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28. März 2010 20:38 Uhr
Serem Philemon Kipketer
Freiburg-Marathon: Sieger aus dem Flieger
Als Letzter hat sich Serem Philemon Kipketer für den Freiburg-Marathon angemeldet. Ein paar Stunden später ging der Profi aus Kenia als Erster durchs Ziel. Die Geschichte eines Siegers, der aus dem Flieger kam.
1634 Läuferinnen und Läufer haben sich für die 42,195 Kilometer angemeldet, Serem Philemon Kipketer (35) war einer der Letzten am frühen Sonntagmorgen. Ganz überraschend. Kaum fällt der Startschuss, wird klar, dass der Kenianer nur den mitunter heftigen, böigen Gegenwind als Gegner hat, er baut seinen Vorsprung schnell aus. Kipketer wird später sagen, dass er in den 2:25:17 Stunden an gar nichts gedacht hat. Nicht an Wind und Wetter, nicht an seine drei Kinder, nicht an seine kenianische Heimatstadt Kapsabet, die er selbst nicht buchstabieren kann, nicht an die – in ihrer Höhe geheime – Siegprämie, die ihm die Laufschuhfirma Etonic mit Deutschlandzentrale in Kirchzarten für seinen Streckenrekord zahlt, nicht an seine Läufer-Wohngemeinschaft in der Nähe von Turin, wo er jedes Jahr drei Monate lebt und von wo der Profiläufer zu Rennen in Europa ein- und wieder ausgeflogen wird.
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Nils Schallner war gar nicht so überrascht, als er Kipketer am Sonntag beim Start erspähte. "Ich hatte am Samstag schon einen kleinen Tipp bekommen, man hat ja so seine Kanäle", sagt der Freiburger Anästhesist, der für viele als Favorit ins Rennen gegangen war. Schallner wusste vom Gardasee-Marathon 2008, den der Kenianer in 2:25:56 gewonnen hat, vor allem wusste er aber von Kipketers Bestzeit (2:13:36) und deswegen stand für ihn fest: "Ich geh da nicht mit." Während der Mann vor ihm den Streckenrekord des Gailingers Gerhard Schneble (2:27,21 Stunden) brach, zog Schallner von Beginn an sein Tempo durch, weswegen der Kenianer bald nicht mehr als ein kleiner Punkt am Ende der Berliner Allee für ihn war. "Das war schon hart, aber dass der Rückstand auf ihn am Ende nicht größer, sondern eher kleiner wurde, hat mich unheimlich gepusht", meinte Schallner vom PTSV Jahn Freiburg nach 2:27:24 im Ziel strahlend.
Gut gegen Südwestwind ist es, wenn man ihm nicht wie Kipketer und Schallner jeweils alleine entgegenrennen muss. Das dachte sich die Verfolgergruppe um den Freiburger Lehrer Max Frei, mehrfacher Gewinner aus den Vorjahren über beide Distanzen. Die sechs Männer blieben sich lange treu, wechselten sich mit der anstrengenden Führungsarbeit ab, tauschten Getränke aus und gelegentlich auch mal ein paar Worte. "Das war ein Taktieren ohne Ende", verriet am Ende der Schwabe Peter Keinath grinsend, dem es dann Mitte der zweiten Runde ein bisschen zu bunt wurde. Mit seinem Teamkollegen habe er "eine Weile rumdiskutiert", dann hätten sie die Gruppe gesprengt. Anders ausgedrückt: Sie sind auf und davon. Max Frei war das zu dem Zeitpunkt schon relativ egal. Der Freiburger ging mit Trainingsrückstand kurzfristig an den Start, hatte nach eigenen Angaben keine Zeit im Kopf und versuchte, seine siebte Teilnahme ("darauf bin ich ein bisschen stolz") zu genießen. Kleiner Wermutstropfen war – lange bevor es zum Beginn des Halbmarathons zu regnen begann – aus seiner Sicht, dass durch die rückläufige Zahl der Marathonteilnehmer und die beiden zeitlich auseinander gezogenen Starts – 11.20 Uhr und 14 Uhr – viele Zuschauer erst gegen später an die Strecke kämen. "Immer mal wieder sieht man dann einen einsamen Marathonläufer, das hat schon ein bisschen was Trostloses."
Veranstalter Gernot Weigl winkt beim Thema Zusammenlegung der beiden Starts jedoch freundlich, aber bestimmt ab. "Das können wir nicht mehr machen", sagt er und ist überzeugt, dass die Entzerrung der Rennen für die ganze Stadt besser sei. Zur Tatsache, dass beim Freiburg-Marathon immer weniger Läufer zwei Runden drehen, sagt er: "Die unglaubliche Euphorie der ersten Jahre ist vorbei." Angesichts der großen Resonanz auf den Schülerlauf mit mehr als 2000 Teilnehmern ist er aber optimistisch, dass sich das wieder ändert und freut sich bis dahin darüber, dass sich insgesamt 10 683 Läufer angemeldet haben (im Vorjahr waren es 11 019). Und das, obwohl die Sonne nur beim Start der 17 Handbiker durch die Wolkendecke blinzelte. Beim Sieg von Torben Bröer und der einzigen Frau unter den Handbikern, der Schweizerin Theres Huser, war für Fönfrisuren bei den laut Veranstalter insgesamt 50 000 Zuschauern schon wieder ordentlich Dreiwettertaft vonnöten.
Nicht für Sonja von Opel. Mit zusammengebundenen Haaren und einem befreiten Lächeln fiel die Münchnerin nach 2:53:33 Stunden als schnellste Frau Gernot Weigl um den Hals. Die Urenkelin des Gründers von Automobilhersteller Opel war hin und weg von der Atmosphäre: "Ich habe es sehr genossen." Dem konnte sich die Zweite und Vorjahressiegerin Annette Götz nur anschließen: "Am besten war’s in Herdern, wo ich her komme." Dritte wurde Gabriele Rybak aus Winnenden, die sich zwar ihre angepeilten Zwischenzeiten aufs Handgelenk geschrieben hatte und dennoch Regel Nummer eins im Marathonlauf ignorierte: Du sollst nicht so schnell loslaufen – es sei denn, du heißt Serem Philemon Kipketer und rennst eh allen davon.
- Fotos: Start Halb-Marathon
Autor: Martina Philipp
