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18. Mai 2010 12:30 Uhr
Online-Bestellung und Bringdienst
Freiamt bringt’s: Modellprojekt soll Geschäften helfen
Frische Brezeln frei Haus: Mir einem neuen Online-Lieferservice will die Gemeinde Freiamt die kleinen Geschäfte in ihrem Existenzkampf unterstützen. Das Modellprojekt wird mit EU-Geldern gefördert.
Freiamt ist wie geschaffen für so ein Projekt: In der flächenmäßig größten Gemeinde Baden-Württemberg sind die 4300 Einwohner auf stolze 62 Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuser auf den Schwarzwälder Höhenzügen im Landkreis Emmendingen verteilt. Die Wege sind also weit – viel weiter als anderswo auf dem Land.
Seit Montagabend können die Bürger auf der Internetseite Freiamt bringt’s die Brezeln bei ihren Lieblingsbäcker oder die herzhafte Wurst bei ihren Metzger einkaufen. Das hilft allen: Die Einzelhändler können einen Erfolg versprechenden Vertriebsweg aufbauen und die Freiämter erhalten ihre Waren ins Haus geliefert.
"Freiamt bringt’s" ist eine Initiative des europäischen Projekts Access, das die Grundversorgung im ländlichen Raum verbessern will. Die EU trägt 76 Prozent der Kosten, das sind 350.000 Euro.
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15 Händler aus Freiamt sind beim Online-Shop dabei, der nur von Freiämtern für Freiämter gedacht ist. Die bestellten Waren werden dienstags und freitags, für 4,50 Euro pro Transport, vom Pflegedienst Friedrich Moser nach Hause geliefert.
Der Einkauf bei "Freiamt bringt’s" funktioniert auch ohne Internet, gerade für ältere Menschen. Im Mitteilungsblatt der Schwarzwaldgemeinde liegen Einkaufszettel, die per Post oder Fax geschickt werden können. Auch telefonische Bestellungen sind möglich.
"Die Europäische Union will den Trend stoppen, dass immer mehr Lebensmittelhändler im ländlichen Raum schließen. Mit dem Interreg-Projekt Access wollen wir die Grundversorgung im ländlichen Raum verbessern," sagte Direktor Dieter Karlin von Regionalverband. Durch den demografischen Wandel werde es immer mehr Seniorenhaushalte geben, die auf wohnortnahe Versorgungsmöglichkeiten und Lieferdienste angewiesen seien. "Wir müssen den Menschen den Alltag erleichtern und Händlern vor Ort eine Perspektive geben. Mit der Initiative "Freiamt bringt’s" haben wir diese Kriterien bestens erfüllt", so Karlin weiter.
Auch Professorin Gabi Troeger-Weiß von der Universität Kaiserslautern wird das Projekt noch ein Jahr begleiten. Danach werden die Akteure vor Ort selbst verantwortlich sein: "Wir haben deshalb in den eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit Strukturen geschaffen, die sich ohne uns auch weiterentwickeln und eine wirtschaftliche Tragfähigkeit erwarten lassen."
Dass gerade Freiamt als Modellgemeinde ausgewählt wurde, kommt nicht von ungefähr. Die Gemeinde im Landkreis Emmendingen war bereits zuvor an einen EU-Projekt beteiligt. Der gute Zusammenhalt untereinander prädestiniere die Gemeinde geradezu für dieses Projekt, so die Partner, die zuversichtlich sind, dass "Freiamt bringt’s" zum Vorbild werden könne für viele ländliche Gebiete in Europa.
Im Herbst werden acht Modellregionen aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien und Schweiz nach Freiamt kommen und sich über die Umsetzung der Pilotprojekte austauschen.
- Online-Shop: www.freiamt-bringts.de
- Kleines Wiesental: Der Dorfladen hat alle Erwartungen übertroffen
- St. Blasien: Menzenschwand hat wieder einen Laden
Autor: Pia Grättinger
