Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. Juni 2012 20:13 Uhr

Umstrittenes AKW

Fessenheim kann wohl nicht so schnell abgeschaltet werden

Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat es versprochen: Fessenheim wird abgeschaltet. Doch wie schnell lässt sich das bewerkstelligen? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht.

  1. Protestbanner gegen Atomkraft vor dem AKW Fessenheim. Foto: dapd

COLMAR. Das zeigte die Sitzung der Überwachungskommission Fessenheim in Colmar am Montag. Dabei verfügt der im Mai gewählte sozialistische Staatspräsident François Hollande nach der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag über eine komfortable Mehrheit in der französischen Nationalversammlung, um sein Wahlversprechen umzusetzen: Fessenheim bis zum Ende der Legislaturperiode abzuschalten.

Warum also lange warten und nicht sofort zur Tat schreiten? Diese Frage stellt die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer zur Debatte. "Wenn die Anlage bis 2017 laufen soll, ist es klar, dass die Reaktoren nachgerüstet werden müssen", sagte Schäfer und forderte, sich rasch auf einen Plan zu einigen, wie es mit Fessenheim weitergehen solle. AKW-Direktor Thierry Rosso antwortete ausweichend: Er sei nur der Direktor des Kernkraftwerks. Ob und wie es abgeschaltet werde, seien wirtschaftliche und energiepolitische Fragen. In jedem Fall, so Rosso, ginge dem Aus ein umfangreiches Genehmigungsverfahren voraus.

EdF will bei Stilllegung eine Entschädigung

Werbung


Die bislang einzige bekannte Aussage zu den Rahmenbedingungen einer Stilllegung stammt von Henri Proglio, Chef der Electricité de France (EdF). Er forderte eine angemessene Entschädigung für den Energiekonzern, sollte die linke Regierung ihr Vorhaben umsetzen. Fest steht aber laut Rosso, dass die EdF bis 2013 die Sockelplatte beider Reaktoren in Fessenheim verstärken lasse. Pro Block soll das 15 Millionen Euro kosten.

Die Machbarkeit des Verfahrens wird jedoch von den unabhängigen Wissenschaftlern, die in Fessenheim die Inspektion beider Reaktoren begleitet haben, in Zweifel gezogen. Deren Vertreterin Monique Sené sparte nicht mit Kritik an den Kontrollen bei Block II. Bislang hat erst Block I, und zwar vor einem Jahr, die Betriebsgenehmigung für weitere zehn Jahre erhalten. Für den Straßburger Atomphysiker Jean-Marie Brom, der am Bericht zu Fessenheim mitgearbeitet hat, bewegen sich die Ergebnisse der Kontrollen an der Grenze des wissenschaftlich Haltbaren.

Kritisiert wird insbesondere, dass die verbrauchten Brennstäbe auf dem AKW-Gelände gelagert werden. In Frankreich gibt es nach wie vor kein Endlager. Zudem bemängeln die Wissenschaftler die zunehmende Sprödigkeit des Reaktormantels, der unter den starken Temperaturschwankungen leidet.

Mehr zum Thema:

Autor: Bärbel Nückles