Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Dezember 2014 16:07 Uhr

Vorurteil 2

Fakten-Check: Moslems sollen in islamische Länder fliehen

Oft wird im Internet argumentiert, dass islamische Länder sich in der Flüchtlingsproblematik aus der Verantwortung ziehen. Sie sollten doch die primäre Anlaufstelle für muslimische Flüchtlinge sein. Stimmt das?

  1. Die Kaaba in Mekka. Flüchtlinge sieht man dort selten. Foto: dpa

Vorurteil: Muslimische Flüchtlinge sollten besser in mehrheitlich muslimische Länder flüchten

Die weitaus meisten Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak suchen tatsächlich Zuflucht in den muslimischen Nachbarländern. Riesige Flüchtlingslager gibt es derzeit im Libanon, Jordanien und der Türkei. "Gerade der Libanon ist sehr hilfsbereit und mittlerweile von der hohen Zahl an Flüchtlingen total überfordert", sagt Dietmar Kappe von der UN-Flüchtlingshilfe. 1,2 Millionen Syrer hat das kleine Land am Mittelmeer trotz eigener wirtschaftlicher Probleme mittlerweile aufgenommen.

Würde man das auf die Größe Deutschlands umrechnen, wären das 20 Millionen Flüchtlinge. Auch in der Türkei sind es beeindruckende Zahlen: 1.1 Millionen Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien leben mittlerweile dort, in Jordanien sind es 640.000. Auch der Irak – selbst in großem Maße von den Verbrechern des IS bedroht – hat 225.000 Flüchtlinge aufgenommen.

Was allerdings stimmt, ist, dass das finanzstarke Saudi-Arabien keine Flüchtlinge aufnimmt – was vor allem mit der fragilen Lage des Königreichs zu tun hat. Das an sich schon extrem konservative wahhabitische Regime kämpft mit den Extremisten im Land, die noch radikaler sind. Dass eine große Zahl an Flüchtlingen das Regime destabilisieren könnte, wird eine der größten Sorgen sein. Ein Argument, dass nicht als Entschuldigung taugt und ein schlechtes Licht auf das Land wirft. Tatsächlich sollte sich Saudi-Arabien mehr engagieren.

Werbung


Mehr zum Thema:

Autor: Michael Saurer