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05. Juni 2012

Ackermann-Elf

FC Neustadt: Solide und ein bisschen sensationell

Der FC Neustadt ist das beste Schwarzwaldteam in der Landesliga, doch von einem Spitzenplatz kann die Ackermann-Elf nur träumen.

  1. Einer der Aktivposten im Team des FC Neustadt war in der Frühjahrsrunde Stefan Ketterer (links), der kaltschnäuzig zum Torjäger reifte und den Weggang von Saliou Aborida vergessen ließ. Foto: bernd seger

FUSSBALL-LANDESLIGA. 101 Jahre nach der Gründung sind die Kicker des FC Neustadt einmal mehr die fußballerische Nummer eins im Hochschwarzwald. Mit einem 5:2-Erfolg gegen den Hegauer FV verabschiedete sich die Elf, die bis zur Winterpause von Heiko Geng und seit Januar von Andreas Ackermann trainiert wurde, mit 49 Punkten als Tabellensiebter in die Sommerpause. Das ist ein solider Erfolg. Und doch gibt es keinen Grund zu Überschwang. Denn angesichts einiger als sensationell eingestufter Leistungen zu Beginn der Frühjahrsrunde schien zwischenzeitlich ein Spitzenplatz möglich. Spitze sind die Neustädter dennoch – in der Fairnesstabelle. Eine Bilanz.

Hier der Kopfmensch, der nichts dem Zufall überlässt, selbst kleinste Details sammelt und eifrig notiert – dort der Typ, der im nun 42. Lebensjahr Fußball aus dem Bauch lebt: unterschiedlicher als Heiko Geng und Andreas Ackermann können Fußball-Übungsleiter kaum sein. Beide prägten diese Saison bei den Blauen. Geng führte das Team, in dem er Anfang November Grüppchenbildung und ein bisschen Hybris vermutete, auf Rang acht in die Winterpause, an seiner Seite als loyaler Co Andreas Ackermann. Dann trat Geng zurück. Und sein Lehrling wurde zum Jahreswechsel Chef. Als Erster unter Gleichen.

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Ackermann spricht die Sprache seiner Kicker, er weiß, wo der Schuh drückt. "Acki", Urgestein des FCN, erwies sich als Glücksfall. Obwohl die Mannschaft in der Winterpause gleich fünf Leistungsträger, darunter Torjäger Aborida ziehen lassen musste, verstand Ackermann den auf 19 Köpfe geschrumpften Kader als Chance statt Einschränkung. Der Start in die Frühjahrsrunde gelang perfekt. Mit Ausrufezeichen in Serie. Die Neustädter gewannen beim späteren Meister F.A.L. und düpierten den Titelmitfavoriten Dettingen-Dingelsdorf. Aus fünf Spielen resultierten vier Siege – und plötzlich schien der zweite Platz in Reichweite. Doch dann kam am Tag der Arbeit der Knick in der Leistungskurve. Ausgerechnet wegen Wetzig, Schmitt und Burger. Die Furtwanger Torjäger stoppten den Höhenflug der Ackermann-Elf am 1. Mai mit einem 3:1-Erfolg. Von da an war er verschwunden, der Zauber, der dem System Ackermann innegewohnt hatte. Es folgten ein 1:1 gegen Worblingen, eine 0:3-Heimniederlage gegen Radolfzell und ein 0:2 in Bermatingen. Erst mit dem 4:1-Heimsieg gegen Stockach konnte der Abwärtstrend gestoppt werden.

Solide, nicht sensationell spielten die Blauen die Saison zu Ende. Rang sieben ist nicht das, was sich Ackermann insgeheim erhofft hatte. "Es wäre mehr drin gewesen", sagt der FCN-Trainer, "aber ich bin mehr als nur zufrieden". Die Platzierung sei "ordentlich mit Luft nach oben". Das, was die Mannschaft in den vergangenen vier Wochen trotz akuter Besetzungsprobleme geleistet habe, sei vorbildlich. "Die Jungs haben sich, wenn es drauf ankam, zerrissen."

Und das Finale macht Lust auf mehr. Was sie können, wenn sie alles wollen, bewiesen die Neustädter beim 5:2-Erfolg im letzten Saisonspiel gegen den Hegauer FV – einer Partie, die als Bewerbung für die Zukunft gelten kann. "Die komplette Mannschaft hat hervorragend gespielt", lobt der Trainer. Doch kein Glanz ohne Schatten. "Nach der 1:0-Führung haben wir unsere obligatorische schlafmützige Viertelstunde eingelegt." Was bleibt, ist Vorfreude auf die neue Saison und eine Mannschaft, die weitgehend zusammenbleibt. Den FCN verlassen werden Patrick Koch (Ziel unbekannt) und Felix Knoll, der den Blauen aus beruflichen Gründen den Rücken kehrt sowie Alexander Ambs, der künftig beim Verbandsligisten FC Denzlingen kickt. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Am 2. Juli bittet Ackermann zum Trainingsauftakt für die Saison 2012/13.

Bis dahin ruht der Ball auf dem Platz, nicht in den Köpfen. Denn nach der Landesliga-Saison ist vor der Fußball-EM. Die will der Trainer genießen. Vor dem TV-Schirm. Wer die EM gewinnt? "Spanien", sagt Ackermann.

Autor: Johannes Bachmann


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