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25. Mai 2010
Es steht eine Mühle im Pechofental
Werner Schillinger weiß viel darüber zu erzählen / Bei herrlichem Wetter war die Mühle ein beliebtes Ausflugsziel über Pfingsten.
FREIAMT. Die wunderschön gelegene Schillingerhofmühle war am Pfingstwochenende wieder einmal Anziehungspunkt für Hunderte von Besuchern. Es hat sich längst herumgesprochen, dass die zweigeschossige Mühle nicht nur eine bauliche Seltenheit darstellt, sondern auch mit zu den schönsten Mühlen in der Mühlenlandschaft des Schwarzwaldes zählt, allein schon durch ihre romantische Lage direkt am Pechofenbach, im Pechofental.
Das Herz der ganzen Familie Schillinger hängt an diesem Kleinod. "Wir haben längst den langen, steinigen Weg der Renovierung vergessen, die im Jahre 1992 begann. Denn 1963 hat ein Unwetter den Spannteich und den Zulaufkanal der bis dahin noch voll funktionsfähigen Mühle zerstört", erzählt Werner Schillinger etwas wehmütig. Der kleine Pechofenbach schwoll zu einem reißenden Fluss an und nahm alles mit, was ihm im Weg stand. Werner Schillinger war damals elf Jahre alt; schon damals hing sein Herz an dieser Mühle. Er erinnert sich noch an die verschiedenen Funktionen der Mühle, die auch als Leibgeding (Altenwohnteil), Fruchtspeicher, Stampfe und Kellerraum diente.Werbung
Erbaut wurde sie 1879. Bis 1951 hat im oberen Stockwerk noch Werner Schillingers Urgroßvater gewohnt. Vor dem großen Unwetter lief die Mühle alle 14 Tage, dabei diente der Weiher, der oberhalb des Hofgebäudes lag, als Wasservorrat. Er reichte für knapp zwei Stunden; war das Wasser aufgebraucht, bevor die Arbeit zu Ende war, dann musste das Kind Werner Schillinger zum oberhalb wohnenden Nachbarn auf den Berg laufen und ihn bitten, "er solle den Weiher laufen lassen, dass die Mühle wieder Wasser bekomme". Da der Nachbar keine Mühle betrieb, konnte er das Wasser ohne Einschränkung in den Weiher des Schillingerhofs ablaufen lassen. "Wir mussten damals hart arbeiten, "wir haben viel gelupft und uns geschunden, bis die Fruchtsäcke in die Mühle hinunter geschafft und später die Mehlsäcke wieder zum Hof zurückgetragen waren", erzählt Werner Schillinger. "Wahrscheinlich ist unserer Familie deshalb die Mühle so ans Herz gewachsen, selbst als sie über 30 Jahre still stand, war uns das alte Fachwerkgebäude nie ganz egal".
Einmal, so erzählt Schillinger, war er richtig stolz auf die Mühle, er war gerade acht Jahre alt und ging in die zweite Klasse der Schule in Keppenbach, der Klassenausflug führte in die Schillingerhofmühle: "Damals fühlte ich mich als der Größte, denn meine Mitschüler beneideten mich und sahen mich plötzlich mit ganz anderen Augen".
Noch heute sind beim alle zwei Jahre stattfindenden Mühlenfest die ganze Familie und die große Verwandtschaft dabei. Das fängt an bei der Großmutter Irmgard, die Ehefrau Ruth des Mühlenbetreibers und den sechs erwachsenen Kindern. Der älteste Sohn organisiert das Mühlenfest. Das Mühlenfest wird von der Verwandtschaft, rund 25 Personen, ausgerichtet. Um die vielen Besucher mit Freiämter Köstlichkeiten zu bewirten, arbeiten die Helfer in zwei Schichten, denn die Gäste bringen vom langen Wanderweg und den vielen Erklärungen Durst und Appetit mit. Werner Schillinger und Mühlenbauer Franz Armbruster werden nicht müde, immer wieder spannende Geschichten von der Mühle zu erzählen und die Menschen zu begeistern.
In den Leibgedingräumen war der Heimatverein mit Brauchtumsdarbietungen vertreten. Still arbeitet der Besenbinder in seinen Kämmerlein, im anderen Raum sitzen Frauen und spinnen Wolle, stricken und häkeln; dort geht es etwas lauter zu, denn es wird viel erzählt über die gute alte Zeit, die ohne große Hektik ablief.
Die Mühlentage sind arbeitsreich, aber auch spannend. "Es hat sich gelohnt", sagt Schillinger; gerade in der heutigen Zeit interessierten sich die Menschen immer mehr für das alte Brauchtum und darüber haben sie wieder eine ganze Menge gelernt.
Autor: Pia Grättinger
