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24. Dezember 2011

Überlebenshilfe gegen die Kälte

Die CDU Freiburg verteilt seit elf Jahren Schlafsäcke an Obdachlose im Ferdinand-Weiß-Haus und an andere Einrichtungen.

  1. Ins Ferdinand-Weiß-Haus brachten unter anderem CDU-Kreisvorsitzender Klaus Schüle (links), der Stühlinger Ortsverbandsvorsitzende Sebastian Coker (rechts) und Stadträtin Ellen Breckwoldt Schlafsäcke für Obdachlose (Dritter von links: Sozialpädagoge Klaus Fournell). Foto: Ingo Schneider

STÜHLINGER. Die Winterzeit ist für Wohnungslose ohne Frage die bitterste des Jahres. Es vergeht kein Jahr, in dem nicht Menschen, die in Deutschland auf der Straße leben, erfrieren. Oft fehlt es ihnen schlicht an warmer Kleidung und Decken. Die CDU Freiburg verteilte nun wieder rund 30 Bundeswehr-Schlafsäcke an das Ferdinand-Weiß-Haus der Diakonie, die "Pflasterstub’" des Caritasverbandes und die Kleiderkammer, um die ärgste Not zu lindern.

"Einen Schlafsack, bitte!", bestellt Freddy, der das ganze Jahr über auf der Straße lebt, als der CDU-Kreisvorsitzende Klaus Schüle mit seinen Kollegen und zahlreichen Schlafsäcken unterm Arm das Ferdinand-Weiß-Haus betritt. Freddy – der nur mit Vornamen genannt werden möchte – sagt, dass sein bisheriger Schlafsack jetzt im Dezember definitiv zu dünn sei, er brauche dringend einen neuen. Deshalb ist er in die Tagesstätte für Wohnungslose im Stühlinger gekommen, und kann es kaum erwarten, einen der fünfzehn Schlafsäcke zu ergattern.

Damit es unter den Obdachlosen keinen Zoff gibt und am Ende kein Bedürftiger ohne Schlafsack dasteht, hat Klaus Fournell Regeln für die Verteilung aufgestellt, die dann später nach und nach erfolgt. Der Leiter des Ferdinand-Weiß-Hauses vergibt sie nur an Leute, die jede Nacht auf der Straße schlafen und nicht etwa an jene, die in Notunterkünften unterkommen. Außerdem müssen sie selbst vorbeikommen, um sich einen abzuholen. "Das sind buchstäblich Überlebenshilfen, die die Kälte bei Minusgraden abhalten", erklärt der Sozialpädagoge den tatsächlichen Wert der Schlafsäcke, der über den materiellen deutlich hinausgeht. Sie kommen aus einem Freiburger Depot der Bundeswehr, das ausrangierte Kleidung und eben auch von Soldaten gebrauchte Schlafsäcke lagert, um sie dann für gute Zwecke weiterzugeben.

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Nach einer Anfrage von Seiten der CDU an das Bundesverteidigungsministerium in Berlin kam der Bescheid, dass im Depot wieder Schlafsäcke abgeholt werden können – mittlerweile im elften Jahr. "Die sind gereinigt und in einem guten Zustand", versichert Klaus Schüle, für den die jährliche Aktion "eine Herzensangelegenheit" ist.

Auch seine CDU-Kollegin Ellen Breckwoldt sieht im Schlafsackverteilen eine Pflichtaufgabe: "Das müssen wir einfach machen." Sie sieht sich persönlich in der Verantwortung: "Ich bekomme immer die Krise wenn ich vor allem im Winter junge Obdachlose auf der Straße sehe." Obdachlose gehörten zur Gesellschaft genauso dazu wie andere und hätten Hilfe verdient, finden die CDU-Politiker übereinstimmend.

Über die Zahl der seit Beginn der Aktion verteilten Schlafsäcke hat die CDU nicht Buch geführt, mehrere hundert waren es aber auf jeden Fall.

"Jetzt wo es wieder kälter wird, ist man echt froh, wenn man einen Schlafsack hat", sagt Eberhard Bührer. Der 54-Jährige spricht aus eigener Erfahrung. Er hat jahrelang auf der Straße gelebt. Heute wohnt er in einer WG und bekommt eine Erwerbsminderungsrente. Er spricht über die wachsende Armut und warnt die Menschen, die aus Osteuropa kommen, um in Deutschland ihr Glück zu finden: "Hier ist auch kein goldener Westen mehr", sagt er resigniert. Wenn man einmal länger auf der Straße gelebt habe wie er, sehe man viel mehr. Er findet es "à la bonne heure" (ausgezeichnet), dass es Menschen gebe, die auch an die Obdachlosen denken und ihnen helfen.

Autor: Fabian Vögtle