Mittendrin statt nur dabei

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Do, 07. Dezember 2017

Bezirksliga Schwarzwald

Bezirksligisten Bonndorf und Hölzlebruck liegen im Mittelfeld – geruhsam ist es auch dort nicht.

FUSSBALL-BEZIRKSLIGA. Wenn der Ball ruht, draußen Schnee liegt und die Fußballer pausieren – toben sich die Spieler dann auf Loipen und Pisten aus? Das würden sich die Bezirksliga-Trainer wünschen, damit die Spieler fit aus der winterlichen Spielpause kommen, aber oftmals ist nur Erholung, Regeneration und ein bisschen joggen angesagt. Der TuS Bonndorf und SV Hölzlebruck haben die Herbstrunde mit unterschiedlichen Leistungskurven hinter sich gebracht: Während sich der TuS konstant im Mittelfeld aufhielt, war es beim SV Hölzlebruck eine veritable Achterbahnfahrt.

TuS Bonndorf (8.)

Bei der Bonndorfer Mannschaft gab es eine andere Auffälligkeit: Die Heimbilanz ist negativ, die auf des Gegners Platz hingegen positiv. "Ja", sagt Trainer Nils Boll, "wir haben auswärts gegen die vor uns liegenden Mannschaften gut gepunktet, auf eigenem Platz aber gegen Teams aus der hinteren Region Punkte abgegeben". Eine schlüssige Diagnose gibt es nicht, Boll kann nur spekulieren: "Wenn du auswärts gegen eine starke Mannschaft gewinnst, unterschätzt du den vermeintlich schwächeren Gegner auf dem eigenen Platz vielleicht." Also Kopfsache? Denkbar ist auch, dass Mannschaften aus der vorderen Tabellenregion offensiver ausgerichtet sind und mitspielen, während Teams aus dem Tabellenkeller eher defensiv agieren und manchmal auch mauern.

Grundsätzlich ist der TuS-Trainer, der aus beruflichen Gründen im Frühjahr nicht mehr zur Verfügung stehen wird und sein Amt an den bisherigen Co-Trainer Björn Schlageter abgibt, mit dem Erreichten zufrieden, "zumal wir vor der Saison nicht wussten, wo die Reise hingeht". In Marco Baumgärtner, Heiko Güntert und Marco Morath hatten drei Leistungsträger den TuS Bonndorf im vergangenen Sommer verlassen. "Das hat die Mannschaft richtig gut kompensiert. In einigen Spielen hat allerdings der letzte Wille, die letzte Leidenschaft gefehlt, sonst hätten wir noch ein paar Punkte mehr", glaubt Boll.

Am Samstag bei der Weihnachtsfeier werden Spieler und Trainer noch einmal zusammenkommen, von der Mannschaft hat sich Boll bereits verabschiedet. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie zusammenbleiben sollen", sagt der TuS-Coach, "das ist eine junge ehrgeizige Mannschaft, da kann irgendwann auch mal wieder mehr drin sein als Mittelfeld in der Bezirksliga". Mit Vater Boll ist der TuS einst in die Landesliga aufgestiegen, ebenso mit Benjamin Gallmann, der derzeit den Verbandsligisten FC Neustadt trainiert. Für die Wandlung und den Neuaufbau steht ein Akteur, der unter Vater Boll zwar zu den talentierten, aber auch zu den schwierigen und nicht immer gewissenhaft trainierenden Spielern zählte: Mario Modispacher. Mit sieben Treffern ist der Stürmer der erfolgreichste Bonndorfer Torschütze, der sich über Einsätze in der dritten und zweiten TuS-Mannschaft wieder für die Erste angeboten hat. "Er hat sich verändert. Er ist motiviert und zieht voll mit", sagt Boll. Der Beruf wird beim scheidenden Trainer künftig mehr in den Fokus rücken, ganz ohne Fußball geht es aber nicht: Boll trainiert ein F-Juniorenteam, in dem sein ältester Sohn mitspielt. Das ist die Fußball-Generation von morgen. Eine schlüssige Erkenntnis besagt, dass die besten Trainer in den Nachwuchsbereich gehören. Dort werden die Grundlagen gelegt, dort wird ausgebildet, dort kann man formen.

SV Hölzlebruck (11.)

Als D-Jugendlicher war Andreas Binder erstmals im Europa-Park. Und seither immer mal wieder. Natürlich ist er auch mit dem Silver Star gefahren, jener atemberaubenden Achterbahn im Vergnügungspark. An so eine Fahrt fühlte er sich mit dem SV Hölzlebruck in den ersten 16 Saisonspielen erinnert, der große Unterschied sei jedoch, dass die reale Achterbahnfahrt nicht so lange dauere wie ein Fußballspiel über 90 Minuten. Beim Fußball leide man länger, sagt der Mann, der eigentlich gar nicht so gern Achterbahn fährt. "Bei uns gab es viele Höhen und Tiefen", klagt er, "wir haben gut angefangen, hatten dann aber fünf bis sechs Spiele ohne Dreier und sind in den sechs Spielen vor der Pause ohne Niederlage geblieben: drei Siege, drei Unentschieden."

Die Lage war im Verlauf der Herbstunde schon mal bedrohlich, als die Gelb-Schwarzen auf den viertletzten Tabellenplatz zurückgefallen waren. "Mittlerweile haben wir uns wieder freigeschwommen", sagt Binder. Verantwortlich für den Durchhänger zwischendurch waren Verletzungen, bei Samstagsspielen fehlen stets auch die Fußballkegler Kevin Raißer, Marc und Jan Grießhaber. Im Match gegen Gutmadingen (1:3) fehlten elf Spieler aus dem 20-Mann-Kader, da wurde es personell eng.

Ein Sieben-Punkte-Polster hat der SV Hölzlebruck auf den ersten Abstiegsplatz, der Blick im Frühjahr geht zunächst nur nach hinten. "Wir wollen möglichst schnell da hinten rauskommen und 40 Punkte holen, alles andere ist dann Zugabe", sagt Binder. Treffsicherster Spieler der Mannschaft ist Alexander Winter, der Liga-intern mit elf Toren auf Rang vier liegt. Er und Patrick Koch, der sechsmal getroffen hat, haben 17 der 25 Hölzlebrucker Tore erzielt.

Der Trainings-Wiedereinstieg wird Ende Januar sein, Fitness-Hausaufgaben hat Binder seinen Spielern nicht mitgegeben: "Da hält sich schon jeder fit, ohne dass ich es vorgebe." Der HSV-Coach rechnet im Frühjahr auch mit der Rückkehr der Langzeitverletzten Andreas Beha, Nico Riesterer und Dennis Maier ins Mannschaftstraining. Wie es mit ihm als Trainer im kommenden Sommer weitergeht, ist noch offen: "Ich werde die Runde fertigmachen und dann schauen wir weiter", sagt Binder.