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07. März 2009
Sünder, die offenbar gar keine sind
Hoffenheimer Doping-Fall: Die Spieler Ibertsberger und Janker werden nicht belangt / Offizielle und Ärzte sollen geschludert haben.
FRANKFURT/MAIN (sid/dpa/doe). Freispruch für die vermeintlichen "Sünder" Andreas Ibertsberger und Christoph Janker, Anklage gegen Bundesligist 1899 Hoffenheim und seinen Dopingbeauftragten Peter Geigle: Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat entschieden, das Verfahren gegen die beiden Profis aus Mangel an Beweisen einzustellen und sieht stattdessen die Offiziellen des Bundesliga-Aufsteigers in der Verantwortung für das um zehn Minuten verspätete Erscheinen der Spieler zur Dopingprobe nach dem Punktspiel am 7. Februar in Mönchengladbach (1:1).
"Wir haben den Sachverhalt akribisch untersucht und transparent aufgedeckt. Das steht für unsere Glaubwürdigkeit. Es ist wichtig, dass Dopingvergehen nicht bagatellisiert werden", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger nach der Bekanntgabe der Entscheidung.Der Tatbestand der Weigerung beziehungsweise des Versäumnisses einer Dopingkontrolle nach Aufforderung könne den Spielern nicht nachgewiesen werden, heißt es in der Begründung des DFB-Gremiums. Denn nach den bisherigen Ermittlungen hätten die beiden Spieler nicht schuldhaft gegen die Rechts- und Verfahrensordnung sowie die Anti-Doping-Richtlinien des DFB in Verbindung mit denen des Anti-Doping-Reglements des Weltfußball-Verbandes (Fifa) verstoßen. Angeblich sollen sie gar nicht gewusst haben, dass sie zur Probe ausgelost worden waren. "Da fällt mir aber ein Stein vom Herzen, dass die Jungs da nicht etwas ausbaden müssen", sagte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp nach Bekanntgabe der Urteilsbegründung.
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"Das war keine ordnungsgemäße Dopingprobe, sondern eher eine Alibi-Veranstaltung. So etwas können wir nicht dulden. Wir haben daraus unsere Lehren und Konsequenzen gezogen", sagte der Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission des DFB, Rainer Koch, und ergänzte: "Ich denke, dass dieser Fall für alle Beteiligten eine pädagogische Wirkung haben wird."
Sollten sich nach der mündlichen Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht aber neue, bislang nicht bekannte Schuldvorwürfe gegen Ibertsberger und Janker ergeben, wird der DFB-Kontrollausschuss umgehend das Verfahren gegen die beiden Spieler wieder aufnehmen.
Zur umfassenden Aufklärung des Sachverhalts hatte die Anti-Doping-Kommission am 17. Februar den Vorgang an den Kontrollausschuss abgegeben. Der Anti-Doping-Kommission war zuvor vom DFB-Doping-Kontrollarzt, der mit der Vornahme der angeordneten Kontrolle bei dem Spiel in Mönchengladbach beauftragt war, mitgeteilt worden, dass die ausgelosten Hoffenheimer Spieler verspätet im Doping-Kontrollraum erschienen seien. Angeblicher Grund: Die Spieler seien noch bei einer kurzfristig anberaumten Mannschaftsbesprechung gewesen.
Die Anti-Doping-Kommission stellte übereinstimmend fest, dass die beiden Profis entgegen der eindeutigen Bestimmungen der Anti-Doping-Richtlinien nach Spielende unbeobachtet in ihre Umkleidekabine gelangten und sich dort einige Minuten ohne Aufsicht aufhalten konnten. Ursächlich für diesen Kontrollmangel sei ein schwerer Pflichtenverstoß des Vereins 1899 Hoffenheim und seines Dopingbeauftragten Geigle, der die beiden Spieler pflichtwidrig nicht über die Kontrolle informierte und nicht in den Kontrollraum geführt habe.
Darüber hinaus lastet die DFB-Anti-Doping-Kommission dem anwesenden DFB-Doping-Kontrollarzt Rainer Klischies eine schwere Pflichtverletzung an, weil er es versäumt hatte, die Akteure unmittelbar nach Spielende über ihre Auslosung zur Dopingkontrolle zu informieren und deren Weg vom Spielfeld in den Kontrollraum zu überwachen.
Als Konsequenz aus den Geschehnissen in Mönchengladbach hat die Anti-Doping-Kommission die sofortige Einführung des sogenannten Chaperon-Systems beschlossen, bei dem neutrale Hilfspersonen die Doping-Kontrollärzte bei Wettkampfkontrollen – wie unter anderem beim Radsport – unterstützen. Die Chaperons begleiten die Sportler künftig von der Wettkampfstätte auf direktem Weg zur Dopingkontrolle.
Freiburgs Trainer Robin Dutt hat sich im Übrigen am Freitag darüber echauffiert, "dass die Riege prominenter deutscher Anti-Doping-Kämpfer" in den Medien stets behaupte, dass Doping im Fußball etwas bringe und Vermutungen zufolge in der Branche möglicherweise sogar an der Tagesordnung sei. Solche Aussagen, so Dutt, liefen den Anstrengungen in den Vereinen diametral entgegen. Er habe zuletzt seinen Spielern in langen Gesprächen einzuimpfen versucht, dass Doping "aufgrund der vielfältigen Anforderungen an einen Spieler" im Fußball gar nichts bringe. "Lasst die Finger davon", sagte Dutt, der für strenge und nachhaltige Kontrollen eintritt, den SC-Kickern. Dutt zufolge sollten Mediziner viel mehr vor dem Gebrauch von Dopingmitteln warnen und darauf verweisen, dass sie im Fußball unnütz seien. Stattdessen bekämen die Akteure quasi von kompetenter Stelle auch noch eine positive Bestätigung. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", so der Freiburger Trainer.
Autor: dpa
