Die kleine Flamme groß machen

Annemarie Zwick und Jürgen Ruoff

Von Annemarie Zwick & Jürgen Ruoff

Fr, 08. Dezember 2017

Verbandsliga Südbaden

Verbandsligist FC Neustadt hat beim Tabellenzweiten SV Linx keine Chance – aber gerade darin liegt die Chance für die Blauen.

FUSSBALL-VERBANDSLIGA. So groß die Aussichtlosigkeit erscheinen mag, so groß ist auch die Chance, die sich in diesem Spiel versteckt: Natürlich hat der FC Neustadt keine Chance. Die Mannschaft mit dem schwächsten Angriff hat es erst auf zwei Siege in 17 Spielen gebracht. Wer setzt auch nur einen Euro auf die Blauen, die am Samstag beim zweitbesten Hinrundenteam antreten müssen? Der SV Linx ist Tabellenzweiter, hat 14 Siege angehäuft und erst zweimal verloren. Aus Sicht der Schwarzwälder ist das eine Übermannschaft. Nicht zu bezwingen – oder doch?

SV Linx – FC Neustadt (Samstag, 14.30 Uhr). Der Unterschied im Hinspiel, das die Blauen unglücklich mit 0:1 durch einen Handelfmeter verloren haben, war gar nicht so groß. Und in der vergangenen Saison hat Neustadt gegen Linx in zwei Spielen vier Punkte geholt. "Auf dem Papier spricht zwar im Moment alles gegen uns, aber ich sehe uns in Linx nicht chancenlos", sagt Neustadts Trainer Benjamin Gallmann, "wir können ein unangenehmer Gegner sein, das hat die Mannschaft in dieser Saison schon mehrfach bewiesen". Ein Punkt, ein Sieg gar, könnte ein Zeichen, ein Signal sein, dass noch nicht alles verloren ist für den FC Neustadt im Kampf um den Klassenerhalt. Und würde die kleine Flamme Hoffnung wieder auflodern lassen.

"Ich sehe uns ins Linx

nicht chancenlos."

Neustadts Trainer Gallmann
Der Matchplan ist klar: Die Neustädter wollen gut organisiert die Räume zustellen, besonders wichtig ist das in der gefährlichen Zone vor dem eigenen Tor, dem letzten Drittel, der Box. Und nach Balleroberungen soll es dann schnell nach vorne gehen, "dann wollen wir Fußball spielen, und wenn möglich, auch etwas Zählbares mitnehmen", sagt Coach Gallmann.

Seit im Hochschwarzwald Schnee liegt, treten die Neustädter Fußballer in der Soccerhalle in Hinterzarten gegen den Ball. Die Spielfläche ist zwar lange nicht so groß wie draußen, für die Schulung des flotten Kurzpassspiels und der Spritzigkeit aber durchaus geeignet. Gallmann teilt diese Meinung nicht. "Schwierig", sagt er, "die Einheiten sind nicht vergleichbar mit denen auf dem Platz". Derzeit sei die Soccerhalle aber durchaus "die bessere Alternative", weil die Plätze schneebedeckt sind und darunter ist es gefroren. "Für die Stimmung und das Gemüt ist das Hallentraining gut", sagt Gallmann, der bei dem einen oder anderen Spieler nach einer für Kopf und Körper strapaziösen Hinrunde Abnutzungserscheinungen erkannt hat. Vor allem die Spieler, die immer im Training waren, sehnten die Winterpause herbei.

Der zuletzt gesperrte Ralf Schubnell ist wieder spielberechtigt, ob der Student allerdings zur Verfügung steht, ist noch nicht ganz sicher. Tobias Falkowski ist krank, Innenverteidiger Ranil Weerakkody aus dem Urlaub zurück.

"Wir freuen uns auf das letzte Spiel", sagt Gallmann, der Tross des FC Neustadt fährt durchaus hoffnungsfroh in die Ortenau. Und will dort die kleine Flamme wieder groß machen.

FC Bad Dürrheim – Freiburger FC (Samstag, 14.30 Uhr). Am Montag und Dienstag lag zwar ein bisschen Schnee in Bad Dürrheim, doch der Kunstrasen war nicht gefroren. So konnte Reiner Scheu mit seiner Mannschaft normal trainieren, wenn auch auf etwas rutschigem Untergrund. "Wir bereiten uns vor", lautete die Botschaft. Ob morgen in der Kurstadt gespielt werden kann, war vor dem gestrigen Abschlusstraining schwer einzuschätzen. Der Tabellen-15. würde die letzte Partie des Jahres gern noch austragen. Gegen den Spitzenreiter, der erst ein Spiel verloren hat, kann der klare Außenseiter ohne Druck agieren, denn "gegen den FFC lassen fast alle Punkte", sagt Scheu. Seine Mannschaft soll dem Vizemeister der Vorsaison mit dem weitaus gefährlichsten Angriff der Liga (65 Tore) um Torjäger Marco Senftleber (20 Tore) "ein hartes und enges Spiel liefern".

Illusionen macht der FC-Trainer sich freilich keine: "Es muss viel zusammenkommen, dass wir einen Punkt holen oder gar mehr." Das 1:5 in Freiburg, die höchste Saisonniederlage seines Teams, sei allerdings kein Maßstab. Nach guter erster Halbzeit (1:1) seien die ersatzgeschwächt angetretenen Dürrheimer nach der Pause "auseinandergefallen". Inzwischen hat sich die Ausgangsposition verbessert, die Mannschaft gefestigt. Beim Kehler FV musste sich der FC zuletzt jedoch trotz besserer Chancen mit einem 0:0 zufriedengeben. Wie so oft hätten seine Spieler sich mangels Treffsicherheit nicht für ihre Leistung belohnt. Kapitän Felix Schaplewski ist zurück und soll von Beginn an spielen.