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23. September 2012 17:43 Uhr

Geburtstagsfeier

Festakt zum 70. in Offenburg: Schäuble wünscht sich mehr Europa

Wolfgang Schäuble lässt sich in der Reithalle feiern. In seinem Wohnort Offenburg steht er an seinem 70. Geburtstag im Mittelpunkt – und wünscht sich mehr Europa.

  1. Finanzminister Wolfgang Schäuble hat in Offenburg seinen 70. Geburtstag gefeiert. Foto: dpa

OFFENBURG. Der bekannteste Bürger der Stadt ist am Samstag mit einem Empfang in der Reithalle geehrt worden: 300 geladene Gäste gratulierten Finanzminister Wolfgang Schäuble zu seinem 70. Geburtstag. Die Festredner waren sich einig: Der weltweit anerkannte Politiker trug maßgeblich zur deutschen Wiedervereinigung und zum Zusammenwachsen Europas bei. Schäuble selbst wünscht sich zum Geburtstag von den Deutschen mehr Engagement für Europa – gerade in der Eurokrise.

Schäuble selbst übte sich in Bescheidenheit, konnte und wollte seine Rührung nach anderthalb Stunden Grußworten aber nicht verbergen: "Es bewegt mich mehr, als ich gedacht habe." Üblicherweise absolviere er vergleichbare Ereignisse mit der Einstellung: "Gut, statt Mittagsschläfchen kriegen wir das auch rum." Diesmal wolle er sich aber ausdrücklich für die "wunderschöne Veranstaltung" bedanken. Dass sogar Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg sich die Zeit genommen habe, nach Offenburg zu kommen, empfinde er als "große Auszeichnung". Die vielen Lobreden seien eigentlich nicht seine Sache – er wolle aber den Rat seiner Frau Ingeborg beherzigen: "Heute widersprichst Du mal nicht."

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OB Schreiner dankt Schäuble

Ein halbstündiges Defilee im Foyer der Reithalle war dem offiziellen Akt vorausgegangen. Hatte auch manch ein Amts- und Würdenträger abgesagt, da zeitgleich in Ludwigsburg der Festakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Francois Hollande stattfand, kam doch eine illustre Schar aufs Kulturforum, vom Alt-Ministerpräsidenten Lothar Späth über die ehemalige Umweltministerin des Landes, Tanja Gönner, bis zum Ex-DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder.

In ihrer Ansprache würdigte OB Edith Schreiner, die gemeinsam mit der CDU Baden-Württemberg eingeladen hatte, die Verdienste des Geburtstagskindes: "Mit seinem ganzen Erfahrungsschatz, mit seinem Wissen und Können, mit einer sicheren Werteskala und mutigen Visionen erklärt er, warnt er – und wirbt um Vertrauen." Beliebigkeit sei dem CDU-Mann fremd, dessen "einzigartige Laufbahn" 1972 begann.

Schäuble habe deutsche und europäische Geschichte mitgeschrieben. Sensibilität und Hartnäckigkeit zugleich zeichneten ihn aus. Als "politisches Urgestein" sei der gebürtige Hornberger immer "nah bei den Menschen und ihren Sorgen". Für Offenburg sei es ein Glück, mit ihm an gewichtiger Position einen verlässlichen Partner zu haben. Schreiner dankte an dieser Stelle für Schäubles Unterstützung in der Tunnelforderung beim Rheintalbahnausbau – "als nur eines, aber immens wichtiges Thema".

Der Landesvorsitzende der CDU Baden-Württemberg, Thomas Strobl, erinnerte daran, dass Schäuble die längste Parlamentszugehörigkeit in der Geschichte des Bundestags besitzt, seit 41 Jahren ist der Jurist in der aktiven Politik – und er will sich – wie berichtet – 2013 erneut zur Wahl stellen. Strobl bescheinigte seinem Schwiegervater "Bescheidenheit und Demut". Tief im christlichen Glauben verwurzelt, sei Schäuble von der Fehlbarkeit des Menschen überzeugt. Das mache ihn zum Realisten, der dem utopischen Glück eine Absage erteile. Schäuble sei davon überzeugt: "Was gut für Europa ist, ist gut für Deutschland." Diese Einstellung nehme die Landes-CDU als Verpflichtung und Auftrag. Strobl ließ auch die wichtige Rolle von Ingeborg Schäuble nicht unerwähnt: "Ohne sie wäre all das nicht möglich gewesen."
"Helfen Sie mit, das dumme Gerede der Euroskeptiker

zu bekämpfen."Wolfgang Schäuble
Für den Bezirksvorsitzenden der CDU Südbaden, Andreas Jung, hat Schäuble der Jungen Union und der CDU ein "neues Denken" verordnet und damit die Partei aufgemischt: "Wir sind stolz darauf, dass Sie einer von uns sind." Volker Schebesta, Vorsitzender der CDU Ortenau, verwies auf die Offenheit Schäubles gegenüber Anliegen der Ortenau.

Der Präsident des Elsass, Philippe Richert, betonte: "Als Freund bin ich hier." Mit gefühlvollen und warmherzigen Worten dankte der Franzose Schäuble für dessen Beitrag zur deutschen Einheit. Der Deutsche sei ein Verantwortungsethiker und damit "ein Vorbild für uns alle". Sein unermüdlicher Kampf für ein vereinigtes Europa sei beispielhaft. Schäuble sei von der Überzeugung getragen: "Hier am Rhein kann die deutsch-französische Freundschaft am besten voranschreiten." Dafür gebühre ihm der Titel "Ehrenbürger des Elsass".

Das letzte Wort hatte der Finanzminister. Er schloss mit einem klaren Plädoyer für Europa – und einem Appell: "Helfen Sie mit, das dumme Gerede der Euroskeptiker zu bekämpfen."

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Autor: Gertrude Siefke