WOCHENSPIEGEL: Krisensicher und doch unbeliebt

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Sa, 08. Dezember 2018

Forchheim

Der Betrieb ist wirtschaftlich gut aufgestellt, die Branche als wichtiger Baustein der Infrastruktur krisensicher. Umweltschutz und neue Technik gehören zum Arbeitsalltag, und mit "Hansefit" gibt es Firmenfitness für die ganze Belegschaft. Klingt alles gut, und doch kam kein einziger Azubi – nicht einmal die Aussicht auf ein Mofa oder ein Motorrad als zusätzlicher Anreiz halfen. Der Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht, die große Verbandskläranlage im Forchheimer Wald, hatte mit keiner Werbung Erfolg. Jetzt versucht es die Verbandsleitung noch einmal: Sie bat ihre 98 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Unterstützung und ist sogar bereit, ihnen Prämien für die Vermittlung eines Auszubildenden zu zahlen. Jobs in Technik und Labor und in der Verwaltung sind im Angebot, aber noch immer kein Azubi in Sicht, der sich einen Arbeitsplatz – mitten im Grünen, wenn auch in nicht ganz geruchsfreier Umgebung – vorstellen will.

Bedrückende Hirnkost

70 Jahre ist sie alt und doch kein Fall für den Ruhestand, denn das, wofür sie steht, gilt leider noch lange nicht für alle Menschen. Am Montag jährt sich zum 70. Mal die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Selbstbestimmung, Meinungs- und Religionsfreiheit, das Recht auf Eigentum und Bildung, Schutz vor Folter und Verfolgung … die Liste ist lang, klingt für Menschen hierzulande irgendwie "normal" und ist doch selbst in westlichen Demokratien keineswegs selbstverständlich. Zum 70. Jahrestag, aber auch zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember hat der Berliner Verlag Hirnkost ein Buchprojekt realisiert: "Todesursache: Flucht". Es ist eine lange Liste der Toten, die auf dem Weg nach oder in Europa starben, ergänzt um Porträts und Berichte von Überlebenden und Unterstützern. Die Startauflage wird verschenkt, 70 Exemplare davon auch beim "Bücherwurm" in Kenzingen und Herbolzheim. Danach kostet es 5 Euro, zugunsten lokaler Hilfsprojekte für geflüchtete Menschen dienen. Keine leichte Kost, schwer verdaulich, aber lohnenswerte Nahrung für den Verstand – Hirnkost, eben.