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02. September 2009
Viel Geld für die Orgel
Gottfried Beck hat 10 000 Euro fürs Augustinermuseum gesammelt und am Klavier erspielt
Sein Enkel Konrad hat das poetischste Bild für den vermutlich prominentesten Freiburger Pianisten gefunden. Konrad nämlich sagt über seinen Großvater Gottfried Beck: "Opa singt mit den Händen." Das tut er auf seinem weißen Klavier schwungvoll und wohltönend mit Vorliebe vor dem hauseigenen Familienbetrieb Bettenhaus Stiegeler am Augustinerplatz. Und er tut es nicht ausschließlich nur zu seinem Vergnügen und dem der Zuhörer, sondern immer auch für einen guten Zweck.
Vor einigen Jahren ist Gottfried Beck auf die Idee gekommen, die von seinen Melodien beglückten Passanten mit einem nachdrücklich hingerückten Körbchen um einen Obulus zu bitten. Mal wurde damit die Kükenausstellung im benachbarten Museum unterstützt, mal die Sanierung des Spielplatzes am Augustinerplatz. Am heutigen Tage nun überreicht er sage und schreibe 10000 Euro für die Restaurierung der Orgel im Augustinermuseum an Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und an Christian Hodeige, den Vorsitzenden des Kuratoriums Augustinermuseum. Diese stolze Summe hat Gottfried Beck nicht etwa komplett erspielt: Zu großen Teilen verdankt sich die Spende dem, was er zu seinem 75. Geburtstag statt Geschenken als Beitrag zu diesem Vorhaben erbeten hatte. Und doch sorgt der regelmäßige Einsatz des Manns am Klavier zwar nur für die kleineren Beiträge, jedoch zugleich auch für beachtliche Popularität des Projekts. "Die Menschen interessieren sich", sagt Gottfried Beck – und so gibt er denn nicht nur Musicalmelodien, sondern auch Museumswissen weiter. Anneliese Schelling, 79, legt prompt einen Zwischenstopp ein, als sie auf ihrem Drahtesel vorbeirollt: "Was für eine wunderbare Idee für die Orgel!" Sie ist eine Bekannte "aus Vorzeiten" – und genießt, dass es hier am "August" auch in der viel zu langen "kulturellen Freiburger Sommerpause" so himmlisch schön tönt.Werbung
Ähnlich kommt der Melodienmix von Beatle-Hits bis Boogie, "Tea for two" bis "As time goes by" auch bei Lara und Anna an. Die anderthalbjährigen Zwillinge wiegen ihre hellblonden Lockenköpfe in jedem Rhythmus pfiffig mit. Und auch Erika und Enno Fischell bleiben strahlend stehen, als "Der dritte Mann" erklingt: Das Neußer Ehepaar posiert für ein Foto, macht sich kundig über die Orgelrestaurierung, packt einen Batzen in den kleinen Korb – und tänzelt vergnügt weiter.
Etwa drei Stunden könnte er mühelos einfach so "runterspielen", sagt Gottfried Beck – ohne Noten, versteht sich, denn "die blost’s hier bloß weg". Weg zieht’s sonst keinen von dem magischen Musiker, der um sein Instrument oft ein irrwitziges Sammelsurium höchst unterschiedlicher Menschen versammelt. Auf Rädern und Rollen, mit Plateauschuhen und Piercings, – und aus aller Herren Länder. Und so ist denn auch im Gästebuch eines vielsprachig nachzulesen: "Merci beaucoup, thank you so much, gracias, grazie, von Herzen Dank – und vergelt’s Gott."
Autor: Julia Littmann
