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11. Januar 2017 17:38 Uhr

Kritik an Bauarbeiten im Hohlweg Kahlenberggasse

Durch die Ettenheimer Kahlenberggasse wurden Kanalisationsrohre und Stromkabel zur Anbindung des Weinguts Bieselin verlegt. Dabei steht der Hohlweg unter Naturschutz. An der Baumaßnahme entzündet sich Kritik.

  1. Ein Kanalrohr und Stromkabel wurden durch die Kahlenberggasse verlegt. Foto: Privat

  2. Die Gasse ist derzeit gesperrt. Foto: Bastian Bernhardt

  3. Das Weingut Bieselin zieht In die Halle auf dem Heuberg um. Foto: bastian bernhardt

Im Dezember fand BZ-Leser Wolfgang Schäffner die Kahlenberggasse plötzlich gesperrt vor. Er wunderte sich darüber – und noch mehr, als er sah, dass durch die Sohle des Hohlwegs eine Baggerfurche gezogen und in diese eine Kanalisation und Stromkabel verlegt wurden. Damit soll das Weingut Bieselin auf dem Heuberg angebunden werden. Denn am alten Standort des Weinguts Im Brünnelinsgraben ist kein Platz mehr, das Weingut zieht komplett in die Halle am Heuberg. Schön und gut, findet Wolfgang Schäffner. "Aber es hätte sicher andere Wege zur Verlegung der Rohre gegeben", so der BZ-Leser. So hätte der Eingriff in den Weg vermieden werden können. Er nennt etwa die geteerte Hauptzufahrt auf den Heuberg Im Pfaffenbach. Thomas Ullrich, FLE-Stadtrat und Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Ettenheim, teilt die Kritik an der Verlegung von Abwasser und Strom durch die Sohle des Hohlwegs. "Dieser Eingriff in das sensible Hohlweg-Biotop war vermeidbar. Die Verlegung durch den Pfaffenbach war dem Bauherrn wohl zu teuer."

Einst Deutschlands längster Hohlweg

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Tatsächlich ist die Kahlenberggasse ein kartiertes naturschutzrechtlich geschütztes Biotop. Es zieht sich vom Ettenheimer Friedhof hinauf bis zur Lagerhalle des Weinguts Bieselin und noch weiter hinauf auf den Heuberg. Es ist nach Paragraph 30 des Bundesnaturschutzgesetzes und Paragraph 33 des Naturschutzgesetzes geschützt als Hohlweg und Biotop mit Feldhecken und Feldgehölzen. In der amtlichen Kartierung von 1995 heißt es, die Kahlenberggasse sei ein "besonders schöner, sehr langer und tief eingeschnittener Hohlweg". Es sei eine "Besonderheit auf dem Gebiet der Stadt Ettenheim". Die Kahlenberggasse in Ettenheim galt einst als längster Hohlweg Deutschlands.

Laut Landratsamt als Naturschutzbehörde habe der Naturschutzbeauftragte die Situation begutachtet und sei zu dem Schluss gekommen, dass es dem Biotop Hohlweg nicht schade, wenn eine Leitung in die Sohle verlegt wird. Das teilt Kai Hockenjos, Sprecher des Landratsamts, auf BZ-Anfrage mit. "Die besonders schützenswerten Löss-Steilhänge des Hohlwegs werden nicht beeinträchtigt", zitiert Hockenjos den Naturschutzbeauftragten. Damit sei für das Vorhaben auch keine ausdrückliche naturschutzrechtliche Genehmigung nötig gewesen.

Es hätte eine teurere Alternative gegeben

Einen Umstand, den Naturschützer Ullrich nicht nachvollziehen kann: "Hier wurde mit dem Bagger ein Graben durch ein naturschutzrechtlich geschütztes Biotop gezogen. Dieser Eingriff soll keine Beeinträchtigung sein? Das halte ich für einen Verfahrensfehler", so Ullrich. Das Landratsamt entgegnet, die Sohle spiele nur eine untergeordnete Rolle beim Schutzgut Hohlweg. Die Bauarbeiten hätten in der jetzigen Jahreszeit zudem keine negativen Auswirkungen auf die Lebewesen im Hohlweg.

Die Stadt Ettenheim sieht sich nicht zuständig. Lediglich der Abwasserzweckverband sei beteiligt gewesen – und auch erst, nachdem die Rohre im Boden lagen, um den korrekten Anschluss an das Ettenheimer Leitungsnetz abzunehmen, wie Amtsleiter Manfred Vogt mitteilt. Die Planung der Trasse als auch die Kosten für die Verlegung von Rohren und Kabeln trage der Winzer, so Vogt. Eine Verlegung durch die Zufahrt Im Pfaffenbach wäre laut Vogt theoretisch möglich gewesen. "Bis zum Ende der Bebauung liegen bereits Rohre im Boden." Die Trasse durch den Pfaffenbach wäre aber länger und die Verlegung wegen des Asphaltbelags aufwändiger gewesen. Dem schließt sich das Landratsamt an: "Der Aufwand über Alternativtrassen wäre unverhältnismäßig gewesen."

Andreas Bieselin weist darauf hin, dass seit dem Bau der Halle bereits Leerrohre in der Kahlenberggasse lagen. "Daher fiel die Entscheidung für diese Variante", schreibt Bieselin der BZ. Dabei habe man das Biotop Hohlweg geschont, indem die Rohre schonend und mittig im Weg verlegt worden seien.

BZ-Leser Wolfgang Schäffner fürchtet nun langfristige Folgen für die Kahlenberggasse durch Erosion des empfindlichen Löss-Materials: "Wie das beim nächsten Starkregen aussieht, weiß man nicht. Die Kosten durch Ausschwemmungen und hervorstehende Schachtdeckel bezahlt dann sicher der Bürger."

Weitere Konflikte um Eingriffe in Hohlwege

Schon einmal gab es einen Konflikt um einen Eingriff an der Kahlenberggasse. Damals hatte der Ettenheimer Winzer Michael Weber eine Böschung des Hohlwegs auf einer Länge von 70 Metern planiert. Die Böschung hätte nicht entfernt werden dürfen, hieß es damals aus dem Landratsamt sowie vonseiten des Bürgermeisters. Weber schüttete auf die Kritik hin eine 80 Zentimeter hohe Böschung wieder auf. Um solche Missgeschicke künftig zu vermeiden, hatte das Landratsamt mit der Stadt vereinbart, dass "bei so sensiblen Bereichen künftig aussagekräftigere Planungsunterlagen einzureichen sind". Im Rahmen der Entwicklung des Baugebiets Klein-Münchberg beschäftigten sich Stadtrat und Behörden mit der Frage, inwieweit ein Eingriff in den Hohlweg an der Hugo-Broßmer-Straße in Kauf zu nehmen ist, um das Gebiet zu erschließen. Nach einem Beschluss vom Dezember gegen die Widerstände von Nabu und BUND soll die Zufahrt in das Baugebiet durch den Hohlweg führen.

Autor: Bastian Bernhardt