von Ettenheim nach Marokko zu trampen?

Wie ist es eigentlich: Immer auf der Autobahn bleiben

kam

Von kam

Do, 22. Januar 2009

Ettenheim

Andreas Hummel (20) aus Wallburg ist am Freitag von einer dreiwöchigen Tramptour nach Casablanca zurückgekommen.

Andreas Hummel (20) aus Wallburg ist am Freitag von einer dreiwöchigen Tramptour nach Casablanca zurückgekommen.

Eigentlich ist Trampen nicht so mein Ding. Ich bin ein Mensch, der am Abend sein Bett braucht und einen sicheren Schlafplatz haben will. Aber es hat mich einfach gereizt. Ich will so viel ausprobieren wie möglich und auch mal was Bescheuertes machen. Auf die Idee mit Marokko bin ich gekommen, nachdem ich im letzten Jahr einen Diavortrag von Dietmar Obert gesehen hatte. Die Fotos fand ich toll – und innerhalb von drei SMS hat sich der Urlaub mit meinem Kollegen Marius Barbot ergeben. Ich mache gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kinder- und Jugendbüro in Lahr, da hab’ ich mit Pflichturlaub und Überstunden abbauen ziemlich viel Zeit. Das muss man ausnutzen! Für den Weg nach Marokko haben wir knapp eine Woche gebraucht. Wir sind an der Schauinslandtankstelle bei Freiburg gestartet und am ersten Tag bis nach Besançon gekommen. Drei Stunden warten und mehrere Kilometer Fußmarsch entlang der Autobahn waren da auch dabei. In Besançon haben wir dann bei minus sechs Grad in der Nähe der Autobahn im Zelt geschlafen. Die oberste Regel für Tramper ist: Auf der Autobahn bleiben. Deshalb haben wir meist in Lkw-Anhängern geschlafen, auch mal im Freien hinter einem Lkw oder im Eingangsbereich einer Tankstelle. Wir haben uns, was diese Regel angeht, aber auch ein paar Patzer geleistet: So haben uns zwei Italiener in Spanien mit nach Granada reingenommen, weil sie vorher nicht noch einmal anhalten wollten. Von dort aus mussten wir nachher mit dem Bus weiterfahren. Spanien ist ein schwieriges Land zum Trampen, und so wurde manches teurer als gedacht – deshalb sind wir auch schon früher wieder zurückgekommen. Aber Granada war toll: Nach vier Tagen ohne Dusche waren wir dort in der Jugendherberge, es war sicher, sauber und der Herbergsvater konnte sogar Deutsch! Und die Alhambra haben wir auch noch angeschaut.

In Marokko selbst haben wir uns nicht getraut, zu trampen. Aber Busfahren ist dort auch extrem billig. Und so kamen wir nach einer Woche bei unserer Gastfamilie in Casablanca an. Mein Kollege kannte die Tochter der Familie aus Frankfurt, er hatte ihr in einer Notlage mal die eigene Wohnung als Unterkunft angeboten. Die Familie von "Monsieur Moussa" war sehr dankbar, davon habe ich auch profitiert. Sein Sohn hat uns die Gegend gezeigt, vor allem die vielen Märkte. Wir haben dabei auch den Gaza-Konflikt heftig mitbekommen. Die ganzen Schulen sind auf die Straßen gegangen und haben demonstriert. Dass die Verbindung so eng ist, hat mich überrascht: Es passiert etwas am anderen Ende der Welt, und die Leute demonstrieren wie die Irren. Die Gastfamilie war – auch gerade in religiösen Fragen – sehr offen, und diese Sachen haben für viel Gesprächsstoff gesorgt zwischen uns. Wir haben zum Dank für die Gastfreundschaft ein badisches Essen gekocht. Flädlesuppe, Eisbergsalat, Rindfleisch mit Soße und selbst geschabte Spätzle. Mit Himbeerkonfitüre, weil es Preiselbeeren nicht gab. Das Problem war, für unser Essen Besteck aufzutreiben. Wir hatten bis dahin immer alle zusammen mit den Händen aus einer Schüssel gegessen. Am Schluss haben wir Kuchengabeln benutzt. Auf der Heimfahrt kam dann der absolute Tiefpunkt: Zwei Tage lang haben wir auf dem Parkplatz bei der Fähre in Algeciras festgesessen und keine Mitfahrgelegenheit gefunden. Es ist einerseits frustrierend, andererseits trifft man dabei sehr viele Leute. Marokkaner sind total freundlich. Sie haben sich viel mit uns unterhalten, mit uns Tee gekocht und uns zum Thunfisch eingeladen. Am Schluss haben wir den Bus zurück genommen – da hatten wir dann wirklich keine Kohle mehr. Auch da hat uns ein Pakistani auf seinem Weg nach Nürnberg total nett durchgefüttert. Er meinte: Heute versorg’ ich euch, wenn ich dann in Deutschland mal Hilfe brauche, dann habe ich eure Handynummern. So eine Einstellung finde ich extrem geil.

Ob ich nochmal eine Tramptour machen würde? Ich glaube nicht. Da ist mir alles zu ungewiss. Und uns hat auch genervt, dass wir so wenig gesehen haben von Spanien. Der nächste Trip wird anders: Marius und ich wollen mit dem klapprigen Moped von meinem Vater nach Italien, über den Brenner. Bestenfalls kommen wir bis hin, schlimmstenfalls wird es ein schöner Urlaub da, wo wir landen.
– protokolliert von Katharina Meyer