Ein Gänsehautprogramm mit Kuscheljazzfaktor

iko

Von iko

Mi, 08. Juni 2011

Ettenheim

Das Akustik-Duo Two High begeistert mit seiner schnörkellosen Musik erneut das Publikum im Ettenheimer Kulturkeller.

ETTENHEIM. High, Higher, Two High! Das Akustik-Duo Two High gastierte zum zweiten Mal im KKW, dieses Mal mit seinem Programm "Best Songs". Bereits vor zwei Jahren hatten die beiden Musiker im Kulturkeller für Begeisterungsstürme gesorgt. Dieses Mal boten Markus Segschneider an der Konzertgitarre und Alexandre Zindel am Mikrofon ein Gänsehautprogramm mit Kuscheljazzfaktor.

Die beiden Musiker verließen sich von Anfang an auf die klaren Aussagen ihrer Musik. Mit nur einer Gitarre, einer Stimme, einem kleinen Verstärker und gelegentlich einem Schellenkranz beschränkten sich Two High auf das Nötige – und das zur vollen Klangwirkung. Wie die angenehme Kellerkühle im Gegensatz zur schwülen Sommerhitze draußen, setzten auch Two High einen wohltuenden Kontrast zur Einerlei-Musik, die auf Masse statt Klasse setzt. Aber wer braucht schon Special Effects, wenn er eine so seidig-samtige Stimme hat wie Alexandre Zindel? Und wer braucht eine fünfköpfige Band, wenn er so bravourös seine Gitarre beherrscht wie Markus Segschneider?

Das Programm der beiden Musiker war beeindruckend: Von Smooth-Jazz über fetzigen Folkrock bis hin zum Gute-Laune-Lagerfeuer-Feeling war alles dabei. "Sehen Sie mal, ob Sie folgendes Stück noch erkennen, wir haben es nämlich kräftig durch den Wolf gedreht", scherzte Zindel mit dem Publikum. Das darauf folgende "Killing me softly" hatte außer dem Text und einigen Tonfolgen nicht mehr viel mit dem Original zu tun – und war um so vieles besser. Bei seinen zahlreichen Jazzimprovisationen zeigte Gitarrist Segschneider, der auch solo mit seiner Gitarre musikalisch unterwegs ist, wie viel Wow-Effekt in zehn Fingern und sechs Saiten stecken. Dabei jagte er seine Finger bisweilen so beeindruckend schnell und akkurat über das Griffbrett, dass man sich an einen Haken schlagenden Hasen erinnert fühlte.

Von Anfang an verstanden es Two High, bei dem hingerissenen Publikum ein wohliges Gefühl zu erzeugen, als säße man mit ihnen gemeinsam am Lagerfeuer an einem Baggersee, trinke ein paar Bierchen mit Freunden und betrachte die Sterne. Doch neben geschmeidigen Jazz-Nummern wie "Don’t know why", "Sweet Baby James" oder "Everybody’s talking" hatten die beiden auch schnellere Songs in petto: Mit "Here comes the sun" und "Lady Madonna" von den Beatles brachten Two High das Publikum ordentlich zum Mitwippen.

Während der Vorstellung fielen im Publikum immer wieder begeisterte Zwischenrufe wie "Stark!", "Wahnsinn!" oder "Unglaublich!" Die Zuhörer waren so hingerissen, dass der begeisterte Applaus immer erst dann einsetzte, wenn auch wirklich der allerletzte Ton vollständig verklungen war. "Ich sehe schon, wir müssen hier in Ettenheim unbedingt mal ein reines Simon & Garfunkel-Programm bringen", neckte Zindel die Zuhörer, die bereits bei der Ankündigung von "Mrs. Robinson" verzückt seufzten. Die anschließende Interpretation war noch viel jünger, frischer und um Längen cooler als das bereits wundervolle Original. Mit zwei ganz neuen und noch unbetitelten Gitarrensoli begeisterte Segschneider die Gäste, die bei so viel Fingerfertigkeit und Musikalität ihren Augen und Ohren nicht trauen wollten. Aber auch Zindel zeigte eindrucksvoll, dass seine Stimme mehr konnte als einschmeichelnd singen, denn bei "Ain’t no sunshine" beatboxte er die Bassläufe.

Nach so viel Musikalität forderte das Publikum natürlich Zugaben, die Two High in mehrfacher Ausfertigung boten. "Das klingt nach einer Zugabe. Das trifft uns vorbereitet", witzelte Zindel, bevor er mit Segschneider noch "Salisbury Hill", "Big yellow taxi" und "For absent friends" zum Besten gab.