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16. August 2009 17:40 Uhr
Radrennen
Freiburg krönt einen neuen Schauinslandkönig
Der neue ist auch der alte Sieger: Florian Link hat wie im Vorjahr auch die Krone des Schauinslandkönigs errungen. Der Student stellte dabei einen neuen Streckenrekord auf. Bei dem beliebten Jedermannrennen bezwangen 950 Teilnehmer Freiburgs Hausberg.
Der Schauinslandkönig, das Einzelzeitfahren auf den Hausberg, hat sich im Kalender der Sportwettbewerbe etabliert. 950 Kinder, Frauen und Männer bewältigten mit Einrädern, Rennrädern, Tandems, im Anhänger und auf Inlineskates 770 Höhenmeter (zur Fotogalerie). Dabei machten sie ausnahmslos glückliche Gesichter. "Der Schauinslandkönig ist eine wunderbare Veranstaltung", sagte Wolfgang Wagner, der Leiter der Schauinslandbahn. "Sie passt genau in unser Bergweltkonzept."
Wagner, der Ende des Monats pensioniert wird, freute sich am Sonntag "über einen der umsatzstärksten Tage" für seine Bahn. Drei Jahrzehnte lang setzte er sich für umweltfreundliche Mobilität am Schauinsland ein. Dass nun schon zum dritten Mal ein Radrennen für Jedermann auf der Passstraße stattfinden konnte, empfindet er als "absolute Bereicherung".
Dass Berthold Steiber, der Betreiber des Schauinsland-Bergwerks, als praktisch Einziger auch in diesem Jahr quer schoss und den Schauinslandkönig kritisierte, weil ihm am Tag des Rennens angeblich der Umsatz wegbricht, kann Wagner nicht nachvollziehen. Die 950 Teilnehmer am Sonntag auch nicht. "Niemand hier hat Verständnis für diese Stänkereien", sagte Michel Endreß. "Da fällt mir nichts mehr ein", erklärte Marcus Wild, ehemaliger Triathlet und Sprecher im Zielbereich.
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"Vielleicht sollte Herr Steiber einmal darauf hinwirken, dass einige seiner Bergwerksbesucher künftig ebenfalls mit dem Fahrrad anreisen", fand Edith Sitzmann, Landtagsabgeordnete der Grünen. Sitzmann gelang es mit ihrem Trekkingrad, die 11,5 Kilometer und 800 Höhenmeter in 1:18,51 Stunden zu bewältigen: "Fünf Minuten schneller als im Vorjahr – ich bin super glücklich." Florian Link, Freiburger Student und Vorjahressieger, entschied erneut die Gesamtwertung für sich. Er benötigte phänomenale 29 Minuten und 4 Sekunden. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 24 Stundenkilometern und bedeutet neuen Streckenrekord. 2008 war er genau 10 Sekunden länger unterwegs gewesen.
Überhaupt starteten diesmal weitaus mehr ambitionierte Sportler als in den beiden Vorjahren. Erstmals wurde im Rahmen des Rennens die deutsche Studentenmeisterschaft im Bergzeitfahren ausgetragen. Rund 60 Teilnehmer gingen an den Start: "Für den Anfang ein gutes Ergebnis", sagte Alexander Lang, Triathlet und Organisator des Jedermannrennens.
Mehr Männer als Frauen unter den Teilnehmern
Von den 950 Startern waren 833 männlich – eine bei Ausdauerwettkämpfen mit Zeitmessung durchaus übliche Geschlechterverteilung. Als schnellste Frau erreichte am Sonntag die Freiburger Studentin Simone Schwarz in 37 Minuten und 30 Sekunden die Passhöhe. Jürgen Kallfass, ein unterschenkelamputierter Radrennfahrer aus dem schweizerischen Aarau, entschied in 0:44,15 die Handicapwertung für sich. "Flache Rennen liegen mir nicht so", sagte Kallfass, der auch schon an Europacup-Wettbewerben teilnahm: "Der Schauinslandkönig ist genau das Richtige für mich. Wunderbar."
Jens Kohler vom Speedteam der Freiburger Turnerschaft skatete als Erster auf Inlinern in 0:52,46 ins Ziel. Obwohl sportliche Radrennfahrer das Rennen klar dominierten, starteten auch einige, die sich viel Zeit nahmen. "Sagen wir mal so: Für mich ist das Raufkommen das Wichtigste", erklärte Wolfgang Günter, 68. Er verzichtete auf eine Zeitmessung.
Party bis in den Abend hinein
An die 1000 Menschen, auch viele Touristen, feierten nach dem Rennen auf der Passhöhe noch bis in den Abend hinein und genossen die kühle Luft hoch über der schwülheißen Rheinebene. "Jeder, der es bis nach oben schafft, ist ein kleiner König", sagte Ulrike Wagner. "Der Tag des Schauinslandkönigs ist der vielleicht umweltfreundlichste des ganzen Jahres hier am Berg", fand Startsprecher Bastian Oliver König.
Mehrere Dutzend Fahrer radelten diesmal im Dienste der Wissenschaft. Das renommierte Freiburger Radlabor beim Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität sammelte Daten und maß Laktatwerte, "mit deren Hilfe wir am Ende in einer Studie prognostizieren wollen, wie viel Zeit ein Mensch voraussichtlich bei einem Bergzeitfahren benötigen wird", erklärte Radlabor-Mitarbeiter Malte Wangerin.
- Fotostrecke: Die Krönung des Schauinslandkönigs
Autor: Andreas Strepenick
