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22. Februar 2012

Von den Bächle bis zum Broadway

VEREINT IM VEREIN: Beim "Bächlechor" gibt’s Rock, Pop, viel Show und immer auch viel Anspruch – musikalisch und politisch.

  1. Viel Schwung ganz von vorn: Chorleiter Wolfgang Roese macht seinen Sängerinnen und Sängern Dampf – und das genießen sie. Foto: Michael Bamberger

LITTENWEILER. Egal, ob er Georg Kreisler oder – wie zurzeit – den Broadway auf die Bühne bringt, die DDR-Mauer einstürzen lässt oder den Wegen ins Exil getriebener Musiker im Nationalsozialismus nachspürt: Der "Bächlechor" ist ganz anders als sein gemütlich-behäbiger Name, nämlich munter und politisch. Dabei geht’s den 48 Sängerinnen und Sängern neben ihrem Anspruch an sich selbst vor allem darum, den Spaß an der Musik nie zu verlieren.

Schonung bringt nicht weiter. Darum findet es Wolfgang Roese, der vorn am Klavier abwechselnd steht oder sitzt, richtig gut, dass die Probe wegen der Fasnacht vergangene Woche ausnahmsweise ins Gemeindezentrum St. Barbara verlegt werden musste: "Im Bürgersaal ist die Akustik viel besser – aber das macht nur faul." Der Chorleiter gibt lieber Dampf und spornt seine Leute an. Auch anfangs, als er klatscht und laut in die Runde ruft, während alle in Gespräche vertieft herumwuseln. Er setzt sich durch, schnell stimmen sie sich ein mit "plumplumplum" und "sing-ning-ning", strecken die Oberkörper, lassen sich unter Roeses Regie "in die Töne ’reingleiten". Richtig los geht’s mit "One" aus dem Broadway-Musical "A chorus line". Sie wiegen sich hin und her, klingen schwungvoll, frisch. Doch Wolfgang Roese ist noch nicht zufrieden: "Das klingt nach Donnerstagabend-Bächlechor, nicht nach Broadway-Sängern, die um einen Job kämpfen – viel zu badisch, nicht wie New York!"

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Seitdem Roese 2003 den Chor übernommen hat, hat sich einiges getan. Klassische Moderne, Jazz, selbst arrangierte Stücke hielten Einzug – vieles, was für Chöre untypisch ist, sagt Markus Lenz, der mit seinem Beruf als Profi-Gitarrist in seinem untypischen Chor selbst untypisch ist: Der "Bächlechor" singt Georg Kreisler genauso wie vor zwei Jahren die Lieder der DDR, als die Sänger bei "Die Partei, die Partei hat immer Recht" die Mauer bauten und sie mit Nina Hagen wieder einstürzen ließen. Auch davor war der Chor mit dem bedächtigen Namen immer eng verknüpft mit "Rock, Pop und Show", sagen Ralf Müller-Faiß und Kerstin Nonnenberg, die als Ehepaar vor elf Jahren dazu kamen. Aus diesem Grund war der "Bächlechor", der seinen Namen in Abgrenzung zum prominenten "Bach-Chor" fand, vor 15 Jahren eigenständig geworden: Bis dahin hatte er als Jugendchor des Gesangvereins Ebnet existiert, doch das dort übliche "traditionelle Liedgut" habe nicht zu den schwungvollen Nachwuchssängern gepasst, sagt Ralf Müller-Faiß – so machten sie sich selbstständig.

Claudia Heinrich war damals dabei, sie ist eine der Wenigen aus der Anfangszeit. Sie waren elf, mittlerweile hat der Bächlechor 48 Mitglieder zwischen Mitte 20 und Anfang 60: "Eine wahnsinnige Entwicklung." Immer wieder kommen Neue dazu, oft nach Konzerten, wenn die Begeisterung aufs Publikum abfärbt. Trotzdem wären Neue erwünscht, vor allem Männer. Zu groß soll die Truppe aber nicht werden, sagt Markus Lenz. Umso mehr, wenn private Unternehmungen stattfinden, bei denen allerdings selten alle gleichzeitig dabei sind – wie bei Weinproben oder dem Freiburg-Marathon.

BÄCHLECHOR

Gegründet: 1997 (als Nachfolger des Jugendchors im Gesangverein Ebnet).

Mitglieder: 48.

Angebot: Donnerstagabends von 20 bis 22 Uhr Proben im Bürgersaal Littenweiler, Aufführungen und Auftritte.

Mitgliedsbeitrag: 14 Euro/Monat, ermäßigt 9 Euro.

Kontakt: http://www.baechlechor.de oder über Ralf Müller-Faiß, 07641/ 9540860.  

Autor: anb

Autor: Anja Bochtler