13. Teilemarkt des Racing-Teams Freiamts

Rekordandrang bei Ersatzteilen und alten Mopeds

derg

Von derg

So, 04. Oktober 2015 um 16:04 Uhr

Freiamt

Was es sonst nirgends mehr gibt, beim Oldtimer-Teilemarkt in Freiamt ist es zu haben: Ersatzteile für Autos und Motorräder, die längst nicht mehr hergestellt werden. Darüber hinaus ist der Markt ein Eldorado für Nostalgiefans.

Die Zahl 13 erwies sich beim Teilemarkt am Samstag für das MSRT Freiamt (Motorsport Racing-Team) als Glückszahl. Bei sommerlichen Temperaturen besuchten nach Aussage der Veranstalter zwischen 6000 und 8000 Oldtimer-Freunde diese Veranstaltung. "Das bedeutet mit 300 Anbietern und dieser Besucherzahl einen neuen Rekord", sagt MSRT -Vorsitzender Alfred Haas.

Bereits gegen 11 Uhr wurden die Parkplätze um das Sportgelände in Mußbach knapp. Dieses Problem hatte die Freiämter Feuerwehr perfekt im Griff. Für die Wehrleute war den ganzen Tag in Sachen Verkehrsregelung Alarm angesagt, so lebhaft war der Andrang mit Fahrzeugen aus ganz Süddeutschland.

Warum kommen so viele?

Was ist das Geheimnis für die magische Anziehungskraft dieser Veranstaltung? Vielleicht das bunte Treiben wie auf einem Viehmarkt vergangener Jahrhunderte. Zwischen chromblitzenden, aufgemotzten und restaurierten Mopeds und Motorrädern zogen Modelle aus den 1950er-Jahren die Blicke auf sich, bedeckt von einer dicken Staub- und Rostschicht. "Zu schade zum Ausschlachten, die möchte ich in diesem Zustand als Ausstellungsstück in meine Firma haben", verriet ein Autoteilehändler aus Gerlingen bei Stuttgart. Teilweise weite Anfahrtswege nahmen Anbieter und Interessenten in Kauf. Sie kamen aus ganz Süddeutschland und der nördlichen Schweiz, Österreich und aus dem Elsass.

Was ist besonders gefragt?

"Ich komme jedes Jahr hierher, um für meinen alten Fiat Topolino (zu Deutsch: Mäuschen) Ersatzteile bei Günter Riedel aus Bad Krozingen zu finden", erzählt Roland Amrein aus Rheinfelden. Für den Hobbyschrauber ist es inzwischen schwierig, für diesen knuddligen kleinen Fiat noch Ersatzteile zu finden.

Nicht alle suchten so gezielt nach Teilen. Freude an historischer Technik war mit ein Grund, über den Markt zu schlendern. Das herrliche Spätsommerwetter löste auch die Zungen der Markenexperten. Mancher Erfahrungsaustausch dauerte fast eine halbe Stunde, bevor der Kauf perfekt war. Per klassischem Handschlag wurden Lieferungen von Teilen vereinbart, die im heimischen Schopf oder Keller schlummern. Vermutlich sind es Platzgründe, weshalb Zweiräder so lange in Scheunen und Garagen ihr Dasein fristen, ohne auf dem Schrottplatz zu enden. Und plötzlich entdeckt der Besitzer seine Liebe zu alter Technik und schon ist die Liebe zum Basteln entflammt. Wie bei Bäckermeister Horst Gerber und Sohn Sven aus Freiamt. Sie boten Ersatzteile der Marke Citroen an und hatten jede Menge Ratschläge für die Eigenmontage zu erteilen.

Was wird noch alles geboten?

Die Auswahl beschränkte sich nicht auf spröde Technik, auch Motorradkleidung, Helme, Schmierstoffe und Poliermittel waren zu finden. Im Gegensatz zu früheren Jahren hielt sich das Angebot an Militaria in sehr engen Grenzen. Dafür waren Modellautos aller Maßstäbe und Fachliteratur üppiger denn je vertreten.

Über die Preislage waren sich die Käufer nicht einig. "Billiger als auf der Veterama in Mannheim ist es hier, aber teuerer als bei eBay", meinte Eugen Krauß aus Merdingen. Er hat ein Motorrad mit Dieselmotor aus indischer Produktion.

Stets dicht umlagert waren die Stände, bei denen Ersatzteile für alte VW Modelle angeboten wurden. Liebevoll wurde mancher Uralt-Bulli begutachtet, ja fast scon gestreichelt. Kunst und Technik verband Konrad Müller aus Freudenstadt. Der Zweiradmechaniker gestaltete eine vielbestaunte Maske aus Schraubmuttern.

Wie immer war MSRT-Oldtimer-Experte Frank Böcherer der Dreh- und Angelpunkt. Wo gibt es Lenkräder für den VV 1500-Variant aus den 1970er Jahren? Wo finde ich Bremsbeläge für mein altes Zündapp-Moped? Meist hat das lebende Lexikon Frank Böcherer eine Antwort parat.

Nach soviel Markt gab es im Zelt Gelegenheit, sich vom Trubel bei einem deftigen Vesper oder selbst gebackenen Torten zu erholen. "Unser rund 130-köpfiges MSRT-Gastro-Team ist einfach klasse", lobte Alfred Haas. Die Sanitäter vom DRK verbuchten einen verhältnismäßig ruhigen Feiertag.