HipHop macht in Ettenheim Schule

Markus Vögele

Von Markus Vögele

Sa, 14. Oktober 2017

Ettenheim

Das Duo Zweierpasch bietet Schülern in der nächsten Woche Workshops an / Zum Auftakt ein Vortrag mit Eva Kimminich.

ETTENHEIM. Um das kulturelle Leben in Ettenheim zu bereichern, haben die Musikfreunde in diesem Jahr ein ganz besonderes Projekt organisiert: Geboten wird HipHop für Schüler. Unterstützt wird der Verein dabei von dem HipHop-Duo Zweierpasch, das Schülern aller Schulen in Ettenheim in der nächsten Woche Workshops und Rap-Ateliers anbieten wird.

Den Auftakt zu diesem Projekt hat am vergangenen Donnerstag die Kulturwissenschaftlerin und Romanistin Eva Kimminich mit einem Multimedia-Vortrag über die HipHop-Kultur gemacht, in dem sie die 40-jährige Geschichte des HipHops in einer Stunde Revue passieren und den Bürgersaal zu einer kleinen Block Party werden ließ.

Die Lautsprecherboxen der Musikanlage im Bürgersaal pulsieren. Das HipHop-Duo Zweierpasch betritt die Tanzfläche und liefert zum Beat den passenden Text. "Sprache ist Medium – Rap ist mein Element. Wir vereinen die beiden und senden’s in die Welt." Am Rednerpult dahinter steht Eva Kimminich, die an diesem Abend den Master of Ceremony, den Zeremonienmeister, zum Besten gibt und ein Stück Kulturgeschichte auflegt, mit der sie die Gemeinde zu den Wurzeln des HipHops führte.

Entstanden ist HipHop Anfang der 1970er in den Ghettos der Bronx in New York. Wegen der Städtebaupolitik der 1960er-Jahre verkümmerte der einstige intakte Stadtteil "The Bronx". Es verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Ghettobewohner, vor allem der Afroamerikaner und Latinos, die aufgrund ihrer Herkunft zu Außenseitern der Gesellschaft wurden und nichts außer ihren Körper besaßen. Im Breakdance, Rap, Graffiti und DJing fanden sie Ausdrucksformen, sich durch Tanz, Sprechen, Schreiben und Musik zu artikulieren und zu kommunizieren.

"Oftmals mussten in der Anfangsphase des HipHops und der Block Partys Laternenmasten für die Stromversorgung der Plattenspieler herhalten, die sich die Discjockeys, kurz DJs, aus dem Müll der weißen Bevölkerung geholt hatten", erklärte die Referentin Eva Kimminich. Sie lehrt an der Universität Potsdam und beschäftigt sich seit nahezu 20 Jahren mit Sub- und Jugendkulturen.

Ihr Interesse für HipHop hat die heute 60-Jährige und in Münchweier wohnhafte Kimminich erst als Mittdreißigerin bei Recherchearbeiten für ihre Habilitationsschrift über verbotene Chansons des 19. Jahrhunderts entdeckt. Die Faszination vieler Jugendlicher für HipHop führt Kimminich zurück auf die Offenheit der Kultur gegenüber Interessierten. "Es ist eine Kultur, die Spaß macht und die tolerant ist. Es ist keine Kultur, die Andersartige ausschließt. Jeder kann mitmachen", erklärte die Professorin, zu deren Forschungsschwerpunkten vor allem die HipHop-Kultur in Frankreich und im Senegal zählen. "Es bringt sehr viel für die eigene Identitätsarbeit und für das Selbstbewusstsein", führte Kimminich weiter aus.

Zweierpasch versteht sich auch als Bildungsinitiative

Inzwischen hat die HipHop-Kultur den Weg nicht nur in die Universitäten, sondern auch in die Klassenzimmer gefunden. "Wir nutzen Rap oder Sprechgesang, um Schülern komplexere Inhalte zu vermitteln", sagt Felix Neumann von Zweierpasch, einem deutsch-französischen HipHop-Duo aus Freiburg/Straßburg, das sich außerdem als Bildungsinitiative versteht. "Wir rappen mit Franzosen auf Deutsch und mit Deutschen auf Französisch", erklärt Neumann, der seit mehreren Jahren gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Till Workshops für Schüler anbietet.

In ihren Workshops versuchen die beiden Zwillingsbrüder von Zweierpasch, Schülern durch Sprachtraining nicht nur das Rappen beizubringen, sondern auch komplexere Inhalte zu vermitteln. Dabei gehe es spielerisch zu, wie Kimminich den Lernweg beschreibt. Es gehe auch darum, dass die Schüler ihre eigenen Ideen einbringen und artikulieren, was ihnen wichtig ist, so Kimminich weiter. Auf welche Artikulationsformen sie zurückgreifen, wird sich am nächsten Freitag zeigen, wenn HipHop Schule macht.