BZ-Interview

Experte zu Kahlenberg-Loch: Es gab keine Vorwarnung

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Di, 13. Februar 2018 um 15:38 Uhr

Herbolzheim

Axel Brasse leitet die Landesbergdirektion im Freiburger Regierungspräsidium. Der Tagesbruch im Herbolzheimer Kahlenberg beschäftigt ihn seit zehn Jahren.

BZ: Herr Brasse, wieso hat sich der Tagesbruch genau dort ereignet?

Brasse: Da kamen viele Faktoren zusammen: Der Berg ist stark durchbaut, es gibt ein dichtes Stollennetz. Einige Stollen sind nahe an der Oberfläche. Derjenige, über dem sich der Bruch ereignet hat, war während des Zweiten Weltkrieges verbreitert worden. Auch die Gesteinsschichten darüber sind nicht überall gleich stabil. Obendrauf liegt Lössboden. Der trägt schlecht und ist eher eine Last. Außerdem ist er wasserdurchlässig. Das ist schlecht für die Stabilität – und wir hatten im Vorfeld viele Tage mit Starkregen.

BZ:
Warum ist dann über Jahrzehnte nichts passiert?

Brasse: Das kann man nicht sagen. Normalerweise kündigen sich Schwachstellen frühzeitig an, zum Beispiel mit sogenannten Einspüllöchern, über die Wasser im Untergrund versickert. Solche Bereiche sind auch früher schon gesperrt werden. Hier gab es aber überhaupt keine Vorwarnung. Wir gehen davon aus, dass der Bruch in sehr kurzer Zeit passiert ist, möglicherweise sogar in Sekunden – ich bin froh, dass zu diesem Zeitpunkt niemand auf dem Grundstück war.

BZ: Wie häufig sind solche Ereignisse?

Brasse: Ich bin seit 1999 bei der Bergverwaltung, einen so großen Tagesbruch habe ich noch nie erlebt. In dieser Dimension ist das in Baden-Württemberg ein als sehr selten einzustufendes Ereignis.