher in Augenschein nahmen. Insgesamt nutzten laut Veranstalter mehr als 80 Personen, die Gelegenheit, durch die historischen Gebäude zu gehen.

Durch das Alte Rathaus, das einzige, das als solches gebaut worden war, führte Werner Heiland, Spezialist für die Wappenscheiben im Ratssaal. Baugeschichte und architektonische Details des Neuen Rathauses (im Volksmund Haus "Krebs"genannt), eines palaisartigen Wohnhauses, das bis heute seinen Charakter bewahrt hat, präsentierte Helmut Mall. Rathaus war das Gebäude von 1937 bis 1974 – vermutlich, weil das alte zu klein geworden war. Heute ist es Sitz der Stadtkämmerei.

Im aktuellen Verwaltungssitz, besser bekannt als Kornhalle oder Laube, konnte Theo Fleig den interessierten Besuchern neben anderem Bauschmuck das vom städtischen Bauhof freigelegte "Laubenfräulein" präsentieren.

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Im Vorfeld waren nicht nur alle Speicher geräumt und gesäubert worden; es hatte auch eine aufschlussreiche Begehung der Häuser mit dem Kenzinger Bauforscher Burghard Lohrum stattgefunden, die wertvolle Erkenntnisse zur Baugeschichte zu Tage gebracht hat. So war sich Lohrum sehr sicher, dass die Kornhalle in einem Zug erbaut worden ist, und dass die Jahreszahl "1774", die in einen Holzpilaster des dritten Stockes eingeritzt ist, nichts mit der Bauzeit zu tun hat.

Die wichtigste Entdeckung ist aber sicher die, dass das Haus "Krebs" aus zwei älteren Häusern zusammengebaut wurde und dieses "Gesamtwerk" dann Mitte des 18. Jahrhunderts das großzügige Treppenhaus und die repräsentative Fassade zum Marktplatz hin erhielt. Dass der Ratssaal im Alten Rathaus ursprünglich wohl größer war und der "Schlauch", wo heute die Zunftheiligen und Werkzeuge ausgestellt sind, dazu gehörte, war angesichts der Dicke der Trennmauer nicht zu erwarten.

Im Erdgeschoss der Kornhalle ist noch bis Samstag die Ausstellung "400 Jahre Kornhalle" zu sehen. Sie bietet einen mit vielen Dokumenten illustrierten Gang durch die Geschichte des Gebäudes, das eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Zu sehen sind detaillierte Bauzeichnungen von Schülern der "Großherzoglich Badischen Baugewerke-Schule Karlsruhe" ebenso wie ein Vergleich mit dem Vorbild, dem Freiburger Kornhaus, Gemälde und frühe Fotografien. Nachgezeichnet werden auch die verschiedenen Nutzungen des Gebäudes über die Jahrhunderte.

Die Ausstellung "400 Jahre Kornhalle" ist noch bis 16. September wochentags zu den Rathaus-Öffnungszeiten und am Samstag von 10 bis 16 Uhr zu sehen.

Autor: bz