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21. Juli 2015

Klangerlebnis mit Echo-Effekt

Kirchenchor Heilig-Kreuz und Kammerchor Cantemus singen Rossinis "Petite Messe Solennelle" / Mehr als 100 Stimmen.

  1. Klangerlebnis in der Wallfahrtskirche: 100-stimmiger Chor singt die Petite messe solenelle. Foto: Olaf MIchel

  2. Chorleiter Bernhard Schmidt Foto: Olaf Michel (Bilder-Michel.de)

ETTENHEIM-ETTENHEIMMÜNSTER. Der Kirchenchor Heilig Kreuz Münchweier hat einmal mehr Großes geleistet: Gemeinsam mit dem Gundelfinger Kammerchor Cantemus, unterstützt von vier Opernprofis und begleitet von Flügel und Harmonium sang er in der Kirche St. Landelin in Ettenheimmünster die "Petite Messe Solennelle", ein Spätwerk des bekannten italienischen Opernkomponisten Gioachino Rossini. Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger präsentierten die von Flügel und Harmonium begleitete Messe. Das Interesse beim Publikum war groß, die Wallfahrtskirche war vollbesetzt.

Rossini hatte diese Messe nach der neapolitanischen Cembalo-Tradition besetzt und sich dabei auf Stimmgewalt und Klavier verlassen. Gegenüber einer Fassung für ein großes Orchester hat dies den Vorteil, dass die Chorpartien wesentlich besser zur Geltung kommen. Die Solopartien interpretierten professionelle Sängerinnen und Sänger: Álvaro Zambrano (Tenor) Lena Sutor-Wernich (Alt), Gesa Mertens (Sopran) und Karsten Müller (Bass). Sebastian Bausch (Harmonium) und Christine Schandelmeyer (Piano) sorgten für die geschmeidige Begleitung, die alles zusammenhielt, und Gesamtleiter Bernhard Schmidt kitzelte das Beste aus jedem Einzelnen heraus.

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Hufeisen-Aufstellung führt zu Trichtereffekt

Die enge Aufstellung des Chors in klassischer Hufeisenform ermöglichte einen Klangtrichter mit einem unvergleichlichen Echo-Effekt, wie ihn nur eine Barockkirche entfalten kann. Das Klangerlebnis war so betörend, wie nicht nur direkt vor, sondern vielmehr in einem Lautsprecher zu sitzen. "Kyrie" und "Credo in unum Deum" zeugten von musikalischer Raffinesse und Präzision vor allem im stimmlichen Bereich, denn hier konnten die Sänger ihr volles Potenzial entfalten. Beim "Offertorium", einem puristischen Wechselspiel von Harmonium und Piano ohne Gesang, bewiesen denn die Musiker ihre volle Bandbreite an den Tasten. Generell zeugten das Spiel der Musiker und die Stimmfülle aller Sänger von einer harmonischen Aufeinander-Eingespieltheit, die dramatische Stellen bombastisch und leise Stellen anrührend klingen ließ.
Besonders gelungen war das "Gloria in excelsis Deo", das nacheinander auf vielschichtige Art und Weise den Abwechslungsreichtum der beiden Chöre sowie der Solisten aufs plastischste demonstrierte. Wie in Klangwellen auf hoher See schaukelten sich die Sängerinnen und Sänger gegenseitig auf und spielten sich die Noten wie Bälle zu. Die angenehm tiefen Männerstimmen sowie die deutlich akzentuierte Spielweise von Sebastian Bausch am Harmonium und Christine Schandelmeyer am Piano bildeten den gelungenen Rahmen für die bezaubernden Darbietungen der Solisten.

Vor allem Tenor Álvaro Zambrano und Altistin Lena Sutor-Wernich sangen klar, kraftvoll und so eindringlich, dass das Publikum angesichts dieser Intensivität sogar einen kurzen Zwischenapplaus spendete. Mal zerbrechlich wie Glas und mal so hart wie Marmor schwebten die Stimmen der beiden durchdringend über dem harmonischen Klangteppich ihrer Kollegen.

Das nächste Projekt des Heilig-Kreuz-Chores ist nun die Begleitung einer Messe im Straßburger Münster gemeinsam mit einem befreundeten Chor aus Düren. Das Konzert soll im Rahmen eines Besuchs der Dürener im Herbst sein.

Autor: Isabelle Konnegen