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04. September 2009
Kunst aus Kiesel, Kupfer, Kirschholz
Zum 29. Mal zeigt der Kunstmarkt "Kunst in der Oberen Altstadt" Geschmeide und Gefäße, Bilder und Besonderes – auch bei Regen
Mit einer kleinen blauen Maus am langen Faden spielt Bürgermeister Ulrich von Kirchbach den Passanten was vor. Die Maus hat einen Ökoantrieb, sprich: Federwinde. Und sie ist frisch erworben auf dem Kunstmarkt Obere Altstadt. Der findet in diesem Jahr zum 29. Mal statt, Schirmherr von Kirchbach eröffnet ihn am Brunnen von Oberlinden – und könnte bald darauf schon einen echten Schirm brauchen: Das Wetter will ganz zu Anfang nicht mitspielen, schlimmer noch als das zeitweise Regengetröpfel ist für viele der Aussteller der Wind, der in wilden Böen angerauscht kommt.
Irmgard Bausch, die oberhalb vom Augustinerplatz ihre Raku-Gefäße und zarten Skulpturen aufgestellt hat, dekoriert kurzerhand um: Alles muss liegen, sonst fegt’s der Wind um. "Das ist zwar nicht so schön", findet die ehemalige Juristin, "aber gleich zu Anfang Scherben – das bringt ja auch nichts." Gegenüber muss sich Jürgen Wolf um seine Kunstobjekte weniger sorgen: Stahlblech und Stein trotzen dem Wetter locker, der Stand ist stabil. Seit sechs Jahren kommt der Hofer Künstler hierher – und einzig die Unbillen von nächtlicher Zerstörung haben ihm bislang zu schaffen gemacht. Dennoch ist Jürgen Wolf, gelernter Schaufensterdekorateur und Bauzeichner, so begeistert vom Freiburger Kunstmarkt, dass er ihn nicht missen möchte – und wiederkam: "Das Publikum ist wunderbar vielfältig, Einheimische und Touristen, und alle sind sehr interessiert und aufgeschlossen!"Werbung
Und tatsächlich macht Maike Senft einen regelrecht sachkundigen Marktbummel mit ihren Töchtern. Die drei Kölnerinnen sind auf der Suche nach schönem Schmuck – und finden alles vom aufgefädelten Kiesel bis zum zierlich gefassten Brillianten, zierlich oder zünftig: "Wer hier auf die Suche geht, kommt ganz schön in Versuchung!" Und zieht schließlich mit einem glitzernden Ring ab – wie Johanna Senft. Für das rot-pinkfarbene Geschmeide hat die Elfjährige mit 15 Euro immerhin ihr halbes Urlaubsgeld hergegeben.
Am Stand der Freiburger Hutmacherin Ursula Ohse stapeln sich Kopfbedeckungen in allen Farben und Formen. "Ich hab überhaupt kein Hutgesicht", wehrt Uta Lemgo ab, als ihr Begleiter sie zum Probieren überreden will. Hutgesicht? Nur den passenden muss man rausfischen, findet Claudio Moreno und testet unter Beifall ein paar schicke Damenhüte.
Zwischen Herrenstraße und Adelhauserplatz, Schusterstraße und Salzstraße ist heute und am morgigen Samstag Kunst in allen Variationen zu haben: Kunst aus Keramik, Kupfer, Kirschholz. Kunst aus Filz und Farbe. Die meisten, die hier ausstellen, leben von dem, was sie auf solchen Märkten und auf Ausstellungen einspielen. So auch Elisa Vergez, die mit ihren originellen Holzskulpturen an der Salzstraße ihren weithin sichtbaren Stand bestückt hat. Seit zwanzig Jahren kommt sie auf den Kunstmarkt – einst mit Puppen, seit langem aber schon mit ihren typischen Figuren. Vor zwei Jahren war sie im Senegal – Figuren und Farben sprechen von der Begeisterung, die sie dort packte – und von der Begabung, die auch ansehnlich umzusetzen. Gelegenheit, zu flanieren und zu probieren gibt’s noch bis Samstag, 16 Uhr in der oberen Altstadt.
Autor: Julia Littmann


