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25. November 2011

Beherzte Bürger helfen sich selbst

Anlieger der "Oberen Altstadt" spendieren dem Torhaus vor seinem letzten Winter ungefragt einen neuen Anstrich.

  1. In einer Nachmittagsaktion haben Anlieger die Fassade des Torhauses neben dem Augustinermuseum gestrichen. Foto: privat

  2. Zuvor gab’s am Gebäude reichlich Graffiti. Foto: Archivbild: Ingo Schneider

INNENSTADT. Freche Farbe statt störender Sprühkunst: Das städtische Torhaus am Augustinermuseum hat einen neuen Anstrich bekommen – zumindest zum Teil. Einige Anlieger haben das Abrissobjekt kurzerhand bis auf drei Meter Höhe frisch eingefärbt. Die Stadtverwaltung war im Vorfeld weder gefragt noch informiert worden, nimmt das autonome bürgerschaftliche Engagement aber relativ gelassen.

Ganz kurzfristig nahmen Anlieger aus der oberen Altstadt am vergangenen Samstag Walzen und Pinsel in die Hände, um ihren Stadtteil noch vor dem Beginn des Advents eines besonders lästigen Übels zu entledigen: der Graffiti am Torhaus neben dem Augustinermuseum. "Vor Weihnachten guckt eben jeder, dass es schön aussieht", erklärt Rolf Bauer, Vorsitzender der "Zierkommission Oberlinden seit 1829". Er fügt hinzu: "Aber dann steht da dieses verschmierte Torhaus, das schon seit Jahren stört."

Schnell war ein Team von neun Leuten zusammengestellt – darunter auch einige um Oberlinden ansässige Geschäftsleute. Um 15 Uhr ging’s los, drei Stunden später war alle Arbeit getan. "Jetzt sieht es wieder einigermaßen ordentlich aus", zeigt sich Bauer zufrieden.

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Nicht begeistert vom Handeln der Anlieger ist die Stadtverwaltung, die im Vorfeld keinerlei Kenntnis von der Aktion hatte. "Hierzu ist uns kein Vorgang aktenkundig", informierte gestern Willi Loba, der im Baurechtsamt für Denkmalschutz zuständig ist. Das Geschehen werde zur Kenntnis genommen, aber es werde "voraussichtlich nichts unternommen", ergänzte Öffentlichkeitsreferentin Eva Amann: "Die feine Art war es allerdings nicht." Da das Gebäude im Frühjahr ohnehin abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werde, lohne es sich nicht, zu streiten. Dennoch hätten die eigenmächtigen Akteure Glück gehabt, "denn wären denkmalgeschützte Bauteile gestrichen worden, hätten sich eventuell Probleme ergeben".

"Hilf dir selbst!" war offenbar das Motto der Handelnden. Denn einige Wochen vorher hatten sie eine Anfrage ans städtische Gebäudemanagement gestellt, ob die Stadt sich um die Wand kümmern könne. "Diese wurde abgewiesen", sagt Amann, die sogleich begründet: "Da der Abriss feststeht, sollten nicht unnötig Steuergelder verschwendet werden." Davon, dass die Anlieger stattdessen selbst Walzen und Pinsel in die Hände nehmen würden, sei jedoch keine Rede gewesen.

Gründe für die Aufbesserung gebe es allemal, sagt Bauer: "So etwas macht man für die Kunden der Läden und die Besucher, die nach Freiburg kommen. Dabei ging es nicht darum, dass es perfekt wird, sondern nur darum, die Graffiti zu entfernen." Besonders hoch sei der finanzielle Aufwand nicht gewesen. Verbraucht worden seien lediglich ein paar Eimer Farbe – die eben privat finanziert worden seien.

Autor: Philipp Wissmann