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06. Februar 2012
Drei Skilegenden und ein Appell
Verleger Burda: Trotz Tourismus Kultur und Tradition bewahren.
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Rundgang im Skimuseum mit Georg Thoma, Markus Wasmeier, HTG-Geschäftsführer Thorsten Rudolph, Sportbundpräsident Gundolf Fleischer, Filmemacher Reiner Mülbert, Hubert Burda und Willy Bogner (von links). Foto: Dieter Maurer
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Begrüßung auf der Kirchwiese: Markus Wasmeier, Willy Bogner, Georg Thoma und Hubert Burda. Foto: Dieter Maurer
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Es staubt noch wie in jungen Jahren: Hubert Burda (vorne) und Willy Bognerfreuen sich über Pulverschnee am Feldberg. Foto: Walter Kaiser
HINTERZARTEN/FELDBERG. Langsam schwebte der blaue Hubschrauber der verschneiten Kirchwiese im Ortszentrum entgegen, die Rotoren wirbelten den lockeren Pulverschnee kräftig auf. Verleger Hubert Burda, die ehemaligen Ski-Asse Markus Wasmeier und Willy Bogner sowie Filmemacher Rainer Mülbert entstiegen der Chartermaschine und wurden von Olympiasieger Georg Thoma herzlich umarmt: "Das ist ein schöner Tag für Hinterzarten und die gesamte Skiregion."
Der Kunsthistoriker und Verleger Hubert Burda hatte in München seine bayerischen Freunde Willy Bogner und Markus Wasmeier zu einem Skitag in den Hochschwarzwald eingeladen: "Wir wollen unserer gemeinsamen Leidenschaft frönen." Zudem sollte es eine Werbeaktion für den Tourismus im Schwarzwald sein. Das Trio flog zum Feldberg und testete am Seebuck einen ausgeflaggten Riesenslalom. Rainer Mülbert aus Kirchzarten-Dietenbach, Freund von Burda und ortskundiger Führer: "Wir haben den Kurs als geschlossenes Quartett absolviert und alles mit einer Helmkamera aufgenommen."Werbung
Burda, der am 9. Februar seinen 72. Geburtstag feiert, startete als Jugendlicher bei einigen Skirennen im Schwarzwald und bewies, dass er noch immer gut auf den Brettern steht. Der fünffache deutsche Meister, Olympia- und Weltmeisterschaftsteilnehmer Willy Bogner, der am 23. Januar 70 Jahre wurde, gehörte in den 60er Jahren zur deutschen alpinen Nationalmannschaft und gewann 1960 das Lauberhornrennen in der Schweiz. Nach seiner Karriere als Skirennläufer widmete er sich der Mode und arbeitete in der Firma seines Vaters. Zudem schuf er sich einen Namen als Filmemacher. Unvergessen blieb sein Einsatz als Ski-Kameramann im James-Bond-Film "Im Geheimdienst Ihrer Majestät".
Markus Wasmeier aus Schliersee feierte seine größten Erfolge im Riesenslalom. 1985 wurde er Weltmeister in Bormio. Vor den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer zählte der Bayer nicht zum engeren Kreis der Favoriten. Völlig unerwartet siegte er im Riesenslalom und im Super-G. Eine Bronzemedaille holte er 1987 bei der WM in Crans-Montana im Super-G. Der neunfache Weltcupsieger war 1994 der erste Skirennläufer, der zum deutschen Sportler des Jahres gekürt wurde.
Bei minus 17 Grad, Sonnenschein und Pulverschnee vergnügte sich das Quartett zunächst auf dem Höchsten, wechselte dann zum Herzogenhorn. Vom Gipfelkreuz fuhren sie über das Hofmättle nach Bernau ab. Dabei suchte der vorausfahrende "Wasi" eine Abkürzung und kam etwas von der eigentlichen Route ab: "Es war eine echte Pistengaudi." Der 48-jährige Schlierseer schwärmte: "Heute bin ich mir vorgekommen wie im Süden Skandinaviens. Traumhafter Sonnenschein, 17 Grad minus und verschneite Wälder, das wärmt das Herz." Willy Bogner empfand ähnlich: "Das ist wunderbar, diese Märchenlandschaft mit den sanften Hügeln."
Mit dem Heli ging es von Bernau nach Menzenschwand zum alten Jagdhaus von Senator Franz Burda und nach einer ausgedehnten Mittagsrast weiter nach Hinterzarten, wo Georg Thoma in das Schwarzwälder Skimuseum einlud. Er erläuterte die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der 1997 zu seinem 60. Geburtstag eröffneten Galerie. Thoma zeigte Fotos der Skipioniere Pilet und Paulcke, von Filmemacher Sepp Allgeier sowie vom ersten Skilift der Welt in Schollach. Auf einem Bild ist Willy Bogner senior zu sehen, der als Nordisch-Kombinierer 1936 in Garmisch-Partenkirchen den olympischen Eid sprach. Beeindruckend fanden die Gäste auch den kompletten Nachlass von Christl Cranz. Willy Bogner: "Wenn du diese Dokumente siehst und einen so traumhaften Wintertag erlebst, versteht du, warum der Schwarzwald die Wiege des deutschen Skisports ist."
Vor einem Bild von Monsignore Georg Gänswein, der rechten Hand von Papst Benedikt XVI., erinnerte sich Wasmeier: "Kardinal Joseph Ratzinger hat mich in den 70er Jahren gefirmt." Der Rundgang weckte weitere Erinnerungen bei dem Schlierseer: "Egon Hirt war einst mein Zimmerkollege." Der Neustädter landete beim WM-Sieg von Wasmeier in Bormio auf Rang vier. Auch der so frühzeitig verstorbene Rennkollege Hansjörg Schlager war allen ein Begriff. Sowohl Bogner als auch Wasmeier haben als Jugendliche einige Rennen im Fahler Loch bestritten.
Dem Eintrag in das Gästebuch folgte der Einkehrschwung in die heimelige Georg-Thoma-Stube: Aus einem alten Radio erklang die Originalreportage von Sportreporter Gerd Mehl, der den Hörern in Deutschland die Siegerehrung von Squaw Valley schilderte. Bogner, 1960 ebenfalls Olympiateilnehmer: "Bei der Zeremonie stand ich in der vordersten Reihe der Zuschauer und habe meine erste Filmreportage für den Bayerischen Rundfunk gefertigt. Es war der Start für meine Karriere als Filmemacher."
Hubert Burda fühlte sie im Kreis der drei Skiheroen sichtlich wohl: "Ihr seid Botschafter des Wintersports und habt Skigeschichte geschrieben." Der Verleger wies auf die wechselseitige Abhängigkeit von Sport und Medien hin: "Jeder braucht den andern." Dieses Treffen guter Freunde stehe im Geiste eines gemeinsamen Anliegens, der Förderung des Tourismus im Einklang mit der Bewahrung von Natur, Traditionen und lokaler Baukultur. Gerade Markus Wasmeier und Georg Thoma verbinde über den Sport hinaus ein solches kulturelles Engagement. So wie Thoma in Hinterzarten, hat Wasmeier im bayerischen Schliersee ein Bauernhof- und Wintersportmuseum gegründet: "Der Tourismus ist der Motor, damit eine Region leben kann, aber sie darf dadurch nicht entwurzelt werden. Wir müssen unsere Kultur und Traditionen bewahren." Georg Thoma stimmte zu: "Ich bin und bleibe ein heimatverbundener Schwarzwälder. Bei der zuweilen gnadenlosen Vermarktung gehen leider viele Werte verloren."
Zu der illustren Runde der Sportlegenden stieß auch der Präsident des Badischen Sportbundes, Gundolf Fleischer. Der Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, Thorsten Rudolph, freute sich über den werbeträchtigen Besuch der prominenten Gäste und überreichte Schwarzwälder Kirschkuchen in der Dose.
Autor: Dieter Maurer


