Anfassen und ausprobieren

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Di, 19. September 2017

Freiamt

Beim Museumsfest in Freiamt lernten die Besucher viel über alte Maße / Cego spielen auch Kinder.

FREIAMT. Beim traditionellen Museumsfest des rührigen Freiämter Heimatvereins boten die Mitglieder mit einer kleinen, aber spannenden Ausstellung zum Thema "Alte Maße" einmal mehr praktischen Anschauungsunterricht und lösten manches Rätsel. Am Cegoturnier beteiligten sich 41 Spieler aus 18 Gemeinden.

Gut, ein Ar kennt noch mancher, aber wie groß ist ein Taglöhnerstück? Wie lang ist eine Elle? So lang wie ein Unterarm? Was ist ein Sester? Und wie viele Liter umfasst das Hohlmaß? Was eine Guttere, eine Stütze oder ein Schlegel? Auf all diese Fragen erhielten neugierige Besucher am Sonntag Antwort im kleinen Ausstellungsraum unter der Scheune des Freihofs, den die Dienstagsgruppe neu hergerichtet hat. Aus den reichen Beständen des Museums und mit Leihgaben (wie den rund 1000 Zollstöcken von Willy Bührer gleich am Eingang, übrigens nur ein Teil seiner Sammlung) präsentierte der Heimatverein Längen- und Hohlmaße, Schieblehren und Gabelmaße zur Festmeterberechnung, Schnaps-, Schnell- und Standwaagen. "In diesem Jahr haben wir weniger interaktive Aktionen", sagte die Vorsitzende des Heimatvereins, Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench, "dafür vermitteln wir mehr Informationen." Und dies anschaulich, ja, wie immer zum Anfassen und Ausprobieren. Wie es um die Lebensarbeitszeit eines Knechts früher bestellt war, davon bekam etwa der eine Ahnung, der den langen, schmalen Doppelzentnersack auf dem Holzschubkarren einmal anhob, den Werner Schillinger am Vormittag mit Weizen gefüllt hatte. "Da ware die Stapfe auf der Stiege schwer", erinnerte sich ein älterer Besucher. Wie das Monstrum von Sack ohne Bandscheibenvorfall am Abend in ein Auto zu laden war, blieb da offen.

Geduldig erklärten die Vereinsmitglieder Werkzeuge, manche Erinnerung wurde wach. Auch draußen, wo Holzspalter-Walter (Ziebold) am Nachmittag den Klafter (knapp vier Ster) Brennholz mit seiner selbstfahrenden Bandsäge zerkleinerte, gab es Vieles zu entdecken. Neben einer großen Bandbreite an hölzernen Schubkarren waren ein Ar und ein drei Ar oder dreihundert Quadratmeter großes Stück Wiese abgesteckt worden, das ein Taglöhner früher gegen mehrere Tage Arbeit vom Bauern zur eigenen Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt bekam.

Die Veranstalter waren mit dem Besuch zufrieden. Schon der morgendliche Gottesdienst auf dem Freihofgelände, bei dem Pfarrer Marco Rückert über das Maß der Zeit predigte, sei außerordentlich gut besucht gewesen, sagte e Reinbold-Mench, viele Gäste blieben zum Mittagessen und am frühen Nachmittag lockte die Sonne zahlreiche Ausflügler.

Bei der Neuauflage des Cegoturniers maßen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Urloffen bis Brigachtal ihre Kräfte im anspruchsvollen alten Kartenspiel. Organisator Jürgen Schneider freute sich besonders über die Teilnahme von fünf Kindern, darunter der erst neunjährige Jeronimo Weis aus Biederbach. Ohne Scheu spielten sie selbstbewusst in der besonderen Atmosphäre der alten Tenne gegen zum Teil große Namen in der Szene auf, wie etwa gegen den aktuellen Schwarzwaldmeister, Hubert Kaltenbach aus Simonswald. Ihr erfrischendes Auftreten wurde mit einem Sonderpreis belohnt. Der Preis der Ludinmühle ging an Lorenz Winterle (Biederbach); auf den Plätzen folgten Heinrich Hilzinger (Glottertal), Robert Vogt (Durbach) und als bestplatzierte Frau Sigrid Neininger (Brigachtal).

Bleiben die Antworten auf all die offenen Fragen – ohne Gewähr, da bei diesen Maßen noch keine Euro-Norm für Ordnung in der regionalen Vielfalt sorgte. Die Elle ist in Freiburg 60 cm lang, ein Sester umfasste in Baden fünfzehn Liter, eine Stütze zehn Liter, die Guttere, eine Korbflasche, und den Schlegel, ein flaschenähnliches Glasgefäß, gibt es in unterschiedlichen Größen.