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23. März 2013

Kindertagespflege "Kasa Kläx": Ein stressiger Job mit Spaßfaktor

Verena Kiefer und ihr Lebensgefährte Ricardo Schweikart haben sich als Tageseltern mit ihrer "Kasa Kläx" selbstständig gemacht.

  1. Fühlen sich wohl mit ihrer Rasselbande in der „Kasa Kläx“: Ricardo Schweikart und Verena Kiefer. Foto: Bamberger

WIEHRE. Wo früher die "Freiburger Tafel" ihren Laden mit preiswerten Lebensmitteln für Bedürftige hatte, wird seit Juni vergangenen Jahres eine besondere Art von Dienstleistung angeboten: Verena Kiefer und ihr Lebensgefährte Ricardo Schweikart nehmen Kleinkinder in Tagespflege auf. "Kasa Kläx" haben sie ihr Unternehmen in der Schwarzwaldstraße 16 genannt und der nüchternen Umgebung damit einen toskanischen Touch verpasst.

"Endlich keine fünf Stockwerke mehr hoch", freut sich Verena Kiefer. Schon seit 2008 hatte die heute 43-jährige Hausfrau fünf fremde Kinder in ihrer eigenen Wohnung an der Günterstalstraße betreut. Das sei dem Vermieter zu viel geworden. Aufgeben wollte die verwitwete Mutter von fünf eigenen, teilweise schon erwachsenen Kindern, ihre Beschäftigung nicht. Sie beschloss, eigens dafür Räume anzumieten. Nach mehr als einem Jahr erfolgloser Suche stieß sie auf den zum Verkauf stehenden ehemaligen Tafelladen. Ideal im Erdgeschoss gelegen, mit einer Spielfläche draußen und genug Platz zum Spielen und Schlafen drinnen. Er erfüllte alle vom Amt für Kinder, Jugend und Familie und dem Freiburger Tagesmütterverein vorgegebenen Anforderungen für die "Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen" – wie das Amt es nennt, wenn Tagesmütter jenseits der eigenen Wohnung etwas anbieten, was wie eine Kinderkrippe aussieht, aber offiziell keine ist (siehe Text unten).

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Zuschuss zu Umbaukosten eher im symbolischen Bereich

Die vor Begeisterung sprudelnde dunkelhaarige Frau bewies unternehmerischen Mut: Sie handelte einen moderaten Kaufpreis und günstige Kredite aus und kaufte die 133 Quadratmeter großen Räume. Mit viel Eigenleistung und der Hilfe befreundeter Handwerker wurden sie renoviert. Stolz zeigt sie das selbst geflieste Bad und die Küche. 160 000 Euro habe sie samt Eigenkapital investiert. Für jeden der zwei zusätzlich geschaffenen Betreuungsplätze hat sie vom Regierungspräsidium 2000 Euro bekommen. Für neue Plätze in Kinderkrippen gemeinnütziger Träger gibt es ein Vielfaches an Zuschüssen.

Die Ausstattung wirkt professionell und liebevoll: Bobbycars, Montessori-Material, Hüpfmatten. Der dreijährige Justus mag gar nicht gehen, als seine Eltern ihn am späten Nachmittag abholen. Seit eineinhalb Jahren ist er ganztags bei seinen Tageseltern. Die eigenen Eltern sind beide berufstätig. "Die Chemie stimmte auf Anhieb", betont seine Mutter Julia Reuter. Mit seinem Papa und Ricardo steckt Justus die schwarzen Schienen der Eisenbahn zusammen. Tim und Jacques, beide zwei, schauen sich von ihm ab, wie es geht. Andere "planschen" derweil im riesigen Bällebad und juchzen vor Vergnügen. Verena Kiefer rückt mit einer Batterie von Teeflaschen an.

Betreuungszeiten von sieben bis 19 Uhr bietet die Kasa Kläx. Sie werden von sieben Kindern zwischen zehn Monaten und drei Jahren – darunter die eigene gemeinsame Tochter von Verena Kiefer und Ricardo Schweikart – unterschiedlich lang genutzt. Mehr als sieben Kinder dürfen die beiden nicht betreuen, auch wenn sie sich das locker zutrauen würden. "In Notfällen", erzählt die Tagesmutter, "hat auch schon mal ein Kind bei mir übernachten können."

Seit 2009 macht sie beruflich gemeinsame Sache mit ihrem Lebensgefährten. 15 Jahre lang hatte der 36-Jährige als Lackierer gearbeitet, bevor auch er den Qualifizierungskurs als Tagesvater absolvierte. Für die Kinder ist er der "Wickelkönig". Nur von ihm wollen einige sich die Windeln wechseln lassen.

Wenn die Kinder ihren Mittagsschlaf machen, nutzt Verena Kiefer die Zeit zum Kochen – alles frisch und mit hochwertigen biologischen Zutaten, wie sie versichert. Von den Eltern verlangt sie 20 Euro Essensgeld monatlich – was bei weitem nicht reiche. Die Windeln bringen die Eltern mit. Zum Großeinkauf nutzt das Paar den Samstag. Abends ist Großreinemachen angesagt. Und irgendwann muss auch noch Zeit für die Buchhaltung sein.

"Davon leben ist mühselig", bilanziert Verena Kiefer. Circa 6000 Euro brutto monatlich überweise das Jugendamt an das Tageseltern-Duo, bei einem Stundensatz von 5,50 Euro pro Kind. Die Eltern zahlen ihren Beitrag direkt ans Jugendamt. Rund 2600 Euro Fixkosten fallen an, etwa für die Finanzierung der Räumlichkeiten und Nebenkosten, an die 600 Euro für Lebensmittel, dazu die Sozialversicherungsbeiträge. Etwa 2000 Euro netto blieben den beiden – neben Verena Kiefers Witwenrente – nach Abzug aller Kosten. Dennoch könnten beide sich nichts anderes vorstellen. "Man muss Freude daran haben", sagt Verena Kiefer und lobt die Vorteile: "Kein Vorgesetzter, und man kann sein eigenes Kind bei sich haben."

Autor: Anita Rüffer