Behinderteneinrichtung

Feuer in Caritas-Werkstatt ruft schlimme Erinnerungen wach

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Do, 07. Januar 2016 um 17:14 Uhr

Titisee-Neustadt

In der Caritas-Werkstatt in Neustadt, in der ein Brand vor gut drei Jahren 14 Menschenleben forderte, ist erneut ein Feuer ausgebrochen. Es wurde schnell gelöscht, riss aber alte Wunden auf.

Schock in Neustadt: Am Donnerstagvormittag gegen 11 Uhr wurde ein Feuer in der Caritaswerkstatt im Neustädter Bildstöckle gemeldet. Sofort wurden Erinnerungen an die Katastrophe von November 2012 wach, als ein Brand in der Einrichtung 14 Menschenleben forderte. Der Einsatz am Donnerstag verlief glimpflich: Es wurde niemand verletzt, jedoch löste das Feuer bei zwei Personen so heftige traumatische Reaktionen aus, dass sie in die Klinik gebracht werden mussten. Feuerwehr, DRK und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort.

Verkohlte Jacke in der Umkleidekabine

In der Umkleidekabine im Untergeschoss des Altgebäudes war aus bislang noch unbekannter Ursache eine Jacke in Brand geraten. Warum das Kleidungsstück Feuer fing, dazu konnte die Polizei gestern keine Aussage machen. "Die Ermittlungen laufen", so Uwe Kaiser, Leiter des Polizeireviers Titisee-Neustadt. Sieben Beamte des Polizeireviers waren am Einsatzort und sicherten nach den Löscharbeiten unter anderem die verkohlte Jacke aus der Umkleidekabine.

Sofort nach der Alarmierung durch die Meldeanlage rückte die Feuerwehr aus, es wurde ein Brandeinsatz der Stufe 4 festgelegt. Das bedeutet, dass neben der Gesamtfeuerwehr Titisee-Neustadt auch die Führungsgruppe Hochschwarzwald gerufen wird. Sie besteht aus Einsatzkräften der Hochschwarzwälder Feuerwehren und Mitgliedern des DRK.

Kriseninterventionsteams waren im Einsatz

Bei größeren Einsätzen unterstützt sie mit dem Einsatzleitfahrzeug aus Titisee-Neustadt den örtlichen Einsatzleiter, so auch am Donnerstag beim Alarm in der Caritaswerkstatt. Insgesamt waren 107 Feuerwehrleute mit 16 Fahrzeugen im Einsatz. Vom DRK waren 30 Helfer aus Titisee-Neustadt und umliegenden Ortsvereinen plus Kriseninterventionsteam und Notfallseelsorger vor Ort.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte hatten die insgesamt 91 Personen das Gebäude bereits verlassen. Die Evakuierung durch die Mitarbeiter der Einrichtung verlief nach Angaben des stellvertretenden Feuerwehrkommandanten Andreas Rainer ruhig und reibungslos – oft genug sei dieses Szenario geübt worden. Die Menschen wurden in die Halle einer benachbarten Firma gebracht und dort von DRK-Helfern, Psychologen des Kriseninterventionsteams und Notfallseelsorgern betreut.

Einsatz für die Helfer belastend

Sie führten Gespräche mit den Betroffenen und beruhigten sie – denn der Schock über das, was im November 2012 in der Werkstatt passiert ist, sitzt nach wie vor tief. Zwei Mitarbeiter der Werkstatt, davon ein Mensch mit Behinderung, nahm der erneute Feueralarm so sehr mit, dass sie in die Heliosklinik eingeliefert werden mussten.
Auch für die Helfer stellte sich dieser Einsatz als extrem belastend dar: Sofort nach der Alarmierung wurden bei ihnen die Erinnerungen an den Brand wach, bei dem vor drei Jahren 14 Menschen in der Werkstatt starben.

"Mir sind gleich tausend Sachen durch den Kopf gegangen", so Kommandant Andreas Reiner. Zwar seien er und seine Kameraden bei jedem Einsatz angespannt und konzentriert, doch dieser erneute Brand in der Caritaswerkstatt forderte die Kräfte der Wehrleute in besonderer Weise. "Solche Bilder wie damals will ich nie wieder sehen", sagte ein Feuerwehrmann am Rand des Einsatzes, bei dem beklemmende Stimmung herrschte.

Zusammenspiel hat einwandfrei funktioniert

Die Anspannung stand allen Helfern ins Gesicht geschrieben. "Wieder zu einem Brand hierher gerufen zu werden, das belastet", sagte der leitende Notarzt Winfried Grohmann, der schon 2012 in dieser Funktion vor Ort war.

Kreisbrandmeister Alexander Widmaier, der von Freiburg nach Neustadt gekommen war, sprach von einer "extremen Herausforderung für die Einsatzkräfte". Die Bestürzung über die verheerende Brandkatastrophe sitze bei allen noch immer tief. Zudem hätten Alarmierung und Art des Einsatzes am Donnerstag sehr starke Ähnlichkeit mit dem Szenario von damals gehabt. Der Einsatz der Helfer verlange höchsten Respekt, das Zusammenspiel aller habe einwandfrei funktioniert – "was auch nicht anders zu erwarten war", lobte Widmaier.

Die Löscharbeiten selbst gestalteten sich unkompliziert, wie Andreas Reiner berichtet: Mit zwei Trupps Atemschutzträgern drang die Feuerwehr ins Gebäude vor, wo sie den Brand rasch unter Kontrolle bekam. Anschließend wurden die Räume belüftet und entsprechende Schadstoffmessungen vorgenommen.

Kurz vor 13 Uhr rückte die Feuerwehr ab, die Mitarbeiter der Werkstatt wurden zu diesem Zeitpunkt noch betreut, dann aber sukzessive nach Hause gebracht. Die vom Brand betroffenen Bereiche der Caritaswerkstatt sind nach Angaben der Polizei zwar verrußt, ein Schaden am Gebäude aber entstand keiner.

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