Erst gibt’s Musik, dann die Wurst

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Sa, 14. Januar 2017

Kirchzarten

Die Kirchzartener Gruppe "Badische Bråtwurschtmusig" ist regelmäßig auf dem Giersberg zu Gast.

KIRCHZARTEN. Die noch bis zum Fest Maria Lichtmess am 2. Februar andauernde Weihnachtszeit gibt der in Kirchzarten beheimateten "Badischen Bråtwurschtmusig" die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einmal mit anderen Melodien zu beweisen. Kürzlich geschah das wieder bei einem weihnachtlichen Musizieren in der Giersbergkapelle.

Neben Weisen aus der Christkindlmesse, die sie vor Weihnachten gemeinsam mit dem Buchenbacher Kirchenchor aufführten, luden sie die Gäste zum Mitsingen mehr oder weniger bekannter Weihnachtslieder ein. "Die Begeisterung in Buchenbach war so groß", freut sich der Leiter der Gruppe, Paul Barth, "dass sich daraus eine längere Freundschaft entwickeln könnte".

Dabei lässt der Name der Musikgruppe nicht unbedingt auf weihnachtliche und feierliche Klänge schließen. Seit gut zehn Jahren musiziert Paul Barth mit Familienmitgliedern und Freunden unter dem Namen "Badische Bråtwurschtmusig". Da die fünf – und je nach Auftritt bis zu zehn – Musiker allerdings schwerpunktmäßig Tanzmusik spielen, erschließt sich der Name leichter. "Im Umkreis der Tofuhochburg Freiburg genießt unser Namen magnetische Wirkung", sagt Paul Barth, ein aus Indien stammender Schwarzwälder, lachend. "Mit dem Namen knüpfen wir an Musik und Musikanten früherer Jahrhunderte im Schwarzwald an. Weil damals Musikgruppen für ihre Arbeit eine essbare Gegenleistung erhielten, nannte man sie auch Bråtwurschtmusig."

Der "Badischen Bråtwurschtwusig" öffne der Namen besondere Freiheiten in der musikalischen Gestaltung: "Er ermuntert uns bei der stets wechselnden Anzahl von Mitspielern, den unterschiedlichen Instrumenten sowie dem immer veränderlichen Repertoire an traditioneller Tanzmusik zu immer neuen Variationen." Die Melodien kämen traditionell aus dem Schwarzwald, aber auch aus Bayern, Österreich, der Schweiz, dem Elsass oder Schweden. Tanzmusikstücke aus dem 19. Jahrhundert wollten sie vorm Vergessen bewahren. "Wir legen besonderen Wert auf eine tanzmusiktypische, schwungvolle Spielweise der jeweiligen Volksmusiktraditionen."

Die Instrumentenvielfalt gibt der "Badischen Bråtwurschtmusig" eine breite Präsentationsfläche. Da kommen Geigen, Bratsche, Kontrabass, Steirische Harmonika, Harfen, Flöten und Flügelhorn zum Einsatz. "Und das alles ohne den doppelten Boden der elektrischen Verstärkung", ist Paul Barth stolz. Ein weiteres Merkmal der Gruppe ist, dass sie das gesamte Repertoire auswendig, ohne Noten abzulesen, spielt. "Haben wir uns einmal mit einer Melodie vertraut gemacht", erzählt der begeisterte Bandleader, "werden zweite, dritte Stimmen, Harmonien und Rhythmus nach eigenem Empfinden dazu gesucht." Das könne sogar spontan während des Spielens geschehen. Dem gemeinsamen Probe-Musizieren käme deshalb große Bedeutung zu.

Außerhalb der Weihnachtszeit tritt die "Badische Bråtwurschtmusig" in Freilichtmuseen, auf volkstümlichen Bühnen, Festivals, in Gasthäusern wie dem Schützen in Freiburg oder bei Festen auf. In der Pilgergaststätte am Giersberg treffen sich die Musiker jeden dritten Freitag im Monat zu einem Musikantenstammtisch. Dann werde gefachsimpelt, neue Weisen vorgestellt und auch miteinander musiziert. "Wir sind Wirt Hubert Steinhart sehr dankbar", freut sich Paul Barth, "dass er uns diesen Austausch ermöglicht". Am vergangenen Wochenende gab es nach dem Konzert in der Kapelle auch im Gasthaus noch Musik: "Und dann haben sogar wieder einige fröhlich getanzt."

Kontakt zur "Badischen Bråtwurschtmusig" unter http://www.bratwurschtmusig.de