Der Mann des Wortes bei den Ettenheimer Musikfreunden

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Fr, 16. März 2012

Ettenheim

LEUTE IN DER STADT: Bernd-Volker Harting hat den Vorsitz der Musikfreunde abgegeben / Sprachlich den Ettenheimer Musiksommer geprägt.

ETTENHEIM (fi). In bundespräsidentialen Wahlzeiten findet gerne das Bonmot von der "Macht des Wortes" Verwendung. Mit weniger Pathos zwar aber doch respektvoll beschreibt die Wendung auch die öffentliche Wahrnehmung von Bernd-Volker Harting als Vorsitzenden der Musikfreunde Ettenheim. Denn in der Gunst des Publikums standen seine mit viel Geschick zur Improvisation und in freier Rede geführten Grußworte an Künstler und Zuhörer ebenso wie die Konzerte des Ettenheimer Musiksommers selbst. Erinnert sei hier nur an eine Szene, als nach der Aufzählung der Sponsoren kein Beifall aufflammen wollte, dann ein kurzes Klopfen seines Zeigefingers ans Ohr mit dem Worten "Regie? Spielen wir den Applaus doch vom Band?" die vom Vorsitzenden gewünschte Reaktion abrief. Auch solche Szenen haben den Musiksommer geprägt. Man wird sie vermissen. Bernd-Volker Harting hat vergangene Woche nach fünf Jahren den Vorsitz an Paul Jensen abgegeben.

Der inzwischen 69-Jährige darf sich zu den Geburtshelfern der Musikfreunde Ettenheim zählen, die sich vor fünf Jahren auf einen Impuls von Bürgermeister Bruno Metz in dessen Neujahrsansprache hin in kürzester Zeit formierten. Bernd-Volker Harting wurde zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt. Ein Verein, der sich nicht nur zur Aufgabe stellte, eine besondere Klassik-Konzertreihe in der Barockstadt zu etablieren, sondern darüber hinaus auch junge Menschen für Klassik zu begeistern.

Womöglich war letzteres ein entscheidender Grund dafür, weshalb die Handvoll Gründungsmitglieder den gerade pensionierten Heimschule-Pauker für Englisch und Latein an die Spitze des neuen Vereins hob. "Ich war damals im Krankenhaus und konnte mich auch nicht wirklich dagegen wehren", blickt der Pädagoge, der 35 Jahre an der Heimschule und ein Jahr an einer Highschool in Australien lehrte, mit einem Augenzwinkern zurück.

Musikalisch sah sich der neue Vorsitzende in der Runde mit studierten Musikerinnen und Musikern eher als Schüler, denn als Lehrer. "Ich bin gut bürgerlich erzogen worden und habe auch Klavier spielen gelernt. Aber mit Klassik hatte ich nie so viel am Hut, ich war eher für das fetzige", beschreibt sich Harting. Er wähnt sich deshalb nach fünf Jahren an der Spitze auch als Gewinner: "In den Konzerten und noch mehr in den Gesprächen mit den Künstlern habe ich Klassik neu entdecken dürfen. Das war mein ganz großer Spaß auf diesem Posten."

Ein Posten, der ihm allerdings auch einiges abverlangte, denn Sponsoren von der Qualität einer Klassik-Konzertreihe im kleinen Barockstädtchen Ettenheim zu überzeugen, kam einer Herkulesaufgabe gleich. "Dass wir dann im ersten Jahr die Volksbank Lahr als Hautsponsor gewinnen konnten, war ein guter Start. Und ein Glücksgriff war natürlich die Verbindung zu Martin Bellin, der unsere Reihe auf CD vertonte und verewigte," sagt Harting. Inzwischen muss der Musiksommer die Künstler für seine Konzerte nicht mehr ansprechen, sie bewerben sich.

Eloquent und unaufgeregt wird Harting von den Mitstreitern beschrieben und als einer, der bei jedem Kontakt den richtigen Ton traf. Das mag dem gebürtigen Niederrheiner ein wenig in die Wiege gelegt worden sein – Harting stammt aus Moers und war Schüler am gleichen Gymnasium wie der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch – , aber das war auch Ergebnis seiner Schauspielerei im Ensemble der kleinen bühne ettenheim. Harting: "Von Winfried Holzmann habe ich viel gelernt, auch die Kunst der Improvisation."

Vor einigen Wochen ist er nun mit Ehefrau Ingrid in deren elterliches Haus nach Freiburg gezogen und gab deshalb den Vorsitz ab. Er bleibt den Musikfreunden indes nicht nur als Konzertbesucher treu, im Vorstand ist er jetzt Schriftführer.