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07. Februar 2012 07:33 Uhr
DFB-Pokal-Viertelfinale
Kiel braucht heiße Luft fürs DFB-Pokal-Viertelfinale
Dass Regionalligist Kiel im Pokal-Viertelfinale gegen Dortmund antritt, ist das Produkt professioneller Arbeit in der Fußballprovinz. So wird der Platz mit einem Zelt vor der Kälte geschützt.
Klimaneutral kann diese Art von Klimaanlage bei klirrender Kälte nicht funktionieren. Ein gigantisches Zelt, 6000 Quadratmeter groß, bis zu sechs Meter hoch, ist seit einer Woche über dem Spielfeld im Holstein-Stadion gespannt, die mit einem 4800-Liter-Gastank betriebene Turbine pumpt unentwegt heiße Luft hinein, denn eine Rasenheizung gibt es in Kiel nicht. Alternativlos sei diese aus England importierte Notlösung, sagt Manager Andreas Bornemann. Schließlich sei es doch bei der winterlichen Witterung der einzige Weg, um für den heutigen Hit im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund (20.30 Uhr/ZDF) den Mitte Januar frisch verlegten Rollrasen in der 11 000 Zuschauer fassenden Spielstätte eis- und schneefrei zu halten. Denn eines will sich Holstein Kiel nicht vorwerfen lassen: dass der Viertligist nicht imstande ist, dem Erstligisten ordentliche Bedingungen zu bieten. "Wir haben ein hohes Interesse daran, dass wir uns in jeder Hinsicht vernünftig präsentieren", sagt Bornemann. Für Untergrund und Überbau hat der Regionalligist 160 000 Euro investiert, und Bornemann behauptet: "Aktuell gibt es in der zweiten Liga deutlich schlechtere Plätze."
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Der 40-Jährige hat beinahe zwei Jahrzehnte lang dem SC Freiburg als Spieler und sportlicher Leiter gedient. Fast auf den Tag genau seit zwei Jahren macht sich Bornemann daran, die sportliche Wiederbelebung am anderen Ende der Republik voranzutreiben. Allzu lange ist es ja nicht her, dass Großmannssucht an der Förde regierte: Frank Neubarth, Christian Wück oder Falko Götz hießen die Trainer, die es nicht schafften, in der Fußballprovinz abgehalfterten Altstars Beine zu machen. Zwar stieg der Klub mit einem Kraftakt in die dritte Liga auf, aber 2010 auch prompt wieder ab. Danach rückte Nachwuchscoach Thorsten Gutzeit in die Verantwortung, ein ausgewiesener Pragmatiker. "Wir müssen Dortmund irgendwie auf unser Niveau herunterziehen", sagt der 46-Jährige.
Nacheinander ließen sich bereits Cottbus (0:3), Duisburg (0:2) und Mainz (0:2) von seinem jungen, hungrigen Ensemble düpieren, in dem Torwart Morten Jensen, Abwehrchef (und Dortmund-Fan) Christian Jürgensen, Spielmacher Fiete Sykora oder Stürmer Rafael Kazior die Korsettstangen bilden. Präpariert haben sich die sogenannten Störche übers Wochenende im dänischen Lögumkloster – nur dort war ein ordentliches Training für den Deutschen Meister von 1912 möglich.
Gleichwohl: Viel wichtiger als die Bruttoeinnahme von 1,6 Millionen Euro sei der Imagegewinn, sagt Kiels Präsident Roland Reime. Deshalb war es dem 66-Jährigen auch ein ernstes Anliegen, dass der verbale Ausrutscher unmittelbar nach der Auslosung – einige Spieler hatten im Siegestaumel während der Live-Schalte Schmähgesänge in Richtung BVB angestimmt – durch eine offizielle Entschuldigung per Videobotschaft in Dortmund wieder gutgemacht wurde.
Wer ansonsten an die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins denkt, dem kommen zuerst die Kieler Woche oder die Kieler Handballer in den Sinn. An der Vormachtstellung des THW wird Holstein auch auf absehbare Zeit nicht rütteln können, doch dass sich an Bornemanns Seite ein gewisser Wolfgang Schwenke, einer der vielen Kieler Handballlegenden, als Geschäftsführer um die Finanzen kümmert, ist für die gesellschaftliche Verankerung so schlecht nicht. Bornemann und Schwenke bemühen den Begriff der Nachhaltigkeit nicht nur ein Mal, und wer sie vor die Wahl stellen würde, Aufstieg in die dritte Liga oder Einzug ins Pokal-Halbfinale, der bekommt eine ehrliche Antwort. "Wir würden uns immer für den Aufstieg entscheiden. Wir stehen vor dem Nadelöhr im deutschen Fußball."
Nur die Meister der drei Regionalligen Nord, West und Süd gehen schließlich hoch; die mit einem Etat von 2,3 Millionen Euro operierenden Kieler haben Konkurrenz durch den von Red Bull alimentierten Klub RB Leipzig, und wenn es Holstein diese Spielzeit nicht gelingen sollte, böte sich nächste Saison das Problem, in einer dann auf fünf Spielklassen aufgeblähten Regionalliga als Tabellenerster noch Relegationsspiele bestreiten zu müssen. Deshalb hofft Bornemann, dass der neue Rasen auch nach dem Pokalspiel noch ansprechend ausschaut. "Ein guter Platz hilft uns danach auch im Alltag." Schon übernächsten Freitag zum Heimspiel gegen den Hamburger SV. Zweite Mannschaft.
Autor: Frank Hellmann
