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24. Juli 2010

Neubau am historischen Ort

Die neue Anna-Kapelle wird morgen da eingeweiht, wo bis 1811 eine Sühnekapelle stand.

  1. Moderne Architektur am historischen Ort: die neue Anna-Kapelle (Rückansicht) an der Landesstraße 133 Richtung Stegen. Foto: Ingo Schneider

EBNET. Vieles ist unklar: Stimmen die Vermutungen, dass die Reue über einen lange zurückliegenden Mord im Jahr 1570 zur Errichtung der Anna-Kapelle am Ortsausgang von Ebnet führte? 1811 wurde sie auf jeden Fall abgerissen, lange erinnerte nur ein Kreuz an sie. Klar ist, dass der Bau neuer Kapellen aus der Mode gekommen ist. Das kümmert den Ebneter Pfarrer Franz Enz (79) und seinen Förderverein nicht, dessen stellvertretender Vorsitzender der Ebneter Schlossbesitzer Nikolaus von Gayling ist. Sie ließen eine neue Anna-Kapelle errichten, die morgen eingeweiht wird.

Was ist damals passiert? Wollte Anna Schnewlin von Landeck, die 1568 Friedrich von Sickingen heiratete, tatsächlich Sühne für ihren Vorfahren Johann Schnewlin leisten? Der soll zwei Jahrhunderte vorher, ungefähr im Jahr 1356, als Bürgermeister und reichster Bürger Freiburgs, eine Truppe mit dem Mord am Abt von St. Märgen beauftragt haben. An der Stelle, wo der Abt erschlagen wurde, der in Machtkämpfe mit dem Abt von St. Peter verstrickt war, soll die Kapelle entstanden sein. Nach dem Abriss sollen Monika Kotterer und David Strecker – die wahrscheinlich verheiratet, vielleicht aber auch Geschwister waren – im Jahr 1825 das bis heute erhaltene Kreuz zur Erinnerung an die Kapelle errichtet haben.

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Und vermutlich irgendwann zwischen 1860 und 1870 hat der Urgroßvater der Frau von Franz Reichenbach, der heute noch in Ebnet lebt, vier Linden um das Kreuz gepflanzt. Vier Linden stehen da auch heute – aber sind es dieselben? Nikolaus von Gayling, der am Mittwoch mit Franz Enz im Theodor-Egel-Saal über die alte und neue Kapelle informierte, glaubt, dass sie jünger sind. Fast völlig im Dunkeln bleibt bisher auch, wie die Kapelle aussah, die nach Anna, der Mutter von Jesus’ Mutter Maria, genannt wurde. Lediglich auf Franz-Bernhard Altenburgers Altarbild "Ebnet aus der Vogelschau" von 1730 ist sie von weitem zu sehen. Doch es lässt sich kaum mehr erkennen, als dass sie, genau wie Kirche und Schlosspark ins Auge fiel, also relativ groß war.

Die neue Kapelle versucht deshalb erst gar nicht, die alte zu imitieren. Ganz im Gegenteil ist sie sehr modern ausgefallen. Franz Enz hat seine Ideen mit dem Architekten Siegfried Stier umgesetzt, die drei nach oben weisenden hölzernen Segel als Turmspitze sind ihm besonders wichtig: ein Symbol für Transzendenz. Es gibt keine Tür, die Kapelle soll offen wirken. Der Holzkünstler Thomas Rees hat für den Innenraum eine Skulptur geschaffen – mit Jesus, Maria und deren Mutter Anna. Wie geht es nun weiter mit der neuen Anna-Kapelle? Franz Enz und Nikolaus von Gayling, die nicht öffentlich über die Höhe der komplett vom Förderverein getragenen Kosten sprechen wollen, wünschen sich, dass sie unter anderem für Taufen genutzt wird. Bis zu 20 Menschen können sich bei Regen unterstellen. Dafür, dass alles sauber bleibt, wollen die Schüler vom "Kinderlernhaus", einer freien Schule in Ebnet, sorgen. Für alle anderen Unterhaltskosten steht Nikolaus von Gayling ein, der das vorher städtische Grundstück gekauft hat. Damit sind auch die Zweifel beseitigt, die der Pfarrgemeinderat ursprünglich gegenüber den Plänen hatte. Der Pfarrgemeinderat hatte einige Zeit lang befürchtet, die Kirchengemeinde müsse sich um die Kapelle kümmern – und das, sagen der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Clemens Zanger und seine Frau Barbara Zanger, hätte deren Kapazitäten komplett überfordert.

Einweihung: Sonntag, 25. Juli, ab 10 Uhr. Festgottesdienst mit dem Kirchenchor und dem Musikverein Ebnet bei der Kapelle, anschließend Hock mit dem Musikverein Wittnau und Bewirtung durch die katholische Pfarrgemeinde
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Autor: Anja Bochtler