Geld

EZB stellt überarbeitete Euro-Banknoten vor – neue Scheine ab Mai

Jörn Bender, dpa

Von Jörn Bender & dpa

Di, 18. September 2018 um 12:29 Uhr

Wirtschaft

Die Ausgabe der überarbeiteten 100- und 200-Euro-Banknoten beginnt im kommenden Mai. Die Bank hat vor allem die Sicherheitsmerkmale der Scheine verbessert.

Im Wettlauf mit Geldfälschern haben Europas Währungshüter die 100- und 200-Euro-Scheine überarbeitet und mit besseren Sicherheitsmerkmalen ausgestattet. Am Montag präsentierte die Europäische Zentralbank (EZB) die neuen Banknoten der Öffentlichkeit. Verbraucher werden sie vom 28. Mai 2019 an bekommen.

Was ist anders an den Scheinen?
Sie sollen schwerer zu fälschen sein, weil die Währungshüter neue Sicherheitsmerkmale ausgetüftelt haben – wie zuvor für die 5-, 10-, 20- und 50-Euro-Scheine. Für den Hunderter und den Zweihunderter haben sie sich etwas Neues ausgedacht: Auf der Vorderseite oben rechts gibt es ein Satelliten-Hologramm. Dort ist der Wert "100" oder "200" zu sehen. Um die Zahl bewegen sich beim Neigen kleine Euro-Symbole. Darunter gibt es, wie beim 50er und 20er, ein Porträtfenster: Hält man den Schein gegen das Licht, wird das Fenster durchsichtig und zeigt von beiden Seiten ein Porträt der Mythengestalt Europa. Überarbeitet wurde die Smaragd-Zahl auf der Vorderseite links unten: Die glänzende 100 oder 200 ändert beim Neigen der Banknote ihre Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau. Neu ist, dass in die Zahl kleine Euro-Symbole integriert sind. Leicht geändert wurde das Format der Scheine: 100er und 200er sind künftig genauso hoch wie der 50er. Die Breite wurde beibehalten. Somit gilt weiterhin: je breiter, desto wertvoller.

Sind die Scheine lackiert?
Die Fünfer und Zehner der zweiten Generation sind mit einer Speziallackierung überzogen, die höherwertigen Scheine nicht. Ziel ist, die kleinen Stückelungen haltbarer zu machen, da sie besonders oft den Besitzer wechseln. Die Produktion einer Banknote kostet im Schnitt acht bis neun Cent.

Welche Scheine der neuen
Euro-Serie gibt es schon?

Den Anfang machte am 2. Mai 2013 der Fünfer. Am 23. September 2014 folgte der Zehner, seit dem 25. November 2015 ist der überarbeitete Zwanziger im Umlauf. Den neuen Fünfziger gibt es seit dem 4. April 2017. Am 28. Mai nächsten Jahres kommen die neuen 100er und 200er in Umlauf. Die Scheine der ersten Generation bleiben aber weiterhin gültig; die Notenbanken werden sie nach und nach austauschen.

Warum bekommen Verbraucher die
neuen 100er und 200er nicht sofort?

Zunächst erhalten Banken und Einzelhändler die Gelegenheit, Geräte und Personal auf den Umgang mit den Geldscheinen vorzubereiten. Auch Automaten müssen eingerichtet werden. Mit dem neuen Fünfer hatte es im Mai 2013 anfangs Probleme gegeben: An vielen Automaten in Europa konnten Verbraucher ihren Fahrschein oder das Parkticket nicht damit bezahlen, weil die Software der Automaten nicht rechtzeitig umgestellt worden war. Bei den anderen Stückelungen lief dann aber alles reibungslos – nur in Einzelfällen hielt mancher Händler die neuen Scheine anfangs für Falschgeld.

Lohnt sich der Aufwand?
Gemessen an den jüngsten Falschgeldzahlen auf jeden Fall: Sowohl in Europa als auch in Deutschland ist die Zahl der Euro-Blüten in den vergangenen Jahren gesunken – was nach Einschätzung der Währungshüter auch an den verbesserten Sicherheitsmerkmalen der neuen Scheine liegt. Im ersten Halbjahr 2018 zogen Polizei, Handel und Banken in Europa 301 000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr, vor allem Zwanziger und Fünfziger. Das waren 17,1 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2017 und 9,1 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2017. Der Schaden betrug in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 17,4 Millionen Euro. In Deutschland verringerte sich die Zahl der Euro-Blüten nach Angaben der Bundesbank gegenüber dem zweiten Halbjahr 2017 um 6,2 Prozent auf gut 31 100 Scheine. Rein rechnerisch kommen hierzulande jährlich etwa sieben Blüten auf 10 000 Einwohner.

Kommt auch noch ein neuer 500er?
Nein, denn der EZB-Rat hat Anfang Mai 2016 beschlossen, dass die neue "Europa-Serie" nur noch sechs statt sieben Stückelungen umfassen wird. Sie ist also mit Einführung des überarbeiteten 100- und 200-Euro-Scheins komplett. Die Ausgabe des 500-Euro-Scheins wird gegen Ende dieses Jahres eingestellt. Die im Umlauf befindlichen 500er bleiben aber gültig und sollen unbegrenzt umtauschbar sein.

Wer entscheidet über die Banknoten
im Euroraum?

Die Hoheit liegt bei der EZB. In ihrem obersten Führungsgremium, dem EZB-Rat, reicht für Änderungen eine einfache Mehrheit. Vertreten sind dort die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums sowie die Notenbankchefs der 19 Euroländer.